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Ethik / Philosophie, Andere Schulstufe, Grundschule

Ethik Entdecken mit Philo

Ethik Entdecken mit Philo
Herausgegeben von Marsal, Eva
Erschienen Bamberg: C.C. Buchner, 2014
Seitenanzahl 112
ISBN 978-3-661-20041-5
Geeignet für Bayern, Hessen, Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt, Thüringen
Rezensiert von Henn, Eva und Simone Langer (Studierende), 29. November 2018

Rezension von Henn, Eva und Simone Langer (Studierende)


Wer ist eigentlich Philo? Philos ist griechisch und bedeutet „Freund" und Philo ist die sympathische und schlaue Ratte, mit der Philosophieren Spaß macht. Kinder der 1. und 2. Klasse, die zum ersten Mal mit Ethik in Berührung kommen, werden von Philo durch das Buch geführt. Entweder hat er einen schlauen Rat oder erklärt schwierige Aufgaben genauer. Außerdem hat Philo ganz besondere fünf Finger. Diese sind nämlich bunt angemalt und zeigen den Kindern, welche Aufgabe gerade dran ist. Auf dem lila Cover des Buches winkt Philo den Schülern mit seinen angemalten Fingern zu, was sehr einladend wirkt.
Das Buch „Ethik entdecken mit Philo“ umfasst 112 Seiten und präsentiert sich in einem praktischen und handlichen Format. Die qualitative Aufmachung des Buches ist äußerlich sehr gut, aber auch die Qualität der gewählten Bilder innerhalb des Buches ist sehr hochwertig. Zu dem Buch gibt es als Begleitmaterial einen Lehrerband mit CD, auf der sich alle Materialien in digitalisierter Form befinden. Der Lehrerband ist mit 206 Seiten umfangreich und entsprechend informativ. Es befinden sich dort neben wissenschaftlich-philosophischen Informationen auch vorbereitete Unterrichtsstunden. Dadurch bietet es auch für den fachfremd unterrichtenden Lehrer eine gute Unterstützung.

Aufbau und Struktur
„Ethik entdecken mit Philo“ gliedert sich in vier Hauptkapitel, die sich an den Inhaltsfeldern des Ethik-Kerncurriculums orientieren. Es beginnt mit dem Kapitel „Sich selbst begegnen: Menschsein". Hier betrachten die Kinder sich selbst näher, indem sie ihre Rolle, ihre Wünsche sowie Gefühle erforschen. Die zugehörigen Inhaltsfelder sind „Ich und die Anderen" sowie „Ich und meine Zeit". Das 2. Kapitel mit dem Titel „Dem Anderen begegnen: Zusammenleben" erweitert das Wissen über sich selbst und stellt es in den Kontext mit anderen Menschen. Somit zählt es zu dem Inhaltsfeld „Ich in der Gemeinschaft". In Kapitel 3 „Dem Leben begegnen: Religion und Kultur" werden die Weltreligionen und Kulturen behandelt sowie Rituale des Alltags. Es kann somit dem Inhaltsfeld „Kultur und Religion“ sowie „Ich und meine Zeit" zugeordnet werden. Das letzte inhaltliche Kapitel „Leben in der modernen Welt: Der Mensch und seine Umwelt" behandelt Themen wie Müll, Sonne und Natur, das heißt Themen, die verdeutlichen, welchen Einfluss unser Handeln auf unsere Umwelt hat. Somit kann es dem Inhaltsfeld „Natur und Umwelt" zugeordnet werden. Deutlich wird, dass lediglich das Inhaltsfeld „Ich und meine Zeit" kein eigenes Kapitel hat, sondern in die anderen Kapitel integriert wurde. Die Hauptkapitel können zudem den Leitperspektiven des Kerncurriculums Ethik zugeordnet werden. In Kapitel 1 und 4 wird die Leitperspektive „Individuum" thematisiert. Die Kapitel 2 und 4 beschäftigen sich mit der Leitperspektive „Gesellschaft" und die Leitperspektive „Ideengeschichte" findet sich in Kapitel 3. In diesem Kapitel werden die Religionsfeste der drei großen Weltreligionen thematisiert (Christentum, Judentum und Islam). Im Lehrbuch liegt der Fokus insbesondere auf den verschiedenen Festen und deren religiösem Hintergrund. Darüber hinaus finden sich im Lehrerband weiterführende Aufgabenstellungen, die sich auch mit den Symboliken der einzelnen Religionen befassen.
Die Themen der Hauptkapitel sind überwiegend didaktisch reduziert und so aufbereitet, dass sie einen kindgerechten Einstieg in die Themen ermöglichen (vgl. S. 22). Sie sind so aufgebaut, dass die erste Doppelseite des jeweiligen Kapitels eine kurze Erläuterung zum Thema durch Philo enthält, sowie ein zum Thema passendes Bild oder eine Zeichnung. Die Bilder sind altersgerecht ausgewählt, da sie entweder Kinder zeigen oder von Kindern erstellt wurden. Lediglich das Einführungsbild von Kapitel 3 auf Seite 63 ist nicht zielführend und gewollt inklusiv, da sich nicht erschließt, wie die Abbildung eines Kindes mit Down-Syndrom besonders dazu geeignet ist, das Themenfeld „Religion und Kultur“ vorzubereiten. Auf der letzten Doppelseite der Kapitel befindet sich links immer eine Seite mit dem Titel „Ich zeige mein Können" und rechts eine Seite mit „Wir zeigen unser Können". Bei der Einzelarbeitsseite sollen die Schüler und Schülerinnen zu jedem der fünf Finger Transferaufgaben zu dem Thema des Kapitels bearbeiten. Dadurch kann in Erfahrung gebracht werden, inwieweit die Schüler und Schülerinnen ihre Kompetenzen erweitert haben. Auf den Seiten „Wir zeigen unser Können" handelt es sich um Aufgabenstellungen, die in der Gruppe bearbeitet werden sollen. Davon weicht lediglich das Einführungskapitel ab, hier handelt es sich um eine Aufgabenstellung für die Einzelarbeit (vgl. S. 19). Die Seiten „Wir zeigen unser Können" werden im Lehrerband nicht näher erläutert.
Das letzte Kapitel ist ein Liederkapitel, welches passende Lieder zu den Hauptkapiteln vorsieht. Die Lieder können als Unterrichtseinstieg dienen oder zwischendrin eingesetzt werden. Außerdem gibt es ein Glossar, das nur über eine Seite geht und schwierige Worte kindgerecht erklärt. Bei der Verwendung der entsprechenden Worte wird auf das Glossar verwiesen (vgl. S. 82).
Den Hauptkapiteln ist ein Einführungskapitel vorgeschaltet, in dem die 5-Finger-Methode von Philo vorgestellt wird. Dabei erfüllen die fünf Finger im Buch mehrere Funktionen gleichzeitig: Jeder der Finger steht für unterschiedliche Operatoren, z.B. handelt es sich bei dem 1. Finger immer um die folgenden Operatoren: Beschreibe, Betrachte, Schau genau hin. Die definierten Operatoren je Finger werden bei den Aufgabenstellungen auch überwiegend genauso verwendet. Dadurch werden unspezifische W-Fragen bei den Aufgabenstellungen größtenteils vermieden, diese lassen sich nur vereinzelt finden (vgl. S. 39). Außerdem enthalten die fünf Finger die Kompetenzbereiche, die im Fach Ethik geschult werden sollen. Der erste Finger fördert z.B. die Kompetenz des Wahrnehmens und Beschreibens. Darüber hinaus symbolisieren die Finger die philosophischen Kompetenzen (phänomenologisch, hermeneutisch, analytisch, dialektisch, spekulativ). Beim ersten Finger wird beispielsweise die phänomenologische Kompetenz geschult.

In dem Einführungskapitel wird jedem Finger eine Doppelseite gewidmet. Auf der ersten Seite wird zunächst erklärt, welche Operatoren bei welchem Finger Anwendung finden sowie die ethische Fachkompetenz, die geschult wird. Auf der zweiten Seite befinden sich Aufgaben zum jeweiligen Finger (z.B. Schaue dich im Spiegel an und beschreibe, wie du aussiehst: vgl. S. 9). Dadurch werden die Schüler und Schülerinnen detailliert in die 5-Finger-Methode eingeführt. Folglich können sie bei späteren Aufgabenstellungen, bei denen immer ein Finger angegeben wird statt einer Aufgabennummer, wissen, welche ethische Fachkompetenz gerade mit der Aufgabe geschult wird und was bei der Aufgabe gemacht werden muss.
Betrachtet man die einzelnen Seiten der Kapitel näher, erschließt sich für die Schüler und Schülerinnen nicht automatisch der Zusammenhang der einzelnen Seiten innerhalb der Kapitel. Erst durch die Unterrichtsgestaltung, werden die Seiten in einen Kontext eingebunden. Deutlich wird dies beispielsweise an dem Übergang von dem Thema „Wer bin ich" (vgl. S. 22/23) zu „Lebenswelt - meine Kultur" (vgl. S.24/25). Auf Seite 24 ist ein japanisches Klassenzimmer abgebildet, was zunächst nichts mit dem eigenen „Ich" zu tun zu haben scheint. Hier leistet der Lehrerband Hilfestellung (vgl. S. 49-54 Lehrerband) und verknüpft die beiden Seiten miteinander. In diesem Fall wird der Zusammenhang hergestellt, indem die Kinder ihr Klassenzimmer mit dem japanischen vergleichen sollen. Es geht dabei darum, dass die Kinder sich selbst durch den Vergleich mit Fremdem besser wahrnehmen.

Materialien und Aufgaben
Die Seiten innerhalb der Kapitel sind sehr übersichtlich gestaltet und Text und Bild sind nahezu ausgeglichen. Die Bilder sind immer passend zu den Texten ausgewählt, vertiefen die Fragestellungen und geben Anlass, sich detaillierter mit den Themen auseinander zu setzen. Außerdem gibt es Bilder, die von Kindern im Grundschulalter erstellt wurden. Diese Bilder nennen in der Bilderunterschrift den Ersteller des Bildes, sein Alter sowie das Land, in dem das Kind lebt (z.B. S. 29: Hanako Sano, 10 Jahre, Japan). Die Angabe des Landes gibt bereits einen Anlass, mit den Kindern gemeinsam über andere Länder und Kulturen zu sprechen. Damit wird auch der Heterogenität einer Klasse Rechnung getragen. Des Weiteren stellen die Bilder einen Bezug zum Alltag der Kinder her, da es häufig Fotos von Klassenzimmern, Kindern mit Freunden oder Familien gibt. Dies eröffnet eine zusätzliche Identifikation mit dem Bild. Bei den Texten wird häufig direkte Rede verwendet, dadurch wird er für die Schüler und Schülerinnen der Grundschule verständlicher (vgl. S. 37). In dem Buch werden verschiedene Textarten verwendet. Es finden sich häufig Gedichte (vgl. S. 90), die zu dem jeweiligen Thema passen und als Anlass dienen, das Thema zu besprechen und zu vertiefen. Außerdem gibt es Texte, die von Kindern verfasst wurden (vgl. S. 101). Dies dient dazu, dass sich die Schüler und Schülerinnen mit den gleichaltrigen Lernenden identifizieren und ein Lebensweltbezug hergestellt wird. Neben diesen Textsorten gibt es noch einen Comic (vgl. S. 55), Dilemmageschichten (vgl. u.a. S. 50) und ein Märchen (vgl. S. 72/73). Insbesondere die Letztgenannten sowie die unterschiedlichen Bilder im Buch geben Anlass für das Philosophieren. Philosophische Texte, journalistische Texte und Biografien finden sich nicht im Buch, was positiv zu bewerten ist, da diese dem Niveau der Grundschule nicht entsprechen.

Die Aufgaben im Lehrbuch sind innerhalb der Seiten aufeinander aufgebaut. Ein Beispiel dafür findet sich auf Seite 39. In der ersten Aufgabenstellung sollen die Schüler und Schülerinnen die dargestellte Situation beschreiben und sich anschließend in die verschiedenen Rollen hineinversetzen. So wird der Schwierigkeitsgrad gesteigert und die Kinder müssen lernen, verschiedene Perspektiven einzunehmen. Generell stehen bei den Aufgaben die Probleme im Vordergrund. Auf Seite 39 ergibt sich das Problem bereits im Text. Ebenso auf Seite 78, hier wird das Kind durch den Aufbau der Aufgaben zum Problem hingeführt. Durch die Bilder und Texte wird an das Vorwissen der Kinder angeknüpft. Bei der Lösung der Probleme sind die Kinder sehr frei in ihrer Wahl und finden keine vorgefertigten Lösungsschemata.
Das Buch setzt seinen Fokus auf die Problemorientierung und bietet weniger handlungsorientierte Aufgaben an. Die Kinder bekommen häufig die Aufgabe gestellt, sich in die Situation hinein zu versetzen und einen entsprechenden Lösungsplan zu entwerfen, doch konkrete Handlungsaufgaben werden nur teilweise gestellt (siehe S. 41: Zirkusprojekt). Durch die Methodenvielfalt, die sich aus dem Lehrerband ergibt, wird die fehlende Handlungsorientierung kompensiert, da die Aufgaben dadurch abwechslungsreicher werden (vgl. S. 142 Lehrerband).

Fazit
Insgesamt ist das Werk „Ethik entdecken mit Philo“ ein sehr kindgerechtes Lehrbuch. Insbesondere Philo und die Gestaltung des Buches mit vielen Bildern und dem Bezug zum Alltag der Kinder wirken ansprechend. Weniger kindgerecht sind einige Aufgabenstellungen, die teilweise sehr lang (vgl. S. 26) und schwierig sind (vgl. S 23, grüner Finger). Gerade für Kinder des 1. und 2. Schuljahres, die erst das Lesen und Schreiben erlernen, kann dies eine Schwierigkeit darstellen und demotivierend wirken. Insbesondere im Einführungskapitel gibt es sehr viel Text, so dass sich die Schüler und Schülerinnen die 5-Finger-Methode nicht selbst erarbeiten können. Außerdem kann an den Aufgaben kritisiert werden, dass diese keine Nummern haben. Das ist einer einfachen Unterrichtsorganisation nicht zuträglich.
Sowohl die fachspezifischen als auch ethischen Kompetenzen werden durch die 5-Finger-Methode geschult. Dabei wird kein Fokus auf eine der Kompetenzen gelegt. Man könnte dies kritisieren, da bei dem Thema Gefühle die Kompetenzen nicht auf „hineinversetzen und verstehen" konzentriert werden. Gewinnbringend ist vor allem der zugehörige Lehrerband, der die Themen miteinander verbindet, komplette Unterrichtsplanungen vorschlägt, verschiedene Medien einbindet und zusätzliche Informationen, auch zu philosophischen-ethischen Fragen, beinhaltet. Was jedoch weder der Lehrerband noch das Lehrbuch aufweisen, sind Differenzierungsangebote. Die Inhalte der Kapitel sind nicht einseitig dargestellt, sondern berücksichtigen verschiedene Positionen. Eine Ausnahme stellt lediglich Kapitel drei dar. Dort werden nur drei der fünf großen Weltreligionen umfassend vorgestellt. Beim Hinduismus wird nur das Holi-Festival thematisiert (vgl. S. 82). Der Buddhismus ist inhaltlich gar nicht vertreten. Trotz der genannten Kritik ist das Lehrbuch „Ethik entdecken mit Philo 1/2“ ein empfehlenswertes Buch. Alle aus dem Kerncurriculum geforderten Themen werden inhaltlich behandelt und durch die 5-Finger-Methode werden die Kompetenzen gezielt und transparent geschult. Darüber hinaus ist der Lehrerband das Begleitmaterial, welches sich jeder Lehrer wünscht.

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