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Ethik / Philosophie, 5./6. Schuljahr, Gymnasium

Leben leben 1

Leben leben 1
Herausgegeben von Rösch, Anita
Erschienen Stuttgart: Klett, 2010
Seitenanzahl 200
ISBN 978-3-12-695230-9
Geeignet für Nordrhein-Westfalen, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein, Sachsen-Anhalt
Rezensiert von Handstein, Katrin, Margarita Melnikow und Janka Alina Rosenstock (Studierende), 7. November 2012
Projekt Justus-Liebig-Universität Gießen, Sommersemester 2012, Schulbücher im Ethik- und Philosophieunterricht

Rezension von Handstein, Katrin, Margarita Melnikow und Janka Alina Rosenstock (Studierende)


Einleitung
„Warum sehen alle Menschen so unterschiedlich aus?“, „Warum gibt es für alles Regeln und Vorschriften?“, „Warum glauben nicht alle Menschen an den gleichen Gott?“ und „Warum stellen wir uns diese Fragen?“. Mit solchen oder ähnlichen Fragen, die sich jedes Kind im Alter von zehn bis zwölf Jahren irgendwann stellt, leitet das Schulbuch für Praktische Philosophie und Ethik „Leben leben 1“ für die 5. und 6. Klassen an Gymnasien, Real- und Gesamtschulen ein. In seinem Verlauf nimmt das Lehrwerk die Schülerinnen und Schüler an die Hand und versucht, ihre Fragen schüler- und lebensorientiert, methodisch und philosophisch zu beantworten.

Gestaltung des Layouts
Der Einband des Buches „Leben leben 1“ besteht aus fester Pappe und bietet somit erfahrungsgemäß Schutz und Langlebigkeit. Das äußere Erscheinungsbild des Buches ist sehr ansprechend. Es wurde mit Hilfe unterschiedlicher Farben, Formen und Bildern gestaltet. Auch innerhalb des Buches sind die Bilder, Texte und Überschriften ansprechend angeordnet. Besonders bei den Bildern wird angemessen zwischen Fotografien und Kunstdruck variiert. Sie sind altersgerecht ausgewählt und zeitlich aktuell. Im allgemeinen Verhältnis von Bild und Schrift überwiegt in den meisten Fällen der Textanteil erheblich.
Auch das Inhaltsverzeichnis ist klar strukturiert und übersichtlich. Die Hauptüberschrift bzw. das Hauptthema der Kapitel ist immer grün und „fettgedruckt“. Die Unterthemen sind orange gestaltet und Fragen bzw. Aufgaben, Methoden und die „Wissen, Können, Weiterdenken“- Seiten sind mit der Farbe Blau gekennzeichnet. Sowohl farblich als auch inhaltlich ist das Buch klar strukturiert.

Einführung in das Buch
Zwar gibt es kein direktes Vorwort der Autoren, in welchem diese ihr Konzept erläutern, allerdings ist besonders lobenswert zu erwähnen, dass es zu Beginn eine genaue Anleitung gibt, wie mit dem Buch zu arbeiten ist. Anhand einer exemplarischen Seite wird den Schülerinnen und Schülern schrittweise genau erläutert, was auf den jeweiligen thematischen Doppelseiten zu finden ist (z.B. Arbeitstechniken oder Begriffserläuterungen), ebenso werden alle weiteren Seitenarten, z.B. Auftakt- und Schlussseiten oder Methoden-/Projektseiten, vorgestellt. Des Weiteren gibt es ein einführendes Kapitel, „Geschichten zum Staunen und Grübeln“, anhand dessen die Schülerinnen und Schüler erfahren können, mit was sich Ethik überhaupt beschäftigt und wo sie vorkommt. Eine Projektseite „Was euch erwartet“ soll diese Einführung zusätzlich ergänzen. Man kann also sagen, dass die Schülerinnen und Schüler klar und vorausbli - ckend informiert werden, was ihnen im Laufe des Schuljahres begegnen wird.

Grundkonzeption
Der größte Vorteil, den „Leben leben 1“ bieten kann, ist der rote Faden, der im Laufe der Kapitel nicht ein einziges Mal an Transparenz und Durchgängigkeit verliert. Jedes Hauptthema, nach welchem sich die Kapitelaufteilung ausrichtet, wird in diverse Einzelthemen unterteilt, welche wiederum jeweils auf einer Doppelseite behandelt werden. Zu jedem Kapitel gehören eine Auftaktseite mit den zentralen Fragen des Kapitels, ein Comic-Strip, die inhaltliche Erarbeitung der Themen anhand von Bildern, Texten und Aufgaben, die sich altersgerecht mit dem „Sein und Werden“ der Schülerinnen und Schüler im 5. und 6. Schuljahr befassen, sowie eine Wissen-Können- Weiterdenken-Seite und eine abschließende Methodenseite.
Als besonders positiv hervorzuheben sind hierbei die zweiseitigen Comic-Strips. Vier junge Schülerinnen und Schüler, zwei Jungen und zwei Mädchen, werden in verschiedenen Situationen im Klassenraum gezeigt, die thematisch die Kernfragen des folgenden Kapitels auf spielerische und motivierende Art und Weise aufgreifen. Somit dienen sie als Einleitung und werden gleichzeitig zum Denkanstoß für die Schülerinnen und Schüler, sich selbst in derartige Situationen hineinzuversetzen. Beispielsweise beginnt Kapitel 1 mit einem Comic, in dem einer der Schüler den Klassenraum „verwüstet“ hat, weil er sich über eine 5 in Mathe geärgert hat. Die Situation wird geschildert und geht in die Frage über: „Und du- wann wirst du richtig wütend?“ Die Kinder werden also ganz gezielt angesprochen und zum Transfer auf ihre eigene Person, ihr eigenes Handeln angeregt.
Einen ebenso positiven Eindruck erhält man von den „Wissen Können Weiterdenken“- Seiten. Es wird nochmals genau zusammengefasst, was der Schüler/die Schülerin im Verlauf des Kapitels inhaltlich gelernt hat. Doch nicht nur auf das erworbene Wissen, sondern auch auf die methodischen Kompetenzen (Können), die gefestigt wurden, wird rückwirkend Bezug genommen, indem diese auch nochmals angewendet werden. Ausgehend von der übergeordneten Fragestellung des jeweiligen Kapitels werden anhand von Schaubildern die weiterführenden Fragen, die sich aus den vorherigen ergeben, vorgestellt. Die Schülerinnen und Schüler werden so durch die Kapitel geleitet und erkennen, dass diese Fragen in den nächsten Kapiteln wieder aufgegriffen und beantwortet werden. So ist auch eine klare Lernprogression intendiert, da das Wissen und Können von Kapitel zu Kapitel erweitert wird. Auch die thematische Struktur ist durch einen aufsteigend aufgebauten Verlauf gekennzeichnet. Ausgehend vom Blick auf die eigene Person, die Emotionen und den eigenen Körper erweitert sich die Perspektive schrittweise zum Blick auf die eigene Person und konkrete Andere, bis sie den Blick auf die gesamte Umwelt erweitert.

Aufgabenstellung
Das Lehrwerk überzeugt mit einer guten Textauswahl, einer schüleransprechenden Präsentation und schülergerechten Inhalten. Die Texte sind überwiegend in Erzählerperspektive geschrieben und erläutern ein Thema an Alltagsbeispielen. Schwierige Begriffe werden in einer Randspalte separat erklärt. Handelt es sich um einen Text eines Philosophen oder Schriftstellers, werden zusätzlich Informationen zur Person dort vermerkt. Die Nummerierung der Texte/Materialen ist identisch mit der Nummerierung der Aufgaben, was wieder einmal die klare Struktur und Übersichtlichkeit verdeutlicht. Je nach Themenkomplexität ergeben sich bis zu sechs Kernaufgaben, denen oftmals noch mehrere Teilaufgaben (a-c) zugeordnet sind, so dass der Aufgabenteil oftmals beinahe bis zu einer halben Seite beansprucht. In Relation zu den oftmals relativ kurzen Texten entsteht somit ein klares Missverhältnis. Zwar sind die Aufgaben in ihrem Aufwand unterschiedlich und methodisch abwechslungsreich gestaltet, dennoch herrscht ein eindeutiges Überangebot. Die große Menge kann die Schülerinnen und Schüler „abschrecken“ und der Lehrkraft das Auswählen der geeignetsten Aufgabentypen zusätzlich erschweren. Auch im Bezug auf die Anforderungen, die die Aufgaben an die Kinder stellen, könnte sich in manchen Bereichen ein Überforderungspotenzial bieten. Zudem ist in der Gestaltung der Aufgaben zusätzlich keine klare Binnendifferenzierung erkennbar, die Aufgaben sind für die Schülerinnen und Schüler aller Schulformen gleichermaßen gedacht. Hier liegt es also an den Lehrerinnen und Lehrern, ohne anleitende Unterstützung aus den Aufgaben nach den individuellen Fähigkeiten der Schülerinnen und Schüler auszuwählen.
Weitere Ergänzungsmöglichkeiten werden durch eine CD-ROM und mehrere „onlinelinks“ geboten. Sehr positiv ist, dass auch ein Lehrerhandbuch zum Lehrwerk erhältlich ist, welches der Lehrkraft weitere interessante Anregungen und Auswahlmöglichkeiten in Bezug auf Unterrichtsplanung und -durchführung bietet.
Methodisch wird im Lehrwerk sehr variierend gearbeitet. Alle Sozialformen wie Einzel-, Partner- und Gruppenarbeit werden aufgegriffen, nicht selten auch miteinander kombiniert. Zusätzlich endet jedes Kapitel mit der Vorstellung einer neuen Methode, die die methodischen Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler erweitern soll, so beispielsweise das „Philosophieren mit Bildern“ am Ende des zweiten Kapitels. Leider ist nicht ersichtlich, dass die neu vorgestellten Methoden im Verlauf der nächsten Kapitel erneut oder zumindest in Ansätzen wieder aufgegriffen würden, somit verliert ihr ursprünglich intendierter Bereicherungswert natürlich an Wirksamkeit. Fächerübergreifende Inhalte finden sich zahlreich, z.B. lässt sich der Feldversuch ‚Gib und Nimm‘ zum Thema „Arm und Reich“ nicht nur im Ethik-, sondern auch im Religions-, Geschichts- oder Politik-und Wirtschaftsunterricht durchführen.

Lernplanbezug
In Bezug auf die Lehrpläne der verschiedenen Bundesländer ist festzustellen, dass sowohl für Haupt- und Realschule als auch für das Gymnasium alle vorgeschrieben Themen im Großen und Ganzen berücksichtigt werden. Oftmals wird selbst die Themenbezeichnung wortwörtlich aus den Lehrplänen übernommen, was für ein großes Übereinstimmungspotenzial spricht. Auch diverse Arbeitsmethoden, wie beispielsweise das Rollenspiel, werden von den Lehrplänen vorgeschlagen und im Schulbuch aufgegriffen. Zu bemängeln bleibt, dass vor allem das Thema „Freundschaft“ im Buch lückenhaft behandelt wird. So fehlen unserer Ansicht nach wichtige Teilaspekte wie beispielsweise Freundschaften zwischen Jungen und Mädchen. Auch „Verliebtsein“ lässt sich als Teilaspekt dieses Themas im Buch nicht finden, ist aber doch für die Kinder, die in der Regel kurz vor dem Übergang in die Pubertät stehen, von besonderer Wichtigkeit.
Die drei Weltreligionen Christentum, Islam und Judentum spielen auch im Ethikunterricht eine zentrale Rolle, desgleichen fordert es der Lehrplan. Das Lehrwerk bezieht sich bei deren Behandlung vornehmlich auf die großen Feiertage und Feste, z.B. das Pessach- oder das Zuckerfest. Die Entstehungsgeschichte der Religionen, aber vor allem Informationen über die Religionsbegründer, sollen laut Lehrwerk in einem Projekt selbst erarbeitet werden. Hierbei stellt sich die Frage, ob die Komplexität des Themas die Kinder in seiner Bearbeitungsform der selbstständig durchgeführten Recherche nicht überfordern könnte. Zwar ist die Beschäftigung mit den Festen sicherlich altersgerecht, jedoch wäre eine gezieltere Verknüpfung mit den Religionen und ihren Repräsentanten wünschenswert. Grundsätzlich ist die Auswahl der Inhalte aber schülerorientiert und altersgerecht und dementsprechend als angemessen zu betrachten.

Fazit
Insgesamt bewerten wir als angehende Ethiklehrerinnen und -lehrer das Buch als sehr positiv. Die farblich ansprechende Konzeption wurde von Anfang bis zum Ende beibehalten. Jedes Kapitel ist strukturiert und immer gleich aufgebaut. Auch die einleitenden Fragen werden in Gänze aufgegriffen und von Kapitel zu Kapitel philosophisch und doch gleichzeitig kindgerecht bearbeitet und soweit eben möglich auch beantwortet. Es bestätigt sich also der Eindruck, dass die Schülerinnen und Schüler angeleitet dem roten Faden durch das Lehrwerk folgen können. Als kleiner Kritikpunkt verbleibt einzig das Überangebot an Aufgaben und die somit entstehende potenzielle Überforderung auf den ersten Blick.
„Leben leben 1“ ist unserer Meinung nach empfehlenswert und mit der Hilfe dieses Lehrwerks kann man den Ethikunterricht mit Spaß und Freude angehen.


Lizenz: CC BY-ND 4.0 Lizenz „Namensnennung – Keine Bearbeitungen 4.0 International“ (CC BY-ND 4.0)


Info Zitation Handstein, Katrin, Margarita Melnikow und Janka Alina Rosenstock. Rezension zu: Leben leben 1 von Rösch, Anita (Hg.). Stuttgart: Klett 2010, ISBN 978-3-12-695230-9, Edumeres 2012, http://edu-reviews.edumeres.net/en/reviews/reviews/handstein-katrin-margarita-melnikow-und-janka-alina-rosenstock/, zuletzt geprüft am 15.10.2019.

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