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Ethik / Philosophie, 5./6. Schuljahr, Hauptschule, Realschule, Gymnasium

philopraktisch 1

philopraktisch 1
Herausgegeben von Peters, Jörg und Bernd Rolf
Erschienen Bamberg: C. C. Buchner, 2009
Seitenanzahl 272
ISBN 978-3-7661-6665-4
Geeignet für Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein
Rezensiert von Baumann, Julian und Laura Marie Dick (Studierende), 8. September 2015

Rezension von Baumann, Julian und Laura Marie Dick (Studierende)


Einleitung
„Philopraktisch 1“– der Name ist Programm. Die Schüler[1]
werden durch besonders schülerorientierte und praxisnahe Aufgabenstellungen angesprochen und zu Interaktivität motiviert. In jedem Kapitel kann von den Schülern ein Projekt zum Kapitelthema bearbeitet werden. Das Buch zielt dabei auf Methodenvielfalt und bietet eine Fülle an Gestaltungsspielraum. Die Inhalte des Schulbuches werden durch eine Vielzahl von Bildern unterstützt und veranschaulicht.
„Philopraktisch 1“ ist an Schüler der 5. und 6. Jahrgangsstufe der Haupt-, Realschulen und Gymnasien gerichtet. Im Vorwort werden die Schüler dazu aufgefordert, ähnlich wie Philosophen oder Detektive auf die Suche nach Antworten auf Fragen des (Schüler-)Lebens zu gehen. Zu diesem Schulbuch existiert ein Lehrerhandbuch und im Internet sind digitale Arbeitsblätter zu finden.


Aufbau und Layout

Entsprechend des nordrhein-westfälischen Kernlehrplans sind die Kapitel des Lehrwerkes in sieben Fragenkreise mit jeweils zwei großen Themenfeldern aufgeteilt. Ein Themenfeld besteht aus sieben Unterkapiteln. Diese mit dem Lehrplan identische Einteilung gibt dem Nutzer eine gute Orientierung. Da dieses Schulbuch für die fünfte und sechste Klasse konzipiert ist, ist es der Lehrkraft freigestellt, welches Themenfeld aus einem Fragenkreis gewählt wird. Dabei ist ein Themenfeld eher praktisch orientiert, das andere hingegen umfasst vermehrt Aufgaben zu Texten. Eines der Themenfelder ist jedoch obligatorisch zu behandeln. Die Unterkapitel bestehen dabei jeweils aus einer Doppelseite. Dort befinden sich unten rechts die Aufgabenstellungen. Zu Beginn der Kapitel gibt es keine Auftaktseite. Die ist in fünften und sechsten Klassen auch nicht notwendig, da der Inhalt in den Kapiteln beispielsweise in Form von Bildern anschaulich dargestellt wird. Da dieses Schulbuch nicht auf reine Wissensvermittlung, sondern auf einen offenen Lernprozess abzielt, werden keine Kontrollmöglichkeiten, wie etwa in Form einer Checkliste, benötigt. Erfreut hätte uns ein Glossar, welches wichtige Begriffe nochmal kurz erläutert.
Ein Kapitel wird eröffnet, indem es sich thematisch auf den individuellen Leser bezieht (Ich-Perspektive). Danach wird der Blick auf die Klasse, Familie, Gesellschaft etc. gerichtet (Wir-Perspektive). Es liegen aber noch weitere Felder außerhalb des Erfahrungsraums der Schüler, welche auch betrachtet werden (bspw. Familien in Entwicklungsländern). Anschließend liefert der ideengeschichtliche Teil Wissen, welches als Handwerkzeug als Mittel zur Reflexion dient. Am Ende des Kapitels wird ein Bezug zum Lebensraum des Schülers hergestellt und Ideen für die Handlungsmöglichkeiten des Einzelnen gegeben (Individuum, Gesellschaft, Ideengeschichte).

Das Layout des Schulbuches ist schlicht, aber dennoch so gestaltet, dass es eine Verbindung von philosophischen Inhalten und Lebenswirklichkeit der Schüler zum Ausdruck bringt.
Die verschiedenen Abbildungen und Bilder sind in die Aufgabenstellungen mit eingebunden. So entsteht ein Bezug zwischen Text und Bild. Einige Abbildungen von Büchern sind jedoch illustrativ verwendet, wodurch ein Leseanreiz für die Schüler geschaffen wird.


Betrachtung der Materialien und Aufgabenstellungen

Comics, Märchen, Fabeln, Geschichten, Charakterisierungen von Personen aus dem Alltag der Schüler etc. sind nur einige von den vielen unterschiedlichen Textformen, welche die Inhalte schülerangemessen vermitteln. Das Schulbuch scheint auf den ersten Blick sehr textlastig zu sein, man erkennt aber recht schnell, dass die Texte didaktisch sinnvoll ausgewählt sind und durch Bilder bereichert werden.

Die Aufgabenstellungen des Schulbuches folgen dem didaktischen Dreischritt der Leseforschung: Vorwissen aktivieren – Texterarbeitung – Anschlusskommunikation. Durch diesen Dreischritt werden die Schüler zum selbstständigen Denken angeregt. Das Grundkonzept des Schulbuches ist nicht zum eigenständigen Lernen ausgelegt, da die Methoden häufig zur Interaktion mit Klassenkameraden auffordern. Weiterhin finden sich keine thematische Schwerpunktsetzung zu Beginn eines jeden Kapitelthemas und keine anschließende Überprüfung dessen. Die Aufgabenstellungen sind meist als typische W-Fragen konzipiert. Es wäre wünschenswert gewesen, wenn in den Aufgabenstellungen mit den unterschiedlichsten Operatoren gearbeitet worden wäre, um so bei den Schülern das sprachliche Bewusstsein zu fördern. Operatoren sind Handlungsanweisungen und Schlüsselwörter für die Bearbeitung von Aufgaben, die bereits in den jüngeren Jahrgangstufen eingeübt werden können.Ein roter Faden zieht sich durch den kompletten „Block“ an Aufgabenstellungen. So findet man auch hierbei den Dreischritt (s. o.) vor. Dies ist bei diesem Schulbuch besonders gut gelungen, denn die Schüler setzen zum Ende eines jeden Unterkapitels das zuvor Erlernte in Beziehung zu ihrer Lebenswirklichkeit. Die letzte Aufgabe eines Unterkapitels fordert immer eine kritische Urteilsbildung der Schüler. Bei einem Unterkapitel müssen nicht alle Aufgaben bearbeitet werden, die grau gedruckten sind zusätzliche Aufgaben, welche eine höhere kognitive Leistung fordern. Alle Aufgaben weisen eine klare verständliche Sprache auf und die Textausschnitte sind so didaktisch reduziert, dass sie leicht und für die Jahrgangsstufe angemessen zu verstehen sind. Einige Aufgabenstellungen verweisen auf zusätzliche Internet-Links und auf Buchtitel, deren Inhalte bereits im Schulbuch auf philosophische Themen bezogen angesprochen werden.Dieses Schulbuch verweist auf viele unterschiedliche Methoden zur Bearbeitung der Aufgaben. Darunter findet man nicht nur Methoden, die eine schriftliche Erarbeitung verlangen, wie bspw. das „Clustering“ oder „Mindmapping“, sondern in der Mehrzahl aktive und praktische Methoden, bei denen die Schüler die Kernaussage verinnerlichen sollen. Es finden sich nicht nur die typischen Methoden wie Rollenspiele oder Standbilder, sondern auch solche wie „Der Heiße Stuhl“, „Gedankenexperiment“ oder auch die „Realbegegnung“.Besonders gut gelungen ist diesem Schulbuch, die „schweren“ philosophischen Inhalte lebensnah und verständlich zu vermitteln. Es schlägt die Brücke zwischen philosophischen Inhalten und Lebenswirklichkeit der Schüler. Die Lebenswirklichkeit der Schüler wird auf unterschiedliche Weise angesprochen. Der Inhalt wird nicht nur an Themen aus dem Alltag der Schüler dargestellt, sondern es finden sich zahlreiche Klassiker aus der Kinderliteratur, wie beispielsweise Märchen, in diesem Schulbuch wieder. Figuren wie Pippi Langstrumpf, Max und Moritz, Leon von den Wilden Kerlen oder aktuelle Stars wie Selena Gomez schaffen Identifikationsmöglichkeiten, was zu einer intensiveren Auseinandersetzung mit den Unterrichtsinhalten führt.Dieses Schulbuch geht nicht explizit auf den aktuellen ethischen Diskurs der Interkulturalität ein. Es finden sich nur wenige Bilder und Dialoge, in denen ausländische Namen einem begegnen.Die Umsetzung und Förderung der im Kernlehrplan Nordrhein-Westfalens benannten Kompetenzen wird durch die unterschiedlichsten Themen, Aufgabenstellungen und Methoden ermöglicht.

Fazit
„Der Name ist Programm!“ Unsere These zu Beginn der Rezension hat sich bestätigt. Das Schulbuch ermöglicht es, dass die Schüler die philosophisch aufbereiteten Themen bewusst und aktiv handelnd begreifen. Die unterschiedlichsten Darstellungsformen erreichen es, eine Verbindung zwischen philosophischen Inhalten und Lebenswirklichkeit der Schüler herzustellen. Die zahlreichen und gut ausgewählten Bilder, Comics, Zeichnungen usw. bieten den Schülern eine Möglichkeit zur Identifikation. Besonders gelungen sind diesem Schulbuch die Verwirklichung der Leitperspektiven – Individuum, Gesellschaft, Ideengeschichte – und die Umsetzung der unterschiedlichsten Kompetenzen, fachliche Kompetenzen sowie überfachliche Kompetenzen. Die Schüler arbeiten aufgrund der vielfältigen Aufgabenstellungen im Team, in der Gruppe zusammen oder in Einzelarbeit. So wird nicht nur der Inhalt auf unterschiedliche Weise erarbeitet, sondern die Kommunikations-, Kooperations- und Sprachfähigkeit der Schüler wird gefördert.
„Philo praktisch 1“ animiert die Schüler dazu, sich nicht nur in der Schule, sondern auch außerhalb dieser mit ethischen Themen zu beschäftigen und ihre Lebensumwelt zu gestalten.


[1] Aus Gründen der besseren Lesbarkeit verwenden wir nur die männliche Form, die weibliche Form ist selbstverständlich damit eingeschlossen.


Lizenz: CC BY-ND 4.0 Lizenz „Namensnennung – Keine Bearbeitungen 4.0 International“ (CC BY-ND 4.0)


Info Zitation Baumann, Julian und Laura Marie Dick. Rezension zu: philopraktisch 1 von Peters, Jörg und Bernd Rolf (Hg.). Bamberg: C. C. Buchner 2009, ISBN 978-3-7661-6665-4, Edumeres 2015, http://edu-reviews.edumeres.net/rezensionen/rezension/baumann-julian-und-laura-marie-dick/, zuletzt geprüft am 22.09.2019.