Zurück zur Übersicht

Ethik / Philosophie, 9./10. Schuljahr, Realschule

Lebenswert 3

Lebenswert 3
Herausgegeben von Peters, Martina, Jörg Peters und Bernd Rolf
Erschienen Bamberg: C. C. Buchner, 2015
Seitenanzahl 200
ISBN 978-3-7661-6681-4
Geeignet für Niedersachsen
Rezensiert von Ebert, Katharina und Philipp Lehr (Studierende), 2. Oktober 2015

Rezension von Ebert, Katharina und Philipp Lehr (Studierende)


Einleitung

Die Autoren des Buches Lebenswert versprechen den Leserinnen und Lesern ein abwechslungsreiches philosophisches Menü. Nüchtern betrachtet entspricht die hier so genannte „Speisekarte“ dem Kerncurriculum von Niedersachen. Ob sich dennoch die ein oder andere kulinarische Delikatesse finden lässt, bleibt abzuwarten.
Betrachtet man das Rezeptbuch zum ersten Mal, fällt die doch eher nüchterne Garnierung der Gerichte auf. Das Schriftbild ist zwar gut gewählt und den 9./10. Jahrgansstufen sicherlich angemessen, aber insgesamt wirkt es etwas lieblos.
Ebenso kann die Haptik nicht vollständig überzeugen, denn, bedingt durch den dünnen Buchdeckel, scheint das Buch nur begrenzt strapazierfähig zu sein. Allerdings ist es für seine Größe relativ leicht (435g) und so für die Lernenden angenehm zu handhaben und zu transportieren.

Seien wir also gespannt, wie unsere Köche versuchen werden, die verschiedenen Gerichte den unterschiedlichen Schulformen (Gesamtschule, Realschule und Gymnasium) schmackhaft zu machen, und ob sie in der Lage sind, durch geschicktes Einkochen (Reduzieren) eine zeitgemäße und verständliche Formulierung zu finden.


Konzept

Die Gliederung des Buches erfolgt in fünf Kapiteln. Diese entsprechen den im Kerncurriculum Niedersachsens geforderten Inhalten für das Fach „Werte und Normen“. Allgemein verläuft die Gestaltung der Abschnitte einheitlich. Jedes Kapitel ist in jeweils drei Unterkapitel eingeteilt.
Die Trennung der jeweiligen Haupthemen voneinander geschieht nicht traditionell mit einer Auftaktseite, sondern ist über eine farbliche Abstufung realisiert.
Die Themen der Unterpunkte der einzelnen Kapitel erstrecken sich jeweils über eine Doppelseite, die mit einem dazugehörigen Aufgabenblock abschließt. Durch eine gezielte Aufgabenstellung wird versucht einen Kompetenzaufbau der Schülerinnen und Schüler anzustreben.

Prinzipiell sind die Doppelseiten so strukturiert, dass zu jedem vorliegenden Material mindestens eine dazugehörige Aufgabe existiert. Der Einstieg in die Thematik erfolgt anhand eines Bildes, mit dem sich die Schülerinnen und Schüler auseinandersetzen müssen. Danach folgen Aufgaben, die die Schülerinnen und Schüler zur Vertiefung der Thematik bearbeiten sollen, dies geschieht anhand von ausgewählten Texten.
Des Weiteren werden innerhalb einer Einheit die wichtigsten Definitionen in einem Merksatz festgehalten. Dies ist insbesondere für die Lernenden zum Bearbeiten der Doppelseiten äußerst hilfreich und arbeitsförderlich. Zudem kann sich dies positiv auf ihre Motivation auswirken. Für das Lösen bestimmter Aufgaben werden unterschiedliche Methoden benötigt. Diese sind zum leichteren Auffinden mit einem Kürzel versehen und übersichtlich im Buchdeckel aufgelistet.

Auf den letzten Seiten befindet sich ein Methodenüberblick, in dem die unterschiedlichen Verfahrensweisen skizziert sind. Dieser Überblick wird auch im vorhandenen Lehrerhandbuch aufgegriffen, sodass die jeweilige Lehrkraft optimal unterstützt wird. An dieser Stelle lassen sich ebenfalls Hinweise zur Konzeption des Buches und zu den Aufgaben sowie methodisch-didaktische Hinweise zu den Doppelseiten finden.
Bedingt durch die strikte Trennung der jeweiligen Kapitel voneinander fehlt die Verknüpfung der philosophischen, religiösen sowie sozialwissenschaftlichen Aspekte.

Diskussionswürdig ist der Kontext, in dem Migranten dargestellt werden. Beispielsweise sind in Interviews lediglich Personen wie Anna, Laura, Tim (siehe z.
 B. S. 31 „In or out?“) beteiligt. Migranten hingegen treten ausschließlich in Zusammenhängen mit Konflikten, Gewalt oder Aggressionen auf (siehe z. B. S. 92 „M1“). Somit besteht die Gefahr, dass unterschwellig ein stereotypes Denken vermittelt und gefördert wird.

Texte und Materialien
Die Auswahl der Texte beschränkt sich überwiegend auf Textformen, welche einen informierenden Charakter haben und versuchen, Lösungen zu bestimmten Problemstellungen aufzuzeigen. Neben Sachtexten und Geschichten wird den Schülerinnen und Schülern ein umfassendes Repertoire an Berichten, Dialogen, Interviews und Zitaten dargeboten. Den Lernenden wird so ein Einblick in die Vielfalt unterschiedlicher Textsorten ermöglicht. Die Aktualität sowie der Alltagsbezug der Materialien sind gegeben. Auffällig ist allerdings, dass das Sprachniveau relativ unausgewogen ist. Die zu lesenden Texte zeichnen sich durch ein relativ niedriges Sprachniveau aus. Die Definitionen hingegen sind häufig zu kompliziert formuliert (siehe z. B. S. 86 „Utilitarismus“). Sie erzeugen durch ihre Komplexität mehr Verwirrung als Klarheit, sodass die Gefahr besteht, dass die Schülerinnen und Schüler verunsichert werden.

Die Autoren versuchen eine Differenzierung bei den Texten zu ermöglichen, allerdings sind die Anforderungen hinsichtlich des Schwierigkeitsgrades nicht immer gelungen. Diese Punkte erschweren der Lehrkraft nicht nur die notwendige äußere Differenzierung, sondern auch die innere Differenzierung innerhalb der Klasse.
Texte, die interessengebundene Positionen widergeben, sowie deren Zielsetzung sind eindeutig erkennbar. Dabei werden die vielfältigsten ethischen Fragen aufgegriffen, welche von den Schülerinnen und Schülern allerdings noch nicht gelöst werden müssen. Dies könnte die Lernenden überfordern, sodass man sich hier auf das Aufzeigen der Problemstellungen beschränkt hat.

Verweise auf weiterführende Quellen oder Medien kommen kaum vor. Dies ist besonders in der heutigen Zeit, in der unser gesamtes Leben medial verflochten ist, äußerst schade. Ein weiteres Manko stellen die Quellenangaben dar. Diese werden zum einen Teil im Verlauf des Buches uneinheitlich angegeben und zum anderen Teil am Ende des Buches im Sachregister aufgeführt. Besonders da man ein wissenschaftliches Arbeiten der Lernenden anstrebt, sollte dies in einem Schulbuch korrekt dargestellt werden.
Des Weiteren muss man die Bildauswahl sowie die dazugehörigen Aufgaben kritisch betrachten. Es wird versucht, eine gewisse Schülernähe über das Medium des Bildes aufzubauen, welches allerdings häufig missglückt (siehe z. B. S. 82 „M1“). So lassen sich auf manchen Seiten Bilder finden, die die Schülerinnen und Schüler analysieren sollen, welche jedoch völlig unangebracht sind. So wird auf der Seite 82 zum Thema Konflikte und Konfliktlösungen eine Figur aus Herr der Ringe dargestellt, die mit einer Axt eine Handlung ausführt. Die Schülerinnen und Schüler sollen daraufhin analysieren, wie diese Figur einen Konflikt besser bewältigen kann. Besser würden wir es finden, wenn das Bild eine Alltagssituation für die Schülerinnen und Schüler darstellt und auf diese Weise Schülernähe erzeugt wird.

Eine lexikale Auflistung der innerhalb der Kapitel zu findenden Definitionen sucht man am Ende des Buches vergebens, sodass die Leserinnen und Leser die Definitionen auf den jeweiligen Seiten des Buches heraussuchen müssen. So werden die wichtigsten Begriffe nicht nochmal schülergerecht aufgearbeitet. Dies erschwert ein selbstständiges Lernen.


Fachdidaktische Diskussion
Grundlegend zeichnet sich Lebenswert 3 durch eine große Vielfalt an Sozialformen und Handlungsmustern in den Aufgabenstellungen aus. Dies ist insbesondere für die jeweilige Lehrkraft erfreulich, die so den Lernenden einen abwechslungsreichen Unterricht bieten kann. Innerhalb der Aufgabenstellungen findet ein ständiger Wechsel zwischen Einzel-, Partner- und Gruppenarbeit statt. Dies wird auch durch die Auswahl verschiedener Methoden und Unterrichtskonzepte unterstützt. Des Weiteren zeichnen sich die Aufgaben durch die Verwendung von Operatoren aus, welche die Schülerinnen und Schüler zum effizienten Arbeiten anleiten sollen. So stellt sich bei den Lernenden frühzeitig eine Gewöhnung im Umgang mit Operatoren ein, sodass sie in der Oberstufe diese Aufgabenformen bereits kennen und bearbeiten können. Die Aufgaben weisen elementare Anforderungen an selbständiges und problemlösendes Denken auf, wobei die meisten Aufgabenstellungen zur Analyse der Materialen dienen. Eine Verknüpfung zu weiterführenden Texten fehlt leider gänzlich. So ist es nicht verwunderlich, dass häufig reine Lernaufgaben zu finden sind. Dies wirft die Problematik auf, dass ein themenübergreifendes sowie fächerübergreifendes Lernen nicht ermöglicht wird. Gerade im Hinblick der Kompetenzorientierung, die in alle Bundesländern und auch in guten Ansätzen innerhalb des Buches angestrebt wird, ist dies äußerst schade.

Innerhalb der einzelnen Kapitel wird versucht, eine Progression anzustreben. Dies gelingt auch weitestgehend. Nachteilig kann sich dies allerdings für die jeweilige Lehrkraft auswirken, da so die Einführung der Thematik beschränkt ist.
Lebenswert 3 wird von dem Verlag als in sich differenzierend beworben. Allerdings geschieht diese Differenzierung lediglich über die Quantität. So wird die Heterogenität der Schülerinnen und Schülern bei der Themenauswahl sowie bei den Aufgabenstellungen wenig beachtet. Wünschenswert wäre es hingegen, wenn unterschiedlich gestufte Aufgaben eingebunden worden wären. So hätte eine innere Differenzierung besser realisiert werden können.


Fachwissenschaftliche und fachdidaktische Aktualität

Die fachwissenschaftliche Aktualität ist bereits bei der Betrachtung der jeweiligen Kapitel zu bemerken. Diese sind direkt mit den inhaltsbezogenen Kompetenzen des Kerncurriculums Niedersachsens verknüpft, indem die Kapitel analog zu den zu fördernden Kompetenzen betitelt sind. Demnach beginnt jedes Kapitel mit einer Frage (Frage nach dem Ich, Frage nach der Welt etc.) und berücksichtigt somit die didaktischen Leitperspektiven des Bundeslandes Niedersachsens. Auch inhaltlich findet man die geforderten Leitthemen der Jahrgangsstufe 9 und 10 im Buch Lebenswert 3 wieder. So werden ethische Diskussionen sowie gesellschaftliche Entwicklungen aufgegriffen und den Lernenden das höchstmögliche Maß an fachwissenschaftlicher Aktualität geboten. Zusammenfassend kann Lebenswert 3 als an den aktuellen Forschungsstand angepasst bezeichnet werden.


Fazit

Das Buch Lebenswert 3 ist durch seine strikte Anlehnung an das niedersächsische Kerncurriculum ein guter Begleiter für den Unterricht im Fach „Werte und Normen“. Es liefert durchaus gute Ideen für eine abwechslungsreiche Unterrichtstunde. Außerdem ist auch das vorhandene Lehrerhandbuch gut in die Unterrichtsplanung zu integrieren und kann gerade junge Lehrkräfte bei deren Planung des Unterrichts unterstützen. Allerdings sollte jeder Lehrer den Kontext, in dem Migrantinnen und Migranten dargestellt werden, genauer betrachten und sich außerdem überlegen, ob solche Materialien, die Migrantinnen und Migranten lediglich im Kontext von Gewalt und Aggression darstellen, im Unterricht verwendet werden sollten. Gerade in den Lerngruppen im Werte- und Normenunterricht sollte ein repräsentatives Bild der Gesellschaft dargestellt werden, sodass sich die Lernenden der unterschiedlichsten Kulturkreise nicht diskriminiert fühlen. Hier empfiehlt es sich gegebenenfalls anderweitige Materialien in den Unterricht einzubeziehen.


Lizenz: CC BY-ND 4.0 Lizenz „Namensnennung – Keine Bearbeitungen 4.0 International“ (CC BY-ND 4.0)


Info Zitation Ebert, Katharina und Philipp Lehr. Rezension zu: Lebenswert 3 von Peters, Martina, Jörg Peters und Bernd Rolf (Hg.). Bamberg: C. C. Buchner 2015, ISBN 978-3-7661-6681-4, Edumeres 2015, http://edu-reviews.edumeres.net/rezensionen/rezension/ebert-katharina-und-philipp-lehr/, zuletzt geprüft am 22.09.2019.

Weitere Rezensionen zu dieser Publikation