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Ethik / Philosophie, Oberstufe, Gymnasium, Gesamtschule

Standpunkte der Ethik - Lehr- und Arbeitsbuch für die gymnasiale Oberstufe

Standpunkte der Ethik - Lehr- und Arbeitsbuch für die gymnasiale Oberstufe
Herausgegeben von Hilgart, Johannes
Erschienen Parderborn: Schöningh, 2017
Seitenanzahl 433
ISBN 978-3-14-025068-9
Geeignet für Baden-Württemberg, Berlin, Brandenburg, Bremen, Hamburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein, Thüringen
Rezensiert von Georges, Laura und Johannes Lietz (Studierende), 25. Oktober 2017

Rezension von Georges, Laura und Johannes Lietz (Studierende)


1. Einführung
Ein Buch, das hält, was das Cover verspricht. „Standpunkte der Ethik“ vereint in seinem Titel sowohl die Erwartungshaltung als auch den tatsächlichen Inhalt. Innerhalb des umfangreichen Werkes finden Betrachter eben jenes: eine mannigfaltige Ansammlung von Standpunkten aus verschiedenen Zeitpunkten und außerdem Ansatzpunkte für den Unterricht der Oberstufe. Das Werk führt LehrerInnen sowie SchülerInnen mithilfe einer beinahe erschlagenden Vielzahl von Texten deduktiv durch verschiedenste Positionen der populären Philosophie, liefert Angaben zu den entsprechenden Autorinnen und Autoren und vermittelt mit gegenläufigen Positionen aus diversen wissenschaftlichen Kontexten ein breites Spektrum für die eigene Entscheidungsbildung.
Die Kapitel beginnen für gewöhnlich mit dem Versuch, ein intuitives Verständnis der übergreifenden Thematik anzuregen, welches im Folgenden mit entsprechenden Texten erweitert werden soll. Dabei bietet das Werk immer wieder die Möglichkeit, durch Bilder, Gesetzestexte oder alternative Medienquellen einen weit gefächerten Ansatz zu schaffen, obgleich der Fokus, dem Anspruch der Oberstufe entsprechend, deutlich auf Textarbeit liegt.

2. Konzept
Das vorliegende Konglomerat stellt eine synthetische Überlegung mehrerer Autorinnen und Autoren dar, welche das Ziel verfolgen, einer Lehrperson eine hochwertige Basis zur Unterrichtsvorbereitung zu liefern. Die Vorgehensweise stellt dabei eine induktive Untersuchung von ethischem Verhalten dar; vom anthropologischen Konzept des Menschen über generelle Konzepte und Problematiken moralischen Verhaltens bis hin zu spezifischen Feldern der Beachtung der Natur der Freiheit. Innerhalb der Kapitel wird häufig die Verbindung durch einen Dreischritt der sich aufeinander beziehenden Texte hergestellt: Auf die Aktivierung von Vorwissen folgt stets eine detailliertere Erarbeitung der vorliegenden Textformen und schließlich eine abschließende Präsentation der wichtigsten Punkte in Kartenform. Durch den fließenden Ansatz lässt sich der Transfer durch die Kapitel leicht nachvollziehen, auch wenn hier Potenzial verschenkt wird: So wird eine zu Beginn des Buches eingeführte Operatorenliste mit farblicher Kodierung im weiteren Verlauf des Werkes nicht weiter aufgegriffen, obwohl dies der Führung der SchülerInnen zuträglich sein könnte. Solcherlei verpasste Gelegenheiten zur didaktischen Verstärkung erscheinen umso unverständlicher, als an anderer Stelle sinnvolle Ergänzungen wie etwa Methodenschlüssel und ein Glossar inklusive Personenregister zu den prominentesten Persönlichkeiten gelungen sind.
Ebenfalls werden einige Möglichkeiten zur Darstellung der Texte nicht wahrgenommen. Das fortwährend präsente Doppelseitenprinzip, in dem der größte Anteil der Texte präsentiert wird, lässt nur wenig Raum für Variation; auch die Aufgaben werden in irritierend kleiner Schrift in die Marginalspalte verbannt und gleichen in der Präsentation mehr Fußnoten als den eigentlichen Katalysatoren der Erarbeitung. Die Marginalspalte ist dabei zusätzlich Träger für weiterführende Informationen, etwa Portraits der zitierten AutorInnen oder kontextgebende Abbildungen. Durch diese Dichte wirken die Seiten oft überfüllt und nicht zielführend, was durch den Mangel an textlicher Hervorhebung jeglicher Art verstärkt wird. Nur in Einzelfällen sind Texte wie etwa Gesetzesparagraphen oder Gedichte anders gesetzt. Überdies sind viele der Porträts informationsarm und von fraglicher Relevanz, hätten also weggelassen werden können.
Der Mangel an explizitem Verweis auf wichtige Elemente stellt sich ebenfalls in Bezug auf die geforderten Kompetenzen dar. Zwar gelingt es sowohl den Texten als auch den Aufgaben, eine Vielzahl an geforderten Kompetenzen anzusprechen, jedoch geschieht dies nur implizit. Eine Hinführung dazu, welche Kompetenzen genau mit den vorliegenden Materialien gefördert werden sollten, fehlt und das Werk komplementiert somit die Lehrtätigkeit nur schlecht. Auf Schülerebene schlägt sich vor allem ein Mangel an Variation nieder, es wird überwiegend Textverständnis und Textarbeit gefordert.

3. Materialien
In Hinblick auf die Materialien ist vor allem die Variation der unterschiedlichen Textsorten als besonders positiv hervorzuheben. Neben den klassischen Zusammenfassungen und Auszügen aus philosophischen Konzepten und Kommentaren sind alltagsnahe Textformen zu finden, wie etwa Zeitungsartikel oder auch Gesetztestexte. Vereinzelt wird sogar auch mit Filmbeispielen oder Videospielausschnitten gearbeitet. Diese stellen somit ein besonders attraktives Schülerangebot dar. Die Auswahl ist durchweg als sehr sinnvoll und aktuell zu bewerten. Zudem sind alle Elemente des Buches stets mit Quellenangaben versehen und können somit sowohl von der Lehrkraft zur Vertiefung einzelner Themenkomplexe genutzt werden als auch für die Schülerinnen und Schüler als nützliche Nachschlagemöglichkeit bei individuellem Interesse dienen.
Was die Darstellungsform betrifft, ist das Doppelseitenprinzip hervorstechend, wie oben bereits erwähnt. Die Länge der Texte beläuft sich fortwährend auf eine Seite beziehungsweise maximal auf eine Doppelseite des Buches. Dabei sind die Textpassagen stets im Blocksatz gehalten und weisen nur wenige bis keine Hervorhebungen innerhalb des Fließtextes auf. Somit lässt sich die Darstellungsform der Inhalte auf Ebene des Designs als eher weniger ansprechend und vor allem nur gering schülergerecht einordnen.
Zu den Bildern ist zu sagen, dass sie stets sehr passend gewählt sind, jedoch selten bis gar nicht in Verbindung zum verwendeten Text stehen. Lediglich in einigen Aufgabenstellungen wird die Arbeit mit dem Bild hergestellt.
Abschließend gilt es, auf die wertende Komponente der Materialien einzugehen. Die verschiedenen dargestellten Positionen werden stets als nicht objektiv richtig dargestellt. Auf den „Standpunkten-kontrovers“-Seiten werden beispielsweise bewusst konträre Positionen miteinander verglichen, die der Schüler im Unterrichtsverlauf analysiert und gegenüberstellt.

4. Begleitmaterial
Im Verlauf des Schulbuches findet sich in regelmäßigen Abschnitten eine kleine Infobox mit Zusatz-und Begleitmaterialien. Diese werden in Form von Internetlinks, Filmbeispielen und zusätzlichen Literaturtipps LehrerInnen und SchülerInnenzur Verfügung gestellt und bieten vor allem interessierten SchülerInnen vielseitige Möglichkeiten, die entsprechende Thematik zu vertiefen. Des Weiteren bietet der Verlag online eine sogenannte „BiBox“ an, welche digitale Unterrichtsmaterialien in Begleitung zum Buch beinhaltet.

5. Aufgabenstellungen
Die Aufgabenstellungen weisen, wie oben bereits erwähnt, einen Dreischritt auf, der eine sinnvolle Bearbeitung der Materialien erfordert und eine Steigerung der Intensität der Aufgaben ermöglicht. Unklare Aufgabenstellungen treten nicht auf, außerdem besteht die Möglichkeit, die Anforderungen der betreffenden Kompetenzen in der Operatorenliste nachzuschlagen. Auch entsprechende Methoden, die in den Aufgabenstellungen gefordert werden, können nachgeschlagen werden. Allerdings ist hier keine interne Legende vorzufinden, die das Nachschlagen der einzelnen Erläuterungen vereinfachen könnte oder benannte Operatoren aufgreift. An dieser Stelle gilt es zudem zu erwähnen, dass die Methodenvielfalt eher gering ausfällt und fachdidaktische Konzepte, wie etwa Dilemmadiskussionen, Gedankenexperimente oder Planspiele, nur vereinzelt genutzt werden. Es findet hauptsächlich eine enge Arbeit am Text statt. Des Weiteren ist kein ausgewiesenes Kompetenzkonzept vorzufinden und somit findet die Förderung einzelner Kompetenzen nicht bewusst statt. Zuletzt ist noch anzumerken, dass keine interne Differenzierung der einzelnen Aufgaben angeboten wird, was jedoch in Anbetracht der dem Buch zugehörigen Jahrgangsstufen als weniger problematisch einzuordnen ist.

6. Die fachwissenschaftliche Aktualität

Wie einleitend bereits angeschnitten, behandelt das Buch neben den traditionellen Positionen aus der Philosophie auch sehr aktuelle von lebenden, aktiven Philosophen. Hinzu kommt, dass mehrere Wissenschaften neben der Philosophie angesprochen werden, wie etwa die Psychologie, die Soziologie, die Neurologie oder die Literaturwissenschaften. Dabei werden klassische Positionen, beispielsweise aus der Tugendethik, mit aktuellen Forschungsergebnissen dieser Disziplinen unterlegt. Somit kann der Gegenwartsbezug für den Schülerinnen und Schüler transparent gemacht werden.

7. Fazit
Standpunkte der Ethik stellt einen hochwertig verarbeiteten Gesamteinstieg in die übergreifende Untersuchung von Moral dar. Dieser weit gefächerte Ansatz untersucht Fragen der Reflektion über das eigene sowie das vorgelebte Verhalten von markanten Persönlichkeiten und Positionen der klassischen und modernen Philosophie sowie korrespondierenden Disziplinen. Das Werk verlangt dabei sowohl von der Lehrkraft als auch den Schülerinnen und Schülern eine hohe Grundkompetenz im Umgang mit Texten, da es nicht sein Ziel ist, definitive Antworten zu vermitteln, sondern vor allem die Ausbildung einer reflektierten Meinung anzuregen.
Aufgrund des dargestellten Verlangens nach Vorwissen und Grundkompetenz ist dieses Buch selbst für die gymnasiale Zielgruppe sehr anspruchsvoll und besser in leistungsstärkeren Klassen anzuwenden, um eine effektive Wissensvermittlung zu sichern. Die Lehrkraft wird dabei eine große Vielzahl von Texten vorfinden, die eine Summe aus verschiedenen Positionen darstellt und alle populären Aspekte der schulischen Philosophie abdeckt. Die Menge schlägt sich dabei allerdings ebenfalls in einer, auch durch die Anforderungen der Lehrpläne bedingten Oberflächlichkeit nieder, welche sich oft in dem Verbleiben eines Einzeltextes zu einer spezifischen Subposition ausdrückt, von der aus eine Lehrkraft selbst extrapolieren muss. Die Aufgaben sind zwar stets verständlich, jedoch auch sehr gleichförmig; so wiederholen sich Operatoren im Sinne von „Beurteilen Sie“ oder „Vergleichen Sie“ auf fast jeder Seite, während andere Aufgabentypen nur selten Beachtung finden. Als solches eignet sich das Werk also besser als Basis zu eigenen Vorhaben, als dass es fortschreitenden Unterricht gewährleisten könnte. Dabei können seine Nutzerinnen und Nutzer auf eine Vielzahl unterschiedlicher Textformen in hochwertiger Präsentation zurückgreifen, durch welche sich das Gesamtwerk auszeichnet.


Lizenz: CC BY-ND 4.0 Lizenz „Namensnennung – Keine Bearbeitungen 4.0 International“ (CC BY-ND 4.0)


Info Zitation Georges, Laura und Johannes Lietz. Rezension zu: Standpunkte der Ethik - Lehr- und Arbeitsbuch für die gymnasiale Oberstufe von Hilgart, Johannes (Hg.). Parderborn: Schöningh 2017, ISBN 978-3-14-025068-9, Edumeres 2017, http://edu-reviews.edumeres.net/rezensionen/rezension/georges-laura-und-johannes-lietz/, zuletzt geprüft am 18.11.2017.

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