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Geschichte, Oberstufe, Gymnasium

Horizonte II: Geschichte für die Oberstufe

Horizonte II: Geschichte für die Oberstufe
Herausgegeben von Bahr, Frank
Erschienen Braunschweig: Westermann, 2006
Seitenanzahl 360
ISBN 978-3-14-110936-8
Geeignet für Berlin, Bremen, Hamburg, Nordrhein-Westfalen
Rezensiert von Guersoy, Kudret, Eckhard Stoltenberg-Göttsch und Christiane Veldkamp (Studierende), 14. Juli 2010
Projekt Christian-Albretchts-Universität Kiel, Wintersemester 2009/10

Rezension von Guersoy, Kudret, Eckhard Stoltenberg-Göttsch und Christiane Veldkamp (Studierende)


Einleitung
Die hier vorgestellte Ausgabe des Buches Horizonte II aus der gleichnamigen Schulbuchreihe des Westermann Verlages stammt aus dem Jahr 2006. Konzipiert wurde es für Gymnasien bzw. die Sekundarstufe II. Es ist für den Geschichtsunterricht in den Bundesländern Berlin, Bremen, Hamburg und Nordrhein-Westfalen vorgesehen. Die Rezension bezieht sich in erster Linie auf das 8. Kapitel „Das Deutsche Kaiserreich“, weitere Kapitel werden jedoch mit einbezogen. Die Rezension  konzentriert sich besonders auf fachwissenschaftliche sowie fachdidaktischen Aspekte.

Formale Kriterien und Aufbau

Das Buch hat ein Gewicht von ca. 730 Gramm. Beim Einband des Buches scheint allerdings Gewicht eingespart worden zu sein. Dieser macht einen nicht sehr stabilen Eindruck. Das verwendete Papier scheint allerdings sehr reißfest und strapazierfähig zu sein.
Ein Begleitbuch für den Lehrer mit Lösungen der Aufgaben wird nicht angeboten. Es stellt sich aber auch die Frage, ob dies überhaupt nötig wäre, da häufig Fragen auf einem hohen Niveau gestellt werden Wird beispielsweise von den Schülerinnen und Schülern verlangt, bestimmte Sachverhalte zu beurteilen, macht es wenig Sinn eine „Musterlösung“ vorzugeben. Offene Fragen wie diese geben erheblichen Raum für individuelle und unterschiedliche Antworten der Schüler. (vgl. S. 140 A. 2, S. 205 A. 9, S. 243 A. 2)
Folgende Themen sind Gegenstand des Buches: „Das Zeitalter des Absolutismus“, „Die Vereinigten Staaten von Amerika“, „Die Französische Revolution und das Zeitalter Napoleons“, „Restauration und Vormärz“, „Die Revolution von 1848/49“, „Industrielle Revolution und Soziale Frage“, Exkurs: „Menschen und Umwelt“, „Das Deutsche Kaiserreich“, „Imperialismus“, „Der Erste Weltkrieg“ und der Exkurs: „Parlamentarismus im 19. Jahrhundert“.
Der Aufbau jedes Kapitels folgt einer stringenten, immer wiederkehrenden Struktur: Begonnen wird jedes Kapitel mit einer Doppelseite, welche aus einer illustrativen ganzseitigen Abbildung sowie einem in das Thema einführenden Autorentext besteht (vgl. z.B. „Das Zeitalter des Absolutismus“ S. 6-7). Die einzelnen Kapitel sind in weitere zwei bis fünf Unterpunkte unterteilt. Diese sind ebenfalls alle gleich aufgebaut: Jeder neue Themenbereich wird durch eine prägnante Überschrift gekennzeichnet und deutliche Absätze trennen die Sinneinheiten des Autorentextes. Besonders die Marginalien am Rande des Autorentextes ermöglichen den Schülerinnen und Schülern eine schnelle Orientierung innerhalb der Texte.
Am Ende fast aller Autorentexte befindet sich eine kurze Chronologie der wichtigsten Ereignisse innerhalb der betrachteten Zeitspanne. Es folgt ein meist umfangreicher Quellenteil mit anschließendem Aufgabenteil.
Fast jedes Kapitel enthält eine Rubrik mit dem Titel: „Fragen an die Geschichte“. Die gelb gefärbten Seiten heben sich deutlich vom „normalen“ Inhalt ab und suggerieren sofort, dass es sich  um Einschübe handelt. Diese greifen Inhalte des jeweiligen Kapitels auf, lösen sich jedoch von der chronologischen Struktur des Buches. Es wird vielmehr versucht, einzelne Inhalte in einen größeren gesamtgeschichtlichen Kontext zu stellen. Beispielsweise lautet der Titel des 4. Kapitels „Restauration und Vormärz“. Die Extra-Rubrik greift nun den dort thematisierten Begriff „Nationalismus“ auf und stellt die weit gefasste Frage: „Welche Rolle spielt der Nationalismus in der Geschichte?“ (S. 155 ff.)
Im Anhang des Buches werden sowohl historisch-politische Grundbegriffe erklärt als auch Arbeitstechniken und Methoden der historischen Forschung vorgestellt. Er enthält ebenfalls Tipps, wie die Schülerinnen und Schüler das Internet bei der historischen Recherche mit einbeziehen können, und hilft so den gängigen „Wikipedia“-Horizont zu erweitern (vgl. S. 346f.).

Autorentexte

Jedes Kapitel beginnt mit einem ganzseitigen, zeitgenössischen Bild auf der linken sowie einem das folgende Kapitel einleitenden Text auf der rechten Seite. Das behandelte Kapitel 8 „Das Deutsche Kaiserreich“  gliedert sich auf 35 Seiten in sechs Unterkapitel – fünf, die sich direkt mit dem Themenkomplex befassen, und dem in jedem Oberkapitel befindlichen Teil „Fragen an die Geschichte“. Hier lauten die Fragestellungen: „Männer machen Geschichte? Oder: Was heißt „historische Größe“?“ sowie „Wie unabhängig ist das weltgeschichtliche Individuum in seinem politischen Handeln?“. Sie sollen einen Anreiz für Längsschnitthemen bieten.
Das sprachliche Niveau ist für ein Oberstufenbuch durchaus angemessen. Jedoch klingt die allgemeine Diktion oftmals ein wenig zu erzählend, so dass man beim Lesen schnell den Blick für das Wesentliche verlieren kann. Ein Beispiel hierfür geben die Ausführungen zum Deutsch-Französischen Krieg auf den Seiten 234f.  Der Text wirkt an dieser Stelle leicht unstrukturiert, so dass sich nicht sofort die Zusammenhänge erschließen. Es werden kaum Hintergrundinformationen zum eigentlichen Konflikt geliefert, selbst die als „Anlass für die französische Kriegserklärung“ (S. 235) benannte Emser Depesche wird weder in Auszügen abgebildet noch überhaupt an einer anderen Stelle weiter erläutert. Hier scheint sehr viel Wissen bzw. Eigenarbeit der Schülerinnen und Schüler vorausgesetzt zu werden.
Ferner liegt offenbar ein Schwerpunkt dieses Kapitels auf der Person Bismarcks. Der Narrativ dieses Kapitels wirkt in seinen Formulierungen dabei übermäßig „bismarckfreundlich“ (hierzu bspw. die Auswahl des Zitats zur Beschreibung des das Kapitel einleitenden Bildes: „Der Kanzler […] ist bereits zu Lebzeiten sein eigenes Denkmal […]“ (S. 231) oder auch „seine diplomatische Kunstfertigkeit wird heute weitgehend gewürdigt“ (S. 251). Ein anderes Beispiel für eine wertende Diktion in diesem Zusammenhang ist die überaus negative Darstellung Wilhelms II. auf den Seiten 259f. Hier wird dem Leser eine individuelle Meinungsbildung beinahe gänzlich abgenommen. Überdies geschieht das, so scheint es, teilweise sogar spekulativ: „Er soll sich damit gerühmt haben […].“ (S. 259) Derartige Formulierungen – ohne Belegstellen – wirken in einem Lehrbuch denkbar deplatziert. Denn sie schränken eine freie Interpretation der vorliegenden Informationen übermäßig ein und nehmen bestimmte Ansichten bereits vorweg.

Text- und Bildquellen

Horizonte II umfasst ein umfangreiches Spektrum von Text- und Bildquellen. Unter den Textquellen findet man sowohl Beschlüsse und Gesetze als auch Reden, Tagebucheinträge und Kommentare von modernen und zeitgenössischen Historikern. Sie bereichern den Quellenteil und vertiefen den Autorentext.
„Horizonte II“ legt insgesamt den Schwerpunkt auf die Arbeit mit historischen Quellen. Diese werden durchgehend mit Angaben gekennzeichnet, bis auf einige wenige Illustrationen, direkt unter bzw. neben der Quelle. Die Quellenangaben der großen Illustrationen auf den Auftaktseiten sind im danach folgenden Autorentext zu finden. Die Angaben fehlen allerdings für die Auftaktillustration im Kapitel „Die Französische Revolution und das Zeitalter Napoleons“. Die Quellenangaben sind üblich ausgestattet mit der Autoren-, Titelangabe und den Angaben zum Erscheinungsort und -jahr.
Die Quellenmaterialien sind fast durchgehend mit kurzen Überschriften versehen, um die Schülerinnen und Schüler über historische Kontexte näher zu informieren, was wiederum streng gesehen als Vorinterpretation der Quelle die Wirkung vorwegnimmt und kategorisiert (Bsp. S. 228).
Neben Textquellen ist in „Horizonte II“ eine große Bandbreite von Bildquellen wie historische Gemälde, Karten, Schaubilder, Karikaturen, Fotografien und Wahlplakate zu finden. Die graphischen Abbildungen sind in unterschiedlichen Größen abgedruckt. Eine ganze Seite abdeckende Auftaktbilder werden leider nicht zur Quellenarbeit genutzt und die Illustrationen im Quellenbereich sind im Vergleich zur Auftaktseite mittelgroß und kleiner dargestellt, doch die hohe Qualität der Illustrationen im Quellenbereich ermöglicht kleinste Details zu erkennen. Die Arbeit mit Quellen wird im Abschnitt „Arbeitstechniken und Methoden“ in Teilüberschriften erläutert. Allerdings fehlt hier ein Teilabschnitt für Auswertung von Diagrammen.

Aufgabenstellung

Die Aufgaben sind meist mit Operatoren formuliert. Dazu kommen einige wenige W-Fragen, die das Anforderungsniveau etwas lockern. Im Ablauf der Fragen ist eine bestimmte Systematik zu erkennen: Anfangs kommen Anforderungen der Reproduktion (Beispieloperator: S.111: Stellen Sie dar…) dann der Reorganisation und Transfer (Beispieloperator: S.111: Analysieren Sie…) und selten der Reflexion und Problemlösung (Beispieloperator: S.255: Nehmen Sie zu der Kritik Stellung, die…). Die Fragen sind verständlich formuliert. Doch kommunikative Aufgaben wie bspw. Partnerarbeit und Gruppen-Puzzle sind nicht vorzufinden. Außerdem beziehen sich die Fragen oft auf mehrere Materialien, was den Schülerinnen und Schülern die Beantwortung der Fragen erschwert.

Fachdidaktische Kriterien
Im Folgenden soll nun das 8. Kapitel „Das Deutsche Kaiserreich“ genauer betrachtet werden, um Schlüsse ziehen zu können, ob das hier besprochene Buch auch aktuellen fachdidaktischen Kriterien gerecht wird. Ein wichtiger Aspekt bei der Beurteilung eines  Schulbuches ist, dass der konstruktive Charakter der Geschichte deutlich wird. Auch die Kontroversität sollte nicht ausgespart werden, denn die Schülerinnen und Schüler sollen merken, dass auch Historiker sich bei der Bewertung von Geschehnissen durchaus nicht immer einig sind. Die unterschiedlichen Perspektiven der an diesen Geschehnissen beteiligten Personen (Multiperspektivität)  müssen den Schülerinnen und Schülern ebenfalls dargelegt werden, damit diese in der Lage sind, sich selbst eine Meinung über das Vergangene zu bilden.
Sucht man nun im Autorentext des 8. Kapitels nach Kontroversität, muss man schon genauer hinschauen, um diese zu entdecken. Leider finden sich hier nur Andeutungen, die es den Schülerinnen und Schülern schwer machen zu erkennen, dass sich in diesem Punkt die historische Forschung nicht ganz einig ist. Ein Beispiel hierzu in Bezug auf die Person Bismarck ist der Satz: „Man hat den Kurswechsel von 1878 vielfach auch als innere Abkehr Bismarcks vom Parlamentarismus gedeutet“ (S. 250). Der Satz legt nahe, dass es auch andere Deutungen gibt. Diese werden jedoch nicht konkret thematisiert. Etwas konkreter werden die Autoren bei der abschließenden Würdigung der Person Bismarck: „Seine diplomatische Kunstfertigkeit wird heute weitgehend gewürdigt“ (S. 251). Aber auch hier muss der Schüler schon sehr genau lesen, um festzustellen, dass Bismarcks diplomatische Fähigkeiten zwar von vielen, aber wohl nicht von allen Historikern gleich beurteilt werden. Es soll an dieser Stelle jedoch nicht der Eindruck entstehen, die Kontroversität wäre von den Autoren allzu sehr außen vor gelassen worden. Das Kapitel 10.3 „Kriegsziele und Kriegsschuldfrage“ ist nur ein Beweis dafür, dass der Aspekt der Kontroversität eben doch seinen Platz in diesem Buch hat. Hier wird sehr ausführlich die Kriegsschuld-Kontroverse des Ersten Weltkriegs dargestellt. Es werden die beiden grundlegenden Positionen erläutert, und der Narrativ nimmt eine weitgehend neutrale Stellung ein (vgl. S. 308). Sicher verlangt gerade dieses Ereignis der Geschichte einen kontroversen Umgang. Es kann festgehalten werden, dass dies den Autoren sehr gut gelungen ist.
Nun soll der Fokus auf die Quellen gerichtet werden, um zu untersuchen, ob diese den Schülerinnen und Schülern einen multiperspektiven Blick auf die Themen gewähren. Im Gegensatz zur Kontroversität erfordert die Suche nach einer multiperspektiven Quellenwahl innerhalb des 8. Kapitels kein genaueres Hinschauen. Die Stimmen unterschiedlichster politischer Strömungen innerhalb des Deutschen Kaiserreichs finden bei der Quellenauswahl Beachtung. Es finden sich unter anderem Texte von Bismarck (vgl. S. 237), dem Sozialdemokraten Eduard Bernstein (vgl. S. 242), dem linksdemokratischen Politiker Hellmut von Gerlach (vgl. S. 242) sowie dem konservativen Politiker Elard von Oldenburg-Januschau (vgl. S. 246). Blättert man nun ein Kapitel weiter, stößt man auch hier schnell auf eine multiperspektive Darstellung der Vergangenheit. Beispielsweise wird hier im Autorentext die deutsche Kolonialpolitik thematisiert. Es folgt eine Quelle von Carl Peters (Gründer der „Gesellschaft für deutsche Kolonisation“), der schildert, warum auch das Deutsche Kaiserreich Kolonien benötige und dies mit einer wirtschaftlichen Notwendigkeit begründet (vgl. S. 276). Kurz darauf folgt eine Rede des SPD-Vorsitzenden August Bebel. Bebel vertritt eine völlig gegensätzliche Meinung zur deutschen Kolonialpolitik und führt beispielsweise an, dass nicht das Volk, sondern nur wenige, sowieso bereits Gutsituierte dabei wirklich profitieren würden (vgl. S. 277).
Ein wesentlicher Kritikpunkt bezüglich der multiperspektiven Darstellung ist jedoch, dass die Meinungen der  unteren Schichten der Gesellschaft bei der Quellenauswahl nicht genügend berücksichtigt wurden. Sieht man jedoch von diesem einzelnen  Aspekt ab, bleibt zu sagen, dass es  den Autoren recht  gut gelungen ist, den Schülerinnen und Schülern einen multiperspektiven Blick auf die Geschichte zu ermöglichen.

Fachwissenschaftliche Aspekte
Neben der Wahrung der formalen Korrektheit wurde auch Wert gelegt auf die Aktualität der verwendeten weiterführenden Literatur. Die Titel sind im Schnitt ca. zehn Jahre alt. Ebenso gehören sie zum allgemeinen Kanon für die jeweiligen Themenblöcke. Es handelt sich meist um Standardwerke.
Dennoch muss kritisiert werden, dass die Quellen im behandelten Kapitel 8 überwiegend politisch geprägt sind. Die ersten beiden Unterkapitel 8.1 „Reichsgründung: Der Weg zur nationalen Einigung“ und 8.2 „Die Verfassung des Deutschen Reiches“ liefern gemäß ihren Überschriften einen stark politikgeschichtlichen Überblick, ebenso werden auch die Militär- bzw. Kriegs- sowie auch Verfassungsgeschichte beleuchtet. Dies setzt sich im folgenden Kapitel fort. So wird selbst im Unterkapitel 8.3 „Die Gesellschaft im Kaiserreich“ zwar formal – durch Benennung und Beschreibung – der Versuch unternommen, die verschiedenen Bevölkerungsteile zu beleuchten, jedoch werden Gruppen wie das Militär oder das Bürgertum bloß nach Art und Einfluss ihrer politischen Entscheidungsbefugnisse klassifiziert. Ein echter Einblick in die Gesellschaft dieser Zeit mit all ihren Werten und Normen bzw. sozialen Rollen – also all dem, was die sogenannten “Gender Studies“ untersuchen – ist nur sehr spärlich gewährleistet. So wird zwar die Frauenbewegung zur Zeit des Kaiserreichs erwähnt – diese macht ganz sicher den größten Teil des Ausbruchs aus bestehenden sozialen Gefügen aus –, jedoch wird hier nur wenig ins Detail gegangen. Im Vergleich zum Darstellungsteil fällt der Quellenteil zu diesem Bereich relativ ausführlich aus. Neben jeweils zwei Texten zum Militär und zur Demographie im Kaiserreich finden sich auch zwei Quellen zur Frauengeschichte.
Im folgenden Unterkapitel 8.4 „Innenpolitische Entwicklung bis 1890“ wird zum Thema „Kulturkampf“ auch ein kirchengeschichtlicher Ansatz geboten. Das Unterkapitel 8.5 verdient seinen Titel „Politik und Gesellschaft im Zeitalter Wilhelms II.“ nur bedingt. Ein wirklicher Einblick in die Gesellschaft wird nicht gegeben. Stattdessen wird die Person Wilhelms dargestellt, dessen Flottenbauprogramm sowie der Antisemitismus in dieser Zeit. Diese drei Bereiche werden ohne größere Trennung im Darstellungsteil aneinandergereiht. Dies wirkt ein wenig so, als musste es um der Vollständigkeit willen noch seinen Platz am Ende dieses Kapitels finden, zumal hier nur wenig über die Gesellschaft an sich ausgesagt wird. Vor allem der letzte Punkt „Antisemitismus“ wird so knapp behandelt, dass ihm nur zwei Absätze sowie eine nicht weiter erläuterte Graphik zukommen.
Man kann den Autoren im Großen und Ganzen das Bemühen um verschiedene Ansätze, einen Einblick in die Geschichte zu vermitteln, nicht absprechen. Berücksichtigt man nun noch, dass mit dem Exkurs-Kapitel 7 „Mensch und Umwelt“ ein weiterer, für ein Geschichtsbuch eher ungewöhnlicher und erstaunlich moderner Aspekt aufgenommen wurde, liefert dieses Buch sogar einen erfreulich breiten Überblick.

Fazit
Abschließend ist zum Schulbuch „Horizonte II“ zu sagen, dass es einen positiven Gesamteindruck hinterlässt, zumal die Autoren um ein breites Spektrum verschiedener historischer Ansätze bemüht waren. Dennoch bleibt zu bemängeln, dass die Autorentexte teilweise zu stark werten bzw. kaum noch Freiräume für eigene Interpretationen lassen. Ganz  im Gegenteil zu den großen Illustrationen zu Beginn eines jeden Kapitels, diese haben anscheinend tatsächlich einzig und allein die Aufgabe zu illustrieren. Sie werden leider nicht in den Aufgabenteil des Buches eingebunden, so dass die Interpretation und weitere Nutzung für den Unterricht dem Lehrer allein überlassen bleibt. Dem Buch ist ferner zugutezuhalten, dass fachdidaktische Kriterien wie Multiperspektivität und Kontroversität durchaus Beachtung finden, auch wenn sie nicht immer sofort offenbar werden.


Lizenz: CC BY-ND 4.0 Lizenz „Namensnennung – Keine Bearbeitungen 4.0 International“ (CC BY-ND 4.0)


Info Zitation Guersoy, Kudret, Eckhard Stoltenberg-Göttsch und Christiane Veldkamp. Rezension zu: Horizonte II: Geschichte für die Oberstufe von Bahr, Frank (Hg.). Braunschweig: Westermann 2006, ISBN 978-3-14-110936-8, Edumeres 2010, https://edu-reviews.edumeres.net/rezensionen/rezension/guersoy-kudret-eckhard-stoltenberg-goettsch-und-christiane-veldkamp/, zuletzt geprüft am 26.03.2024.