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Ethik / Philosophie, 7./8. Schuljahr, Gymnasium, Realschule

Abenteuer Ethik 2 – Ausgabe Sachsen

Abenteuer Ethik 2 – Ausgabe Sachsen
Herausgegeben von Rohbeck, Johannes und Monika Sänger
Erschienen Bamberg: C. C. Buchner, 2013
Seitenanzahl 208
ISBN 978-3-7661-6612-8
Geeignet für Sachsen
Rezensiert von Herget, Christina, Christina von Seckendorff und Stephanie Schön (Studierende), 23. April 2014
Projekt Justus-Liebig-Universität Gießen, Wintersemester 2013/14

Rezension von Herget, Christina, Christina von Seckendorff und Stephanie Schön (Studierende)


Einleitung
„Komm mit mir ins Abenteuerland, auf deine eigene Reise.“ So lautet der Refrain des Songtextes der deutschen Band PUR, die über eine individuelle vielseitige Phantasiereise singt. Eine Reise in ein Land, das interessant und spannend zu sein scheint und aufgrund der Ungewissheit und der Entdeckung von Neuem eine faszinierende Ausstrahlung auf den Akteur ausübt. Mit dem Titel „Abenteuer Ethik 2“ suggeriert das Schulbuch eine solche Reise in eine unbekannte, aber gleichzeitig auch aufregende Thematik, die von den Rezipienten Aufgeschlossenheit und Interesse fordert. Ob das 208seitige Taschenbuch diese Titel-Assoziationen erfüllen und damit einhergehend auch einen Wissensgewinn bei den Schülerinnen und Schülern hervorrufen kann, soll im Folgenden analysiert werden. Fragen nach den Zielen, Methoden und Kompetenzen, die die Siebt- und Achtklässler auf ihrer eigenen Abenteuerreise bezwingen müssen, werden Teil dieser Untersuchung sein. Zudem soll die individuelle Suche der Schülerinnen und Schüler nach dem Schatz der Ethik reflektiert und bewertet werden.

Konzept des Lehrwerkes
Das von außen eher schlicht gehaltene blaue Taschenbuch ist für die Jahrgangsstufen sieben und acht des Gymnasiums in Sachsen konzipiert und orientiert sich an dessen Lehrplan. Es verfügt über zwei erste Vorwortseiten, die sich an die Schülerinnen und Schüler direkt wenden und einerseits eine kurze Vorstellung der inhaltlichen Schwerpunkte beinhalten,  anderseits aber auch eine kleine Hilfestellung bieten, wie mit dem Buch umgegangen werden soll.
Grundsätzlich verfügt das Buch über vier große Themen mit jeweils zwei bis drei Unterthemen. Zudem integriert es zwei Wahlthemenkapitel, die wiederum in drei Unterthemen aufgeteilt sind, von denen eine Thematik ausgewählt werden soll. Zudem werden zwei Projektseiten und eine Infoseite in dem Buch integriert, die auch im Inhaltsverzeichnis extra kenntlich gemacht werden.
Die Inhalte der siebten und der achten Klasse werden dabei in den Kapiteln verbunden, obwohl die Lehrperson diese Themen laut Lehrplan getrennt voneinander im Unterricht thematisieren soll. Die Wahlthemen haben keinen thematischen Bezug, sondern sind, ähnlich wie im Lehrplan, eher willkürlich zu einem Wahlkapitel zusammengeführt worden. Eine thematisch logische Zuordnung zu den Hauptkapiteln ist nicht vorhanden. Im Einklang mit dem Lehrplan erfolgt im Buch keine thematische Bezugnahme zwischen den Kapiteln und es wird nicht auf bereits gelernte Inhalte und Themengebiete verwiesen. Lediglich die Unterthemen zu den Kapiteln sind inhaltlich logisch strukturiert.
Grundsätzlich folgen alle Hauptkapitel einem ähnlichen Layout. Jedes Kapitel beginnt mit einer Auftaktseite, die farbig unterlegt ist und durch Bilder, einen kurzen Text sowie die Nennung der am Ende zu erwartenden Kompetenzen auf das Thema einstimmt. Sowohl die Farbe als auch das Bilderlogo des Kapitels sind auf den folgenden Seiten durch einen Balken im oberen Bereich der Doppelseiten verankert, sodass sich die Schülerinnen und Schüler relativ schnell im Buch orientieren können. Abenteuer Ethik 2 arbeitet außerdem mit dem beliebten Doppelseitenprinzip, welches auf zwei Seiten Material und dazugehörige Aufgaben für zwei oder mehr Schulstunden bietet. Im unteren rechten Bereich jeder Doppelseite befinden sich die Aufgaben, die durchnummeriert sind und jeweils einen Verweis auf das zu nutzende Material beinhalten. Außerdem werden mögliche Fremdwörter aufgeführt, die im Glossar, welches sich am Ende des Buches befindet, erklärt werden. Des Weiteren integriert das Schulbuch sowohl Info- und Methoden- als auch Projektkästen, die den Schülerinnen und Schülern eine Hilfestellung bei der Thematisierung der Kapitelinhalte geben sollen und der besseren Strukturierung des Buches dienen. Am Ende jedes Kapitels befindet sich die Doppelseite „Was-wir-wissen/ Was-wir-können“. Auf diesen zwei Seiten erhalten die Schülerinnen und Schüler noch einmal einen kurzen Überblick über das Gelernte in dem Kapitel. Die „Was-wir-wissen-Seite“ beinhaltet kurze Texte, die die Thematik noch einmal zusammenfassen, die „Was-wir-können-Seite“ besteht aus Aufgaben, in denen die Schülerinnen und Schüler das gelernte Wissen anwenden und mit eventuell neu erlernten Methoden umsetzen müssen. Allerdings verfügt das Buch über keinerlei Lösungen, sodass die Schülerinnen und Schüler ihr Wissen nicht eigenständig überprüfen können und auf die Rückmeldung des Lehrers angewiesen sind. Ein herausnehmbares Lösungsheft zu den „Was-wir-können-Seiten“ wäre unserer Meinung nach sehr hilfreich. In zwei Kapiteln werden zusätzlich noch Projekt- und Infoseiten integriert, die allerdings einem anderen Layout folgen und nicht einheitlich gestaltet sind. Warum nur zwei der insgesamt sechs Kapitel eine Projektseite haben, war uns nicht ganz klar, da theoretisch jedes Kapitel mit einem möglichen Projekt arbeiten könnte, in dem die Schülerinnen und Schüler selbst recherchieren und sich Wissen aneignen können

Inhalt/Materialien
Die Themen des Buches sind altersgerecht und problemorientiert gestaltet. Indem Situationen und Konflikte aus dem Alltag der Schülerinnen und Schüler (beispielsweise Streit zwischen Klassenkameraden, eigene Religion oder der Umgang mit dem Internet) aufgegriffen werden, wird ein Lebensweltbezug geschaffen und die Schülerinnen und Schüler können sich mit dem dargebotenen Wissen identifizieren. Die Texte sind dem Alter entsprechend formuliert, wobei auch philosophische Texte oder Quellen aus der Bibel und dem Koran so aufgearbeitet werden, dass sie für die Jugendlichen verständlich sind. Teilweise findet eine Verknüpfung der interdisziplinären Schwerpunkte (Philosophie, Religionskunde und Sozialwissenschaften) statt, jedoch überwiegen meist einzelne Aspekte. In Bezug auf die Rücksichtnahme auf kulturelle Heterogenität besteht unseres Erachtens noch Handlungsbedarf, da die dargestellten Bilder meist nur vermeintlich deutsche Kinder und Jugendliche zeigen und andere Kulturen und Nationen eher weniger aufgegriffen werden.  Bezüglich des Gender-Aspektes erscheint uns die Auswahl der Materialien allerdings ausgeglichen und sowohl für Mädchen als auch Jungen interessant.
Der laut des sächsischen Lehrplans geforderte Kompetenzerwerb in den Bereichen „Interkulturelle Kompetenz“, „ethische Diskursfähigkeit“ und „moralische Urteilsfähigkeit“ wird durch die dargebotenen Materialien und Aufgaben größtenteils erfüllt. Lediglich im Bereich der „Interkulturellen Kompetenz“ könnte das Schulbuch noch weitere Problemstellungen und Konflikte aufwerfen und den Schülerinnen und Schülern aktuelle Kontroversen aufzeigen. Beispielsweise erfolgt kein tatsächlicher Vergleich der beiden Weltreligionen „Islam“ und „Christentum“. Die Themen werden zwar hintereinander, trotz unterschiedlicher Zugehörigkeit der Klassenstufen, aufgeführt, allerdings wird nicht nach Gemeinsamkeiten und Unterschieden gesucht. Wünschenswert wäre außerdem die Thematisierung der aus der Interreligiosität hervorgerufenen Konflikte (Israel, naher Osten), trotz fehlender Lehrplaneinbettung. Die zentralen Dimensionen des Faches, sprich Philosophie, Religionswissenschaft, Sozialwissenschaften und Naturwissenschaften, werden allerdings angemessen berücksichtigt und finden in verschiedenen Kapiteln Anwendung. Das zweite Kapitel  „Mensch und Tier“ vereint beispielsweise fast alle Disziplinen rund um die Thematik „Art-gerechte Haltung, Tiere als Nahrungsquelle und Ehrfurcht vor dem Leben“. Unterschiedliche Positionen von Tierschützern oder der Fleischindustrie werden kenntlich gemacht und neutral den Schülerinnen und Schülern präsentiert, sodass sich die Lernenden ihre eigene Meinung völlig unvoreingenommen bilden können. Auch in anderen Kapiteln werden verschiedene Interessen und Zielsetzungen vorgestellt, sodass keine einseitige Informationsdarbietung stattfindet. Des Weiteren werden unterschiedliche Textsorten (Sachtexte: argumentierend, informierend und philosophisch, journalistische, literarische und religiöse Beiträge, Songtexte) eingesetzt, sodass zudem auch die Sprach- und Lesekompetenz gefördert wird. Allerdings mussten wir feststellen, dass manche Materialien, speziell Fotos, nicht immer aktuell waren. Anhand des Kleidungsstils der abgebildeten Jugendlichen war zu erkennen, dass die Fotos eher Ende der 90er, Anfang 2000 geschossen wurden und keine Aufnahmen von heutigen Jugendlichen zeigten. Des Weiteren wurden beispielsweise Aussagen von Jugendlichen zum Thema Alkohol aufgeführt, die aus einer Fernsehsendung aus dem Jahr 2004 stammten, der verwendete Begriff „Alkopops“ ist sicherlich den heutigen Siebt- und Achtklässlern eher unbekannt. Solche Materialien verhindern eine Identifikation der Schülerinnen und Schülern mit den dargebotenen Inhalten. Aus diesem Grund sollten veraltete Materialien gegen aktuelle ausgetauscht werden. Im Großen und Ganzen entsprechen aber die Darstellungen dem aktuellen Forschungsstand und weisen keine fachlichen und faktischen Fehler auf.

Methodisch-didaktische Analyse
Die Auftaktseite dient den Schülerinnen und Schülern als erster Einstieg in die Thematik, sodass mögliches Vorwissen bereits aktiviert werden kann; gleichzeitig wird den Schülerinnen und Schülern aufgelistet, welche Kompetenzen sie am Ende des Kapitels beherrschen sollen. Nach unserem Ermessen handelt es sich allerdings bei den deklarierten Kompetenzen nicht immer um solche, sondern teilweise werden lediglich Lernziele gefordert. Der Versuch, den Schülerinnen und Schülern die von ihnen erwarteten Fähigkeiten und Fertigkeiten transparent zu machen, ist lobenswert, allerdings sollten dann auch wirklich nur Kompetenzen aufgeführt werden. Die „Was-wir-wissen-/ Was-wir-können-Seiten“, die jedes Kapitel abschließen, dienen der Überprüfung dieser Kompetenzen, allerdings fehlt, wie bereits erläutert, unserer Meinung nach ein Korrekturbogen, der auch den Schülern eine selbstständige Kontrolle erlaubt.
Innerhalb dieses Schulbuches sind vielfältige und abwechslungsreiche Aufgabentypen vorhanden. Das Repertoire reicht von Textwiedergaben bis zu Tagebucheintragungen. Die Aufgabentypen beziehen sich auf Texte und Materialien, die durch Nummerierungen gekennzeichnet sind. Dabei bauen die Aufgaben aufeinander auf. Zu Beginn wird von den Schülerinnen und Schüler meist nur eine Textwiedergabe bzw. die Reproduktion wichtiger Textstellen gefordert. Diese Auseinandersetzung mit dem Text fördert die Lese- und Verstehenskompetenz, da die Schülerinnen und Schüler die Kernaussagen des Textes verinnerlicht haben müssen, um ihn korrekt wiedergeben zu können. Im weiteren Verlauf des Aufgabenblocks sind die Fragen zunehmend offener gestaltet und umfassen die Aufgabenbereiche zwei und drei. Das Wissen aus dem Informationstext muss mit dem Vorwissen verknüpft und auf neue Sachverhalte angewendet werden. Die Erkenntnisse aus der Leseforschung, der gewünschte Dreischritt: Vorwissen aktivieren, Textverarbeitung, Anschlusskommunikation, werden angewendet und fordern gleichzeitig von den Schülerinnen und Schülern selbstständiges und problemlösendes Denken.  Zudem sind die Aufgaben so gestaltet, dass die Kreativität der Schülerinnen und Schüler gefördert wird, indem sie beispielsweise einen Tagebucheintrag verfassen müssen oder Figuren in einem Rollenspiel übernehmen müssen. Solche Aufgaben erwarten von den Schülerinnen und Schüler Fremd- und Eigenreflexion, die Perspektiv- und Empathiekompetenz wird gefördert. Größtenteils verwendet das Schulbuch die für den Ethikunterricht vorgegebenen Operatoren wie z.B. beschreibe, erörtere, bewerte; hin und wieder lassen sich aber auch noch eher unspezifischere W-Fragen finden. Durch die Interaktion der vielfältigen Aufgabentypen und Sozialformen werden unter anderem die Empathiefähigkeit, die Konfliktlöse- und Analysekompetenz, die Lese- und Verstehenskompetenz und die soziale Kompetenz gefördert.
Das selbstständige Recherchieren von für die Thematik relevanten Informationen kommt innerhalb dieses Bandes leider etwas zu kurz. Obwohl Projektseiten und auch in den Kapiteln vorhandene Projektkästen die selbstständige Wissensaneignung fördern, sehen wir in diesem Bereich noch Handlungsbedarf, da die Schülerinnen und Schüler zunehmend eigenständig nach Informationen und Lösungen suchen sollten. Des Weiteren ist zu bemängeln, dass innerhalb der Aufgaben keine Differenzierung bezüglich der Fertigkeiten und Fähigkeiten von den Schülerinnen und Schüler vorgenommen wird. Da die Aufgaben inhaltlich aufeinander aufbauen, ist es auch schwierig, eine Differenzierung nachträglich im Unterricht vorzunehmen. Die Berücksichtigung einer heterogenen Schülerschaft findet nicht statt.

Fazit
Alles in allem hat uns das Schulbuch Abenteuer Ethik 2 sehr gut gefallen: es ist ansprechend gestaltet, bietet durch die unterschiedliche Farbgebung eine schnelle Orientierung, die Themen und Aufgaben sind schülerorientiert ausgewählt worden und besitzen einen Alltagsbezug. Die geforderten Kompetenzen werden durch ein vielseitiges Aufgaben- und Materialrepertoire erreicht. Allerdings lassen sich auch ein paar Kritikpunkte feststellen, die beispielsweise in der unverbundenen Kapiteldarbietung oder in der teilweise kulturell homogenen oder veralteten Materialauswahl liegen. Zudem fehlte unserer Meinung nach der Bezug zum Titel. Weder das Layout noch die Materialauswahl griffen die Thematik „Abenteuer“ auf. Die Inhalte sind für die Schülerinnen und Schüler sicherlich neu und erfordern Aufgeschlossenheit und Interesse von Seiten der Lernenden, jedoch erschien uns diese Voraussetzung nicht als Rechtfertigung für diese Titelwahl. Ein Pirat oder eine ähnliche abenteuerliche Figur hätte beispielsweise die Schülerinnen und Schüler durch das Buch begleiten können und ihnen zwischendurch kleine Rätsel und Forschungsfragen stellen können, sodass auch die geforderte Eigenrecherche der Schülerinnen und Schüler mehr Anwendung gefunden hätte. Im Großen und Ganzen würden wir allerdings dieses Ethikbuch weiterempfehlen und im eigenen Unterricht verwenden.


Lizenz: CC BY-ND 4.0 Lizenz „Namensnennung – Keine Bearbeitungen 4.0 International“ (CC BY-ND 4.0)


Info Zitation Herget, Christina, Christina von Seckendorff und Stephanie Schön. Rezension zu: Abenteuer Ethik 2 – Ausgabe Sachsen von Rohbeck, Johannes und Monika Sänger (Hg.). Bamberg: C. C. Buchner 2013, ISBN 978-3-7661-6612-8, Edumeres 2014, http://edu-reviews.edumeres.net/rezensionen/rezension/herget-christina-christina-von-seckendorff-und-stephanie-schoen/, zuletzt geprüft am 15.10.2019.