Zurück zur Übersicht

Ethik / Philosophie, Oberstufe, Gymnasium

Denkart – Arbeitsbuch für Ethik für die gymnasiale Oberstufe

Denkart – Arbeitsbuch für Ethik für die gymnasiale Oberstufe
Herausgegeben von Althoff, Matthias und Henning Franzen
Erschienen Paderborn: Schöningh, 2015
Seitenanzahl 500
ISBN 978-3-14-025055-9
Geeignet für Baden-Württemberg, Berlin, Brandenburg, Bremen, Hamburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein, Thüringen
Rezensiert von Jüstel, Helena, Luka Selestrin und Simon Wilk (Studierende), 29. September 2016

Rezension von Jüstel, Helena, Luka Selestrin und Simon Wilk (Studierende)


Einleitung
Gerechtigkeit, Moral und Tugend gehören zu den grundlegenden Themen des Ethik- und Philosophieunterrichts. Diese Fächer bringen Schülerinnen und Schüler wohl zum ersten Mal die Grundpfeiler der Ethik und Philosophie nahe und machen ihnen bewusst, wie viele verschiedene Ansichten, Meinungen und Perspektiven es in diesen Bereichen gibt, von denen jeder meint, ein grundlegendes Verständnis zu haben. Der schiere Umfang dieser Fächer stellt die Lehrkräfte vor eine schwierige Aufgabe: einen Unterricht zu konzipieren, der umfassend, informativ und frei von jeglicher Bewertung ist, und der gleichzeitig die Schülerinnen und Schüler bei ihrer individuellen Entwicklung unterstützt. Aufgrund dessen ist es umso wichtiger, dass die Unterrichtsmaterialien den Ethik- und Philosophielehrkräften unter die Arme greifen.

Der Erste Eindruck
Das Buch hat einen weichen Einband und ist mit vielen hellen Farben verziert, die sich imdas gesamten Buch wiederfinden. Es ist sehr schön anzusehen und das Titelbild erweckt mit seinen vielen unterschiedlichen Bildern erstes Interesse beim Leser. Beim ersten Durchblättern des Buches fällt die ordentliche und überschaubare Vorstellung und Gliederung auf. Auf den ersten Seiten erklären die AutorInnen, was sie sich beim Erstellen des Buches gedacht haben und wie man mit bestimmten Aufgaben zu hantieren hat. Es wird eine Legende vorgestellt, die Aufgaben und Texte nach Schwierigkeit und Vorgehensweise einteilt. Positiv aufgefallen ist, dass zu Beginn jedes Kapitels eine Seite für einen didaktischen Kommentar genutzt wird, der beschreibt, mit welchen Operatoren sich das folgende Kapitel befassen wird. Der Kommentar soll sowohl den Schülerinnen und Schülern als auch der Lehrkraft die potenziellen Anwendungsmöglichkeiten des kommenden Kapitels darlegen.

Bebilderung
Das Buch wurde durchgängig in Farbe gedruckt, wodurch alle genutzten Bilder gut zur Geltung kommen. Schon der Einband wurde bunt gestaltet und trägt ein Bild, welches einladend auf Schülerinnen und Schüler wirken könnte. Insgesamt sind auf beinahe jeder Doppelseite Bilder vorzufinden, auch die Kapitelzusammenfassungen arbeiten mit Bildern. Dadurch entsteht nicht der Eindruck, das Buch sei grau-in-grau und mit Texten überladen. Durch die Einbettung von Bildern können Schülerinnen und Schüler die Inhalte schneller erschließen. Gerade die Nutzung von Bildern als Einstieg in ein neues Kapitel erscheint sehr effektiv, da Bilder für Schülerinnen und Schüler ansprechender sind als Texte und vielfältigere Denkanstöße liefern können. Weiterhin kann die Bebilderung des Buches zur Schulung der Medienkompetenz genutzt werden. Die Schülerinnen und Schüler werden täglich mit einer Bilderflut überschüttet, ohne die einzelnen Bilder zu reflektieren. Die Lehrkraft kann an dieser Stelle die Chance nutzen und Bilder auf SchülerInnen wirken lassen und ausführlicher über diese nachdenken und sprechen.
Dennoch muss hinzugefügt werden, dass die Bilderauswahl teilweise fragwürdig scheint. So werden beispielsweise sehr vital wirkende ältere Menschen als Einstieg zur Frage nach Sterbehilfe genutzt. Dies wirkt im übergeordneten Kontext unpassend. Auch die Bilderauswahl in den Kapitelzusammenfassungen hätte etwas prägnanter und zielführender ausfallen können. Die Idee der Bildernutzung ist an der Stelle durchaus angebracht, da Verknüpfungen mit Bildern ggf. von SchülerInnen zum besseren Lernen und Einprägen genutzt werden können. Durch die teilweise jedoch ausdrucksschwache Bilderauswahl wird diesem Übersichtscharakter leider ein leichter Abbruch getan, da SchülerInnen in solchen Fällen sehr bilderorientiert agieren und lernen. Alles in allem kann man jedoch sagen, dass die Bebilderung des Buches sich förderlich auf die Lernerfolge auswirken kann und auf jeden Fall als Motivationsfaktor für die Schülerinnen und Schüler dient.

Textsorten
Beginnt man die ersten Texte des Buchs DenkArt – Arbeitsbuch Ethik zu lesen, fällt als erstes auf, dass die Einteilungen der Texte sehr schülerfreundlich konzipiert wurden. Aus der eigenen Schulzeit erinnert man sich zurück, dass einem die Seiten, die komplett mit Text ausgefüllt waren, stets ein Graus waren und die Motivation beim Anblick dieser Textmenge schnell sank. Doch hier ist kaum eine Seite vollständig von Texten in Beschlag genommen, und wenn doch, dann sind diese mit bunten Boxen, anschaulichen Tabellen und erläuternden Überschriften für das Auge angenehmer gestaltet worden.
DenkArt bedient sich diverser Textsorten, wie beispielweise Comics, Dialogen, Interviews und Monologen, die Abwechslung zu reinen Sachtexten bieten. Sachtexte sind insgesamt klar in der Überzahl und die Auswahl ist durchdacht und sinnvoll. Allerdings gibt es häufiger Sequenzen im Buch, in denen mehrere Originaltexte, beispielsweise von Immanuel Kant, kommentarlos aufeinander folgen. Das Niveau dieser Texte liegt deutlich über dem der anderen Textformen, die in dem Buch auftreten, wodurch ein starkes Niveaugefälle entsteht. In solchen Fällen würde man sich als Leser zumindest einen Verweis auf Sekundärliteratur wünschen, jedoch bleiben bei Originaltexten Erklärungen und Kommentare aus, was Schülerinnen und Schülern durchaus Kopfschmerzen bereiten kann und für Lehrerinnen und Lehrer mehr Arbeit bedeutet.Insgesamt wurden wie bereits angedeutet, die Texte sorgfältig ausgewählt. Sie laufen mit den Kapiteln konform und erfassen die Essenzen, die mit den Themen ausgedrückt werden wollen. Sequenzen von Originaltexten, denen es an Ausführungen und Erläuterungen fehlt, stehen im Kontrast zu den sehr ausführlichen, schön umschriebenen und verständlichen Definitionen bzw. Merksätzen, die in jedem Kapitel häufiger vorkommen und die die größten Verständnislücken abdecken sollten. Auch die anderen Textformen, die oben erwähnt wurden, sind sehr schülerfreundlich und angenehm zu lesen. Sie reizen das Interesse durch Informativität, Provokation, Verknüpfung und Witz. 

Aufgaben und Differenzierung
Die Aufgabenformen, die das Schulbuch zielführend vorgibt, werden in der Einleitung detailliert erläutert und es wird eine Differenzierung in drei Aufgabenstellungen vorgenommen. Somit sind grün markierte Aufgaben Einstiegsaufgaben, die ein erstes Bild des Inhalts vermitteln und diesen auf einem niedrigen Leistungsniveau behandeln. Blau markierte Aufgaben sind textbezogene Aufgaben oder auch Erschließungsaufgaben, welche dem genaueren Verständnis der dargebotenen Inhalte dienen sollen. Die dritte Kategorie sind die orange markierten Aufgaben, auch Vertiefungsaufgaben genannt. Diese sollen einen Transfer ermöglichen, um zu prüfen, ob der Inhalt auch wirklich verstanden wurde. Dabei sollte das gewonnene Wissen in einen anderen Kontext übertragen und angewendet werden können.
Nun ist so eine Differenzierung für die Lehrkräfte sehr nützlich, da kategorisierte Fragen zur Verfügung stehen, welche einerseits ein Gesamtbild über den Inhalt vermitteln und andererseits sich an das Leistungsniveau der Schülerinnen und Schüler angepasst werden können. Des Weiteren kann die gezielte Anwendung der Fragen im Unterricht auch der Kontrolle dienen, ob der Inhalt auch wirklich verstanden worden ist. Somit ist die angekündigte Kategorisierung der Aufgaben des Schulbuches ein großer Pluspunkt, wenn es um die Eignung als Planungshilfe im Unterricht geht. Leider fällt bei der Untersuchung der einzelnen Kapitel auf, dass die Ausführung des Öfteren nicht ausreichend ist, um wirklich als Differenzierung durchzugehen. Zwar gibt es größtenteils gute Einteilungen, wenn mal alle Aufgabenformen zu einem Inhalt vorhanden sind (S. 152), aber ebenfalls tritt auffällig häufig das Phänomen auf, dass sich die Vertiefungsaufgaben wiederholen, ohne dabei wirklich einen Transfer sicher zu stellen.
Die orange markierte Aufgabe, einem außenstehenden Zuhörer, der mit dem behandelten Thema nicht vertraut ist, die wichtigsten Schlüsselinformationen zu erläutern, (S.125ff.) findet man im Schulbuch in jedem Kapitel mindestens einmal. Zwar kann diese Aufgabe durch eigenständige Wiederholung dazu führen, dass der Inhalt besser gelernt wird, allerdings findet trotzdem mit dieser Aufgabenstellung kein ordentlicher Transfer in einen anderen Kontext statt. Diese Wiederholungen machen den Eindruck, dass den Autoren in verschiedenen Fällen keine kreative Vertiefungsaufgabe eingefallen ist und demnach eine einfache Wiederholung als ausreichend deklariert wurde.
Grundlegend gibt es bei den Aufgaben aber nichts auszusetzen. Das Buch arbeitet zielgerichtet mit Operatoren und wechselt zwischen direkten und indirekten Aufgabenstellungen. Auch auf die zu fördernden Kompetenzen wird geachtet und kreative Aufgaben unterstützen diese. Aufgaben mit einem höheren Schwierigkeitsgrad werden sinnvollerweise als Gruppenarbeiten mit einem grauen Pfeil markiert.

Fazit
DenkArt – Arbeitsbuch Ethik für die gymnasiale Oberstufe ist ein hilfreiches Buch für Lehrkräfte. Die Bilder, die genutzt werden, schaffen genügend Abwechslung, um das Arbeiten und Lesen angenehm zu gestalten. Bei der Textauswahl haben sich die AutorInnen viel Mühe gegeben, um Varianz zu schaffen und andere Quellen in den Vordergrund zu rücken, als nur Originaltexte bekannter PhilosophInnen. Natürlich kommen diese Originaltexte trotzdem vor und sorgen mit ihrem hohen Sprachniveau für ein Ungleichgewicht in den ausgewählten Texten, allerdings können die Schülerinnen und Schüler mit etwas Mühe und eventuell der Anleitung der Lehrkraft trotzdem den Sinn dieser schwierigen Texte erschließen. Die Aufgaben zeigen ein großes Spektrum an Bearbeitungsmöglichkeiten auf, wie mit den vorgegebenen Texten umgegangen werden kann. Es werden praktisch alle Unterrichtsformen bedient: der Frontalunterricht, Gruppenarbeit, Transferaufgaben und natürlich gibt es auch Hausaufgabengeeignetes. Gewiss tauchen einige Aufgabenformen etwas häufiger auf, sodass man von einer repetitiven Aufgabenverteilung ausgehen könnte, allerdings handelt es sich dabei eher um Ausnahmen als um die Regel. Dementsprechend würden wir DenkArt – Arbeitsbuch Ethik für die gymnasiale Oberstufe als Lehrbuch für den Ethik- und Philosophieunterricht empfehlen.


Lizenz: CC BY-ND 4.0 Lizenz „Namensnennung – Keine Bearbeitungen 4.0 International“ (CC BY-ND 4.0)


Info Zitation Jüstel, Helena, Luka Selestrin und Simon Wilk. Rezension zu: Denkart – Arbeitsbuch für Ethik für die gymnasiale Oberstufe von Althoff, Matthias und Henning Franzen (Hg.). Paderborn: Schöningh 2015, ISBN 978-3-14-025055-9, Edumeres 2016, http://edu-reviews.edumeres.net/rezensionen/rezension/juestel-helena-luka-selestrin-und-simon-wilk/, zuletzt geprüft am 27.06.2019.