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Sozialkunde / Politik, 5./6. Schuljahr, 7./8. Schuljahr, 9./10. Schuljahr, Hauptschule, Realschule, Gesamtschule, Gymnasium

Migration, Mobility and Employment in the EU

Migration, Mobility and Employment in the EU
Herausgegeben von Labusch, Alexandra
Erschienen Schwalbach/Ts.: Wochenschau, 2015
Seitenanzahl 24
ISSN 2190-3611
Geeignet für Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Brandenburg, Bremen, Hamburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein, Thüringen
Rezensiert von Loukovitou, Antigoni (Wissenschaftlerin), 21. Juni 2016

Rezension von Loukovitou, Antigoni (Wissenschaftlerin)


Einleitung
Mit „Migration, Mobility and Employment in the EU“ legt der Wochenschau Verlag ein bilingual gestaltetes Heft über den Themenbereich Migration im europäischen Kontext vor. Das Heft ist für die Verwendung in der Sekundarstufe 1 konzipiert.

Überblick zu Inhalten und Zielgruppen
Die vier Schwerpunkte des Heftes sind:

1. Why does a famous Polish politician sleep on the floor of a homeless hostel in London?

2. Why do people migrate?

3. The right to free movement in the EU: between claim and reality

4. Should freedom of movement in the EU be restricted again?

Die vier Abschnitte setzen sich jeweils aus mehreren Kurztexten zusammen und enthalten Fragen und Aufgabenstellungen für die Schülerinnen und Schüler, die die Lehrenden in den Unterricht integrieren sollen. Zudem findet sich in der Mitte des Heftes ein separater Bereich “Didaktische und methodische Hinweise” für die Lehrkräfte. Das Heft ist für die Verwendung in der Sekundarstufe 1 konzipiert. Ausgelegt ist es für die Verwendung im bilingualen Unterricht der Fächer Politik, Wirtschaft, Sozialwissenschaften, dementsprechend finden sich sowohl englische als auch deutsche Texte im Heft.
Den Lehrenden sollte bewusst sein, dass im Heft ausschließlich auf Migration im Raum der EU eingegangen wird. Der thematische Fokus des Heftes liegt konkret bei den Ländern Deutschland – Polen – Großbritannien. Migrationsströme aus Nicht-EU-Ländern werden nicht berücksichtigt. Dies sollte vorab im Unterricht kommuniziert werden, ehe es zum Einsatz des Materials kommt. Gegebenenfalls kann das Hinzuziehen weiterer Materialien, die auch die Migration aus Nicht-EU-Ländern berücksichtigen, sinnvoll sein, um den Unterricht abzurunden. Weiterhin wird im Heft vor allem der Bereich Migration im Kontext von Arbeit fokussiert. Auf weitere Gründe für Migration (Bildung; soziale Komponenten wie etwa Partnerschaft, Familie, Freundschaften; Horizonterweiterung, Neugierde auf andere Kulturen; politische und religiöse Verfolgung und so weiter) wird deutlich weniger eingegangen. Auch dies sollten die Lehrenden vor dem Unterrichtsbeginn ansprechen, um den Schülerinnen und Schülern zu signalisieren, dass Migration nicht ausschließlich im Kontext von Arbeit stattfindet.

Überblick über Konzept, Gestaltung und Aufbau
Konzeptuelle Intention des Heftes ist es, „die EU-Binnenmigration und ihre Regelung als Chance und Herausforderung aus der Perspektive unterschiedlicher Akteure, Betroffener und politischer Ebenen zu erfassen und zu erörtern“ (M1). Dabei liegt ein besonderer Fokus auf der Osterweiterung der EU und den Auswirkungen der Euro-Finanzkrise auf die Arbeitsmärkte der südeuropäischen Staaten, was zu einer unerwarteten Dynamik in der EU-Binnenmigration geführt hat. Ein besonderer Fokus erfolgt in diesem Zusammenhang auf Großbritannien, das durch seine Regelungen für das Recht auf Arbeitnehmerfreizügigkeit für die Bürger von EU-Beitrittsländern eine starke Veränderung hinsichtlich der Zuwanderungsthematik erfahren hat. Am Beispiel Großbritanniens wird auch auf stärker werdende Tendenzen der Zuwanderungskritik eingegangen.
Um diese Ideen umzusetzen, bedient sich das Heft der Arbeit mit vielen kürzeren Quellen, beispielsweise Zeitungsausschnitten oder politische Entscheidungen und Grafiken zu Thematik. In der Regel folgt auf diese Quellen eine Auswahl an farblich vom Haupttext abgesetzten Fragen und Arbeitsaufträgen, die die Schülerinnen und Schüler bearbeiten sollen. Die Texte sind größtenteils auf Englisch verfasst, auch die Fragestellungen werden auf Englisch formuliert. Vereinzelt werden auch deutschsprachige Quellen eingesetzt. Abgerundet wird dies von kleineren Glossaren, in denen englische Fachbegriffe jeweils direkt unter dem entsprechenden englischen Text erklärt werden.

In der Mitte des Heftes befindet sich ein deutschsprachiger Methodik-Bereich, in dem der Aufbau, die Inhalte und Ziele des Heftes für die Lehrenden zusammengefasst werden. Zudem werden in diesem Bereich Lösungen für die Fragen aus dem Heft angeboten. An diesen Lösungsvorschlägen können sich die Lehrenden orientieren. Im Abschnitt „Useful Language“ (Seite M 8) werden englische Phrasen zur Verfügung gestellt, mit denen die Lehrenden die Diskussion gestalten können.

Texte, Materialien, Arbeitsaufträge und Methodenvorschläge
Die inhaltliche Gliederung des Heftes erfolgt in vier Abschnitten. Abschnitt 1, „Why does a famous Polish politician sleep on the floor of a homeless hostel in London?“, bildet als Einleitung in das Heft einen authentischen Fall ab, in dem Migration in den Medien thematisiert wurde. Anhand des Beispiels werden die Themen EU-Erweiterung in den Jahren 2004 und 2007, Grundlagen der Personenfreizügigkeit sowie aktuelle Problemsituationen behandelt. Abschnitt 2, „Why do people migrate?“ beschäftigt sich mit theoretischen Konzepten zur Erklärung von Migration, Ihren Ursachen und Strukturmerkmalen. Der theoretische Teil wird durch den exemplarischen Einsatz von Interviews mit Migrantinnen und Migranten in die Realität überführt. Abschnitt 3, „The right to free movement in the EU: between claim and reality“, geht auf die gesetzlichen Regelungen zur EU-Migration ein. Diesem theoretischen Teil folgt ein größer ausgelegter Arbeitsauftrag für die Schülerinnen und Schüler. Sie sollen sich anhand ihrer Erkenntnisse, die sie aus den Regelungen der EU gewonnen haben, in die Lage von zwei Personengruppen versetzen. Auf der einen Seite in die Situation einer Person, die in einen EU-Staat migrieren will um dort zu leben und zu arbeiten. Auf der anderen Seite in die Situation eines EURES-Mitarbeiters. Dieses Kapitel enthält zudem Informationen über die Beschäftigungsmöglichkeiten in Deutschland und Groß Britannien. Kapitel 4, „Should freedom of movement in the EU be restricted again?“, geht der viel diskutierten Frage nach, ob Migration in der EU beschränkt werden muss. In diesem Kapitel werden verschiedene Positionen dargestellt.
Durch das Angebot verschiedener Quellentypen (Grafiken, Karikaturen, Diagramme, Tabellen, Fotos, Fließtexte, Interviews) kann der Einsatz des Heftes im Unterricht gewinnbringend sein. Der Lehrer kann für Abwechslung sorgen und muss sich nicht auf eine Quellenform festlegen. Insbesondere die Interviews bringen eine sehr persönliche Note in das Heft ein und können es den Schülerinnen und Schülern ermöglichen, die Perspektive von Migrantinnen und Migranten besser zu verstehen. Hier werden nicht nur statistische Zahlen zur Thematik genannt, sondern individuelle Schicksale beschrieben, was den Schülerinnen und Schülern durchaus helfen kann, sich mit der Rolle, den Sorgen aber auch Hoffnungen von Migrantinnen und Migranten auseinanderzusetzen und eventuell sogar zu identifizieren.
Die Arbeitsaufträge sind vielfältig gestaltet. So sollen die Schülerinnen und Schüler klassisch Fragen in Fließtexten beantworten, bekommen aber auch die Möglichkeit, ihre Antworten in Form von Skizzen und Grafiken zu visualisieren. Auch werden die Schülerinnen und Schüler dazu angeregt, das Internet als erweitertes Rechercheinstrument zu verwenden.
Schön ist, dass mit dem Beispiel Polen ein direktes Nachbarland Deutschlands behandelt wird. Es werden viele Informationen über das Land, insbesondere über die politische Struktur Polens, geliefert.
Das Heft geht an mehreren Stellen auf das Thema Migration und Politik ein. So werden politische Entscheidungen hinsichtlich der Thematik erwähnt. Etwas schade ist, dass in den Arbeitsaufträgen nicht der Hinweis gegeben wurde, dass die Schülerinnen und Schüler auf den Internetseiten der EU weiter zur Thematik recherchieren. So hätte man nochmals das Medium Internet zur Recherche und Informationsbeschaffung einsetzen können.

Fazit
Das Heft des Wochenschau Verlags ist abwechslungsreich gestaltet und geht auf eine Vielfalt von Themen des Bereichs EU-Migration ein. Das Material kann gut als Grundlage für einen spannenden und interessanten Unterricht verwendet werden. Vor allem der Einsatz verschiedener Quellenformen ist positiv zu erwähnen. Hier wurde viel Zeit und Mühe investiert, um anschauliche Materialien zu entwickeln, die problemlos und ohne viel Vorbereitungszeit in den Unterricht integriert werden können. Die Inhalte sind sehr gut aufbereitet, der Methodenbereich beinhaltet viele inhaltliche Informationen für die Lehrenden, sodass das Hinzuziehen weiterer Informationen aus anderen Kanälen zwar durchaus möglich, aber keine zwingende Voraussetzung ist, um als Lernender die Inhalte des Heftes zu verstehen.
Wenn Sie beabsichtigen dieses Material zu verwenden, sollten Sie aktuelle politische entwicklungen in Großbrittanien und Polen im auge behalten und berücksichtigen.