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Sozialkunde / Politik, Erdkunde, Wirtschaft, 5./6. Schuljahr, 7./8. Schuljahr, 9./10. Schuljahr, Realschule

Menschen Märkte Räume 1 – EWG

Menschen Märkte Räume 1 – EWG
Herausgegeben von Breithack, Christoph et al.
Erschienen Berlin: Cornelsen, 2004
Seitenanzahl 288
ISBN 978-3-464-64533-8
Geeignet für Baden-Württemberg
Rezensiert von Stöber, Georg (Wissenschaftler), 1. Juni 2004

Rezension von Stöber, Georg (Wissenschaftler)


Der Band ist der erste einer Reihe, die auf den neuen baden-württembergischen Bildungsplan für die Realschule zugeschnitten ist.* Dieser Plan sieht einen fächerverbindenden Unterricht von Erd-, Wirtschafts- und Gemeinschaftskunde vor. Angestrebt wird sowohl die Vermittlung fachspezifischer Grundkompetenzen wie die Arbeit an fächerverbindenden, integrativen Themen. (In der Klassenstufe 9/10 ist zudem eine enge Kooperation mit dem Fach Geschichte verbindlich). Der Plan definiert Standards, Kenntnisse und Fähigkeiten, die jeweils am Ende der sechsten, achten und zehnten Klasse erreicht sein müssen. In der Umsetzung haben die Schulen - und damit auch die Schulbuchproduzenten - beträchtliche eigene Gestaltungsmöglichkeiten.

Der vorliegende Band ist auf die Standards der Klasse 6 bezogen. Den Autoren ist in 14 Kapiteln die Umsetzung des Lehrplankonzepts durchaus gelungen. Neben Kapiteln, die sich eindeutig einem der Teilfächer zuordnen lassen, stehen auch solche, in denen ein Themenbereich integrativ abgehandelt wird, geographische und politische oder wirtschaftskundliche Aspekte angeschnitten werden. Beispielsweise werden im Kapitel "Unser Schulort" neben der Stadtstruktur auch die politische Organisation und die Arbeit des Gemeinderates thematisiert.

Der Einstieg erfolgt sozialkundlich: "Unsere neue Schule". Immerhin bringen zwei Doppelseiten auch räumliche Aspekte ein. "Unser Schulort" erweitert den Blick. "Lebensraum Erde" geht dann auf das Planetensystem, die Erde, Globus, Gradnetz, Zeitzonen, die Polarregionen und den Aufbau der Atmosphäre ein. "Unser Land Baden-Württemberg" stellt die Geographie des Bundeslandes dar. Dem sozialkundlichen Kapitel "In Familien leben" folgen drei geographische Unterrichtseinheiten: ein Überblick über die Bundesrepublik, eine nähere Behandlung Norddeutschlands, v.a. der Küsten, sowie ein Überblick über den Kontinent Europa. "Mit Land wirtschaften" geht unter eher wirtschaftskundlichem Blickwinkel auf die Landwirtschaft, "Wirtschaft im Wandel" auf die Wirtschaftssektoren (ohne Landwirtschaft) ein. "Reisen und Tourismus" stellt exemplarisch ein spanisches und ein österreichisches Feriengebiet vor. "Europa wächst zusammen" gibt einen ersten Einstieg in den europäischen Einigungsprozess. "Zusammenleben verschiedener Kulturen" schließlich thematisiert kulturelle Unterschiede und Deutschland als Zielgebiet verschiedener Formen von Migration.

Fast alle Kapitel enthalten "Methoden"-Seiten, die - gut in den inhaltlichen Kontext eingebunden - spezifische Arbeitstechniken vermitteln, vom Lesen des Stadtplans bis zum Rollenspiel. Ein Kapitel, "Orientierung im Nahraum", ist ganz der Arbeit mit Karten und dem Messen und Darstellen von Wetter und Klima gewidmet. Ein "Standard-Check" am Kapitelende dient jeweils der Rekapitulation des Gelernten.Die Texte sind überwiegend sprachlich einwandfrei und gut verständlich. Vereinzelt gibt es Ausnahmen, die das gute Gesamtbild etwas trüben (v.a. Kap. 3). Eine präzisere Formulierung könnte Missverständnisse auch ohne Richtigstellung durch die Lehrkraft vermeiden helfen. Die meisten Diagramme sind gut verständlich. Die Praxis, sie mit bildlichen Elementen zu unterlegen, lenkt verschiedentlich allerdings von der Kernaussage ab, macht sie dafür graphisch interessanter. Eigentliche Fehler finden sich vereinzelt. Insgesamt hält sich jedoch die Zahl der Beanstandungen in Grenzen; sie dürften die Arbeit mit dem Buch kaum behindern.

Materialien, die mit Quellenangaben belegt sind, finden sich nur vereinzelt. Daraus ist wohl zu folgern, dass es sich bei vielen der Aussagen von Bürgermeistern, Hoteliers und anderen Interessenvertretern, die angeführt werden und ausgewertet werden sollen, nicht um authentische Texte, sondern um Autorentext handelt, der den Akteuren in den Mund gelegt wird.

Das Buch ist dem Titel nach ein Arbeitsbuch. Bei aller gelungener thematischer Integration der beteiligten Fächer fällt jedoch eine unterschiedliche Konzeption der diversen Beiträge ins Auge. Während die geographischen Anteile durch einen Autorentext gekennzeichnet sind, der die Fragestellungen aufbereitet und Inhalte erläutert - die Materialien dienen hier der inhaltlichen Vertiefung -, verzichten die sozial- und z.T. auch die wirtschaftskundlichen Teile oftmals ganz auf einen Autorentext. Durch die Aufgaben gesteuert, werden Fragestellungen und Stoff vielmehr anhand der Materialien erarbeitet, wobei diese durchaus die Form erläuternder Sachtexte annehmen können. Für diese Unterschiede mögen die verschiedenen unterrichtsmethodischen Fachtraditionen verantwortlich sein. Dann muss die unterrichtende Lehrkraft z.T. umdenken und sich auf die jeweils andere Methodik einstellen. Oder sollte der unterschiedliche Ansatz an der stärker inhaltsorientierten Fragestellung des Geographie- und z.T. Wirtschaftskundeunterrichts liegen? Immerhin dürfte eine fachfremd unterrichtende Lehrkraft vom Autorentext profitieren. Der z.T. fachfremd unterrichtende Lehrer dürfte bei einem Fächerverbund die Regel sein. Nicht zuletzt für ihn gibt es eine weitere Hilfestellung: Der Verlag sieht vor, den Schülerband durch "Handreichungen für den Unterricht" zu ergänzen.

Handlungsorientierung spielt sowohl bei den Aufgabenstellungen wie bei der Konzeption von Themenzugängen eine Rolle. Allerdings finden sich durchaus Unterschiede zwischen den Kapiteln. Viele gehen eher "klassisch" vor, verlangen in den Arbeitsaufgaben nach Definitionen, Beschreibungen und Erklärungen und regen kaum zusätzliche Aktivitäten der Schüler/innen an, von Schülerrecherchen und dem Zeichnen von Kartenskizzen und Diagrammen abgesehen. (Vorausgesetzt wird z.T. die Benutzung eines Atlas und der Rückgriff auf Nachschlagewerke u.ä.). Es sind wiederum v.a. die sozialkundlichen Teile, deren Aufgaben darüber hinausgehen und beispielsweise Interviews, Rollenspiele oder Wandzeitungen anregen. Auch wenn das Gesamtbild durchaus ausgewogen anmuten mag, erscheint diese an (ehemalige) Fächergrenzen angelehnte Unterscheidung zwischen "weichen", eher spielerischen Themenfeldern und "harten", auf Kenntnisgewinn ausgerichteten Inhalten nicht ganz unproblematisch. In einem integrativen Fach sollten solche methodischen Unterschiede doch reduziert werden.

Das Layout macht einen ruhigen, übersichtlichen Eindruck. Es ist zweispaltig mit Randspalte, die Erläuterungen u.ä. enthalten kann. Die (manchmal etwas kleinen) Abbildungen sind als Materialien eingebunden. Einziges zusätzliches graphisches Element, das der Motivation der Lernenden geschuldet ist, sind relativ dezent eingesetzte Skizzen einer Maus (meist mit Rucksack, Lupe und Bleistift), die die Schüler durch das Buch begleitet und auf dem hinteren Cover auf einer Computermaus surft. Dieser Bezug ist wohl nicht zufällig, enthält das Buch doch zahlreiche Hinweise für einen Computereinsatz, v.a. Internetadressen, aber auch Hinweise zur Recherche im Internet (Methodenseite).

Zusätzlich zu den Kapiteln weist der Band außer dem Inhaltsverzeichnis eine Tabelle "Klimastationen in Europa" (S. 284) auf, ein Verzeichnis der Bildquellen sowie einen Index (S. 285-287), in den für 25 der Begriffe eine Begriffserläuterung integriert ist. Dem Rezensenten erscheint diese Lösung zumindest in der vorliegenden Form nicht optimal, da nicht sehr übersichtlich. Z.T. wird auch die Randspalte im Text für Begriffsklärungen verwendet.
Das Buch (Größe 27 x 20 cm², Gewicht ca. 800 g) liegt in ausgezeichneter Druckqualität vor und ist mit einem festen Einband versehen. Bei Kritik in Einzelpunkten hinterlässt der Band insgesamt einen guten Eindruck.

* Baden-Württemberg, Ministerium für Kultus, Jugend und Sport: Bildungsplan für die Realschule vom 21. Januar 2004. Kultus und Unterricht. Lehrplanheft 3/2004 [Fächerverbund Erdkunde Wirtschaftskunde Gemeinschaftskunde, S. 115-125].http://www.gei.de/index.php?id=113#c128