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Ethik / Philosophie, 5./6. Schuljahr, Hauptschule, Realschule, Gesamtschule, Gymnasium

Praktische Philosophie 1 – Ausgabe NRW

Praktische Philosophie 1 – Ausgabe NRW
Herausgegeben von Büttner, Susanne et al.
Erschienen Berlin: Cornelsen, 2008
Seitenanzahl 208
ISBN 978-3-06-120013-8
Geeignet für Nordrhein-Westfalen
Rezensiert von Weber, Lisa (Studentin), 16. Oktober 2015

Rezension von Weber, Lisa (Studentin)


Das Buch „Praktische Philosophie 1“ ist für den Gebrauch in den fünften und sechsten Klassen in Förderstufen, Hauptschulen, Realschulen und Gymnasien gedacht. In diesen Schuljahren haben Schüler meistens das erste Mal die Gelegenheit, mit ethischen und philosophischen Themen in Kontakt zu treten. Die zehn Kapitel des Buches spiegeln wichtige Themen in der Entwicklung der Kinder wieder. Themen, die sich mit Identitätssuche, dem Leben in einer Gemeinschaft, Konfliktlösung, Toleranz und Integration beschäftigen, werden in dem Buch aufgegriffen. Den Schülern werden immer wieder Möglichkeiten geboten, sich durch das Buch neue Methoden und Kompetenzen anzueignen oder ihr Wissen durch Projekte sinnvoll einzusetzen.

Auf den ersten Blick ähnelt das Buch „Praktische Philosophie 1“ einem Taschenbuch. Es ist circa einen Zentimeter dick und durch den Einband nicht gut geschützt. Diese Eigenschaften lassen darauf schließen, dass es eher  wenig stabil und anfällig für Knicke ist. Die 206 Seiten sind zudem sehr dünn, sodass teilweise die Inhalte der Rückseite durchleuchten. Jedoch ist das Buch gut gebunden, sodass das Risiko herausfallender Seiten minimiert ist. Außerdem findet es durch den schlanken Aufbau in jeder Schultasche Platz.                     
Das Cover des Buches ist in einem kräftigen Rotton gefärbt und im Hintergrund lässt sich eine Stadtkarte erkennen. Im Vordergrund steht der weiße Titel „Praktische Philosophie 1“ und ein Bild, welches einen Reiter auf seinem Pferd in einem Wald zeigt. Das Bild scheint von einer Hand über die Straßenkarte gehalten zu werden. Bei dem Bild handelt es sich um eine optische Täuschung, die gewiss Neugierde beim Betrachter weckt. Jedoch ist das Cover nicht mit den Inhalten des Buches in Verbindung zu bringen.

Durch das gesamte Buch zieht sich ein heller, auf den Buchseiten abgedruckter Leitfaden, der dem Buch Struktur verleihen soll und die Reihenfolge der Inhalte deutlich werden lässt. Schon im Inhaltverzeichnis verknüpft der Faden die Kapitel und gibt ihre Reihenfolge vor. Das Buch ist in zehn Kapitel unterteilt. Jedes Kapitel hat einen Untertitel, der immer mit den Worten „Die Frage nach….“ beginnt. Das Inhaltsverzeichnis ist farblich gestaltet, was einen schnellen Überblick verschafft, wenn etwas Bestimmtes gesucht wird. Durch die Farbmarkierungen „neues Thema“ – schwarz, „Methode“ – grün, „Projekt“ – gelb und „fachübergreifendes Thema“ – rot erhalten Lehrer und Schüler einen guten Überblick. Jedem Kapitel ist ein Bild zugeordnet, welches sich am Anfang jedes Kapitels wiederfindet. Diese Bilder sind einfarbig, aber sehr grell und enthalten einen kurzen Text und Aufgaben, die zum Denken anregen sollen. Die einzelnen Kapitel haben kein einheitliches farbliches Konzept. Neben den Seitenzahlen auf jeder linken Seite steht der Titel des Kapitels und auf jeder rechten Seite das Thema der jeweiligen Doppelseite. Dadurch weiß der Leser genau, an welcher Stelle im Buch er sich befindet.       
Am Ende jedes Kapitels befindet sich eine beige unterlegte Doppelseite, auf der die Schüler ihr erworbenes Wissen testen können.            Zudem befinden sich innerhalb der Kapitel Projektvorschläge, die die Schüler dazu anregen sollen, sich auch außerhalb des Unterrichts mit den Themen des Unterrichts zu beschäftigen und sich selbst auf dem Gebiet weiter zu informieren. Auch werden den Schülern in diesem Buch Lese-, Medien- und Filmtipps in Form kleiner Infokästchen am Seitenrand gegeben, mit denen sie sich in ihrer Freizeit, wenn Interesse besteht, beschäftigen können.


Die Anknüpfung an die Lebenswelt der Kinder, die die 5. oder 6. Klasse besuchen, ist in dem Buch „Praktische Philosophie 1“ gegeben. Dies spiegelt sich im Aufbau des Buches wieder, der Parallelen zur Entwicklung eines Kindes zeigt und dem Aufbau des nordrhein-westfälischen Lehrplans folgt. Zunächst befassen sich die Leser des Buches mit der Frage nach dem Selbst, dann nach der Frage des Anderen und später nach der Frage der Gemeinschaft. Zunächst machen sich Kinder viele Gedanken um sich selbst und ihre unmittelbare Lebenswelt. Doch während ihrer Entwicklung müssen sie sich mit anderen Menschen und der Gesellschaft in der sie leben auseinandersetzen. Auch die Fragen nach dem guten Handeln und Recht, Staat und Wirtschaft und die Frage nach Natur, Kultur und Technik sind wichtige Voraussetzungen und wesentliche Kerne einer Gesellschaft. Auf Themen wie Wahrheit der Medien und Fragen nach dem Ursprung und dem Sinn wird auch eingegangen.          

Kurzum, das Buch behandelt alle wichtigen Basisfragen von der Existenz des Einzelnen bis zum Zusammenleben in einer Gesellschaft.      Die einzelnen Themengebiete befassen sich mit alltäglichen Situationen im Klassenraum oder zwischen Eltern und Schülern. Auch das Thema Freundschaft spielt eine wichtige Rolle. Die Geschichten, die im Buch erzählt werden, sind sehr nah an der Lebenswelt der Schüler, was ein Hineinversetzen sehr einfach macht.           
Das Buch ist durch seine ausgewogene Verteilung von Texten und Bildern sehr kindgerecht gestaltet. Es befindet sich auf jeder Seite mindestens ein Bild, aber die Seiten wirken nicht überfüllt. Die Texte sind sprachlich an das Niveau der Schüler angepasst und durch den großzügigen Zeilenabstand gut lesbar. Zu Beginn sind die Themen und Texte inhaltlich miteinander verknüpft, weshalb die Texte nicht unbedingt unabhängig voneinander benutzt werden können. In den meisten Kapiteln ist aber eine individuelle Gestaltung und Einbettung der Inhalte in den Unterricht möglich, da es keine inhaltlichen Zusammenhänge der Texte gibt.      
In die verschiedenen Themen werden neben Geschichten und Informationstexten auch einfache Übersetzungen von Philosophen und Textstellen aus religiösen Schriften eingebunden. Auch auf Filme, Fernsehserien, Jugendbücher oder Märchen wird zurückgegriffen, um den Lesenden Beispiele zu geben.

Zu jedem Thema (Doppelseite) gibt es im Schnitt drei bis vier Aufgaben. Die Aufgaben sind nummeriert und beginnen oft mit einem Operator wie zum Beispiel: beschreiben, vergleichen, darstellen, wiedergeben, zusammenfassen und beurteilen. Sie werden oft mit einer W-Frage ergänzt. Das kann den Schülern helfen, die Aufgabe besser zu verstehen. Jedoch greift man ihnen dadurch oft sehr vor und lenkt ihre Gedanken in eine Richtung.        
Zudem gibt es zahlreiche Aufgaben, in denen die Schüler aufgefordert werden, etwas zu recherchieren. Diese Aufgaben fördern die Eigenständigkeit der Lernenden und sie lernen viel  über den Umgang mit Medien und Wissensaneignung. Allerdings gibt es nur wenige kreative Aufgaben, wie zum Beispiel einen Tagebucheintrag oder Gedanken-experimente.
Die Aufgabenblöcke verfolgen meistens ein klares Schema. Sie befassen sich immer mit der Aktivierung des Vorwissens, der Texterarbeitung, der Informationssuche und der Interaktivität mit anderen Schülern. Dieses System der Progression zielt auf die Entwicklung eines Automatismus in Aufnahme, Verstehen und Gebrauch des Lehrstoffes ab. Das kann sowohl ein Vorteil als auch ein Nachteil sein. Einerseits schränkt es die Lehrperson in der Gestaltung der Unterrichtsstunde ein, da sie die Aufgaben schlecht voneinander getrennt verwenden kann. Andererseits finden sich Schüler und Lehrer besser zurecht, da das System der Aufgabenstellung leicht zu durchblicken ist und sich somit ein Automatismus einstellt. Dadurch werden die Schüler jedoch vor keine didaktischen Herausforderungen mehr gestellt.
Nur die Rechercheaufgaben lassen den Schülern und Lehrern Raum für Kreativität und Ausprobieren. Zudem können durch Recherchearbeiten aktuelle Themen gut eingebunden werden.      

Das Vorwissen der Schüler soll durch Aufgaben aktiviert werden, bei denen die Schülerinnen und Schüler Erlebnisse oder Vorkenntnisse aus dem Alltag aufschreiben oder erzählen sollen. Dies fördert die Erzählfähigkeit der Schüler. Das Buch „Praktische Philosophie 1“ enthält eine Vielfalt an Sozialformen und Handlungsmustern. Die Aufgaben wechseln stetig zwischen Einzel-, Partner- und Gruppenarbeiten. Besonders Partner- und Gruppenarbeiten fördern Kompetenzen wie Empathiefähigkeit. Diskussionsfähigkeit und Perspektivenwechsel erleichtern die Integration einzelner Schüler in die soziale Gemeinschaft der Klasse oder Stufe. Zusätzlich lernen die Schüler Rücksicht aufeinander zu nehmen. Dies fördert das Sozialverhalten der Kinder und sie können selber Erfahrungen auf dem Gebiet der moralischen Werte, die es in der Gesellschaft gibt, sammeln. So ist zum Beispiel auch eine didaktische Verknüpfung zum Thema Gemeinschaft gegeben.    Eine Differenzierung ist allein durch die Aufgaben im Buch allerdings nicht möglich.

Bilder befinden sich in dem Buch Praktische Philosophie 1 auf jeder Doppelseite, was das Buch sehr auflockert und einen guten Ausgleich zu den Texten bietet. Die Bilder passen gut zu den Inhalten der Themen und Texte, haben jedoch nicht immer eine Bedeutung oder dienen dem besseren Verständnis. Es gibt auch nur wenige Aufgaben, die sich auf ein Bild beziehen. Trotzdem sind die Bilder sinnvoll ausgewählt und groß genug, um alles erkennen zu können. Auch die Bildqualität überzeugt.     
Die Bildauswahl verfolgt kein Schema oder Farbkonzept, was das Buch sehr bunt wirken lässt. Kinder in der fünften und sechsten Klasse finden die Bilder mit Sicherheit ansprechend und damit das Buch interessanter.     
Manche der Bilder zeigen Figuren aus Märchen oder bekannte Personen aus den Medien. Einige dieser Bilder könnten in Zukunft nicht mehr zeitgemäß sein, da die abgebildeten Personen nicht mehr bei den Kindern, die das Buch zukünftig verwenden werden, bekannt sein werden. Doch die meisten der Bilder sind neutral und zeitlos.

Am Ende des Buches, nach dem zehnten Kapitel, befindet sich ein Minilexikon. Hier werden von „Aristoteles“ über „Normen“ bis hin zu „Zyklus“ verschiedene Begriffe, die Schülern der fünften und sechsten Klasse noch nicht geläufig sind, aber auf die im Buch nicht verzichtet werden kann, kurz und treffend erklärt. Das Minilexikon umfasst drei Seiten und wird im Inhaltsverzeichnis unter „Anhang“ aufgeführt. Ebenfalls befinden sich nach den drei Seiten Minilexikon Adressen in dem Buch, an die sich die Schüler bei Fragen oder Problemen wenden können.

Wenn man das Buch in den Händen hält, erscheint es womöglich etwas unstabil und dünn, doch der erste Eindruck sollte nicht abschrecken. Inhaltlich greift das Buch die wichtigsten Themen auf, mit denen sich Kinder in der fünften und sechsten Stufe befassen sollten. Das Buch ist zudem durch einen bildlichen Leitfaden, leichte Texte und viele Bilder auf die Bedürfnisse junger Schüler angepasst. Doch das Buch bietet auch Vorteile für Lehrer. Es gibt viele Aufgaben und Texte, die sich auch teilweise unabhängig vom Buch verwenden lassen. Das Buch „Praktische Philosophie 1“ eignet sich für fünfte und sechste Klassen von Hauptschulen, Realschulen und Gymnasien. Differenzierungsmöglichkeiten zwischen den Aufgaben müssten jedoch von dem Lehrer geschaffen werden, da diese nicht im Buch enthalten sind. Trotzdem kann das Buch guten Gewissens jedem weiter empfohlen werden, der auf der Suche nach einem guten, umfangreichen und aktivierendem Schulbuch ist.