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Geschichte, 5./6. Schuljahr, Andere Schulstufe, Gymnasium

Geschichte und Geschehen 1/2

Geschichte und Geschehen 1/2
Herausgegeben von Sauer, Michael
Erschienen Stuttgart: Klett, 2008
Seitenanzahl 277
ISBN 978-3-12-443410-4
Geeignet für Niedersachsen
Rezensiert von Beckmann, Katharina (Studentin), 1. March 2010
Projekt Universität Osnabrück, Sommersemester 2009, Mittelalter im Schulbuch

Rezension von Beckmann, Katharina (Studentin)


Das Schulbuch „Geschichte und Geschehen 1/2" ist für die Klassen 5 und 6 des Gymnasiums konzipiert. Neben dem Lehrbuch und der dazugehörigen CD-ROM gibt der Verlag zusätzlich einen Lehrerband heraus.
In diese Rezension wurden die Meinungen von Schülerinnen und Schülern eines Osnabrücker Gymnasiums einbezogen.

Konzept

Die Autoren stellen ihr Geschichtsbuch in der Einleitung als „genauso bunt und vielfältig wie die Geschichte selbst“ vor. Neben den inhaltlichen Themen, die sich mit den seit dem 01.08.2008 für die Schuljahrgänge 5-8 verbindlichen Kerncurricula Niedersachsens decken, preisen sie den Schüler/innen in der Einleitung die beiliegende CD-ROM mit Materialien sowie die Internetseite www.klett.de/online an, auf der vielfältige Angebote genutzt werden können.
Um den Einstieg zu erleichtern, wird den Schüler/innen eine Arbeitsanleitung für ihr Geschichtsbuch gegeben, in der sie die wiederkehrende Kapiteleinteilung erklärt finden. Diese gliedert sich jeweils in eine Auftaktdoppelseite, Seiten mit Verfassertexten, verschiedenen Quellengattungen und dazugehörigen Aufgaben, Seiten mit Methodentraining sowie die Rubriken „Geschichte erinnert und gedeutet“ und „Teste dich selbst“.
Im Anhang bietet „Geschichte und Geschehen“ den Schüler/innen Hinweise für das Lösen der Aufgaben, Literaturtipps, ein Methodenglossar, ein Verzeichnis der Namen, Sachen und Begriffen sowie ein Bildquellenverzeichnis.
Bedauerlicherweise beschränken sich die Literaturtipps auf relativ wenige Werke und noch viel weniger Autoren. Hinzu kommt, dass dieser Abschnitt mit Tipps zum antiken Rom endet und das Frühmittelalter, das ebenfalls im Buch behandelt wird, nicht mit einbezieht.
Im Einband ist ein Zeitstrahl abgebildet, der als eine Art roter Faden in jeder neuen Auftakdoppelseite wieder aufgegriffen und mit Details ergänzt wird. Jede Auftaktseite zeigt desweiteren eine Karte zur räumlichen Einordnung des jeweiligen Themas.
Die Idee der Autoren, einen derartigen Zeitstrahl zur Orientierung zu geben, bewerteten die befragten Schüler/innen als sinnvoll, jedoch wünschten sie sich eine ansprechendere Gestaltung des restlichen Einbandes. Der Großteil der Schüler/innen gab dennoch an, nach dem ersten Eindruck Lust zu haben, mit „Geschichte und Geschehen“ zu arbeiten.
Insgesamt kann der Aufbau des Schulbuchs als positiv bewertet werden, da die Schüler/innen anhand des Zeitstrahls jederzeit nachvollziehen können, wo sie sich thematisch und zeitlich befinden, und zudem durch die wiederkehrende Kapiteleinteilung eine gewisse Sicherheit und Routine bei der Bearbeitung eines Themas entsteht.

Autorentexte

Die Autorentexte scheinen der Altersstufe angemessen verfasst zu sein. Der Großteil der Texte dürfte jedoch keine große Motivation bei den Schüler/innen wecken, nur selten wird mit einer Fragestellung zu Beginn Spannung aufgebaut oder durch Tempuswechsel der Text lebhaft gestaltet. Eine Erklärung der auftauchenden Fachbegriffe findet sich jeweils direkt neben dem Text, sodass den Schüler/innen das Nachschlagen erspart wird und sie sich bei eventuellem späterem Nachschauen eines Begriffes sofort wieder an den Zusammenhang erinnern können.
Teilweise werden verschiedene Forschungsmeinungen aufgeführt oder es wird die Entwicklung einer Theorie angesprochen, auch werden Fragen offen gelassen, um den Schüler/innen zu zeigen, dass nicht immer Einhelligkeit herrscht.
Gelegentlich wird versucht, die Texte auf die Gegenwart der Schüler/innen zu beziehen, indem zum Beispiel eine heutige negative Konnotation eines Begriffes oder auch ein Bedeutungswandel durch die geschichtliche Entwicklung erklärt wird.
Die gute Verständlichkeit der Texte wurde von den Schüler/innen bestätigt. Sie bemängelten jedoch das meist schmale Format, da dieses das Lesen erschwere. Zudem sei die Erwähnung lateinischer Begriffe für die Schüler/innen entbehrlich. Diese Meinung könnte allerdings auch daher rühren, dass die befragten Schüler/innen Französisch als zweite Fremdsprache lernen und somit keinen Bezug zum Lateinischen haben.

Quellenauswahl und -arbeit
Deutlich gekennzeichnet und von anderen Materialien getrennt, nimmt der Einsatz verschiedener Quellengattungen einen großen Raum ein. Bemerkenswert ist neben den Textquellen vor allem die große Zahl an Fotos. Im so genannten Methodentraining wird den Schüler/innen eine Einführung in die Quellenarbeit gegeben, mit Hilfe derer sie die folgenden Aufgaben bearbeiten können. Jede Quelle ist mit einer Überschrift, weiteren Erläuterungen und bibliographischen Angaben versehen. Dies gilt ebenso für andere graphische Materialien, die das Buch bietet wie zum Beispiel verschiedene Karten oder die bereits erwähnten Zeitleisten.
In einigen Abschnitten könnte durch die große Menge an verschiedenen Materialien und durch die verschiedenen Darstellungsformen und –formate allerdings der Eindruck einer Überfrachtung entstehen. Vielleicht lässt sich die Vielfalt an Materialien auch als ein Versuch deuten, einer eventuellen Langeweile der Schüler/innen vorzubeugen, denn die befragten Schüler/innen fassten die Menge der Bildquellen und Darstellungen als positives Merkmal des Geschichtsbuchs auf, wünschten sich vereinzelt sogar eine noch größere Anzahl.

Begleitmaterialien und neue Medien
Die beigefügte CD-ROM bietet Materialien zum Üben und Anwenden, wie zum Beispiel Arbeitsblätter, Quizfragen und bewegliche Karten. In den Kapiteln wird immer wieder auf die CD-ROM hingewiesen. Die Internetseite des Verlages bietet verschiedene Angebote wie einen virtuellen Besuch in einem Museum. Auf den Aauftaktseiten finden sich entsprechende Linktipps.
Die Befragung der Schüler/innen ergab, dass sie die Ergänzung eines Schulbuchs durch neue Medien positiv sehen und sich in ihrer Freizeit wahrscheinlich auch ohne Anweisung des Lehrers mit diesen beschäftigen würden.
Da die neuen Medien bei den meisten Schüler/innen im privaten Bereich einen großen Stellenwert einnehmen, scheint es sinnvoll sie auch mit dem Geschichtsunterricht zu verknüpfen. Dass der Klett Verlag gewisse Vorlagen bietet, entlastet die Lehrperson, da die Projekte genau auf das Schulbuch abgestimmt sind und somit ohne schwierige und zeitaufwendige Vorbereitung in den Unterricht eingebunden werden können.

Aufgabenstellungen 
                                                                           
In den Aufgaben werden die Verben als Operatoren genannt, die im Kapitel „Hinweise für das Lösen der Aufgaben“ aufgeführt sind. So können sich die Schüler/innen bei eventuellen Verständnisproblemen der Aufgaben selbst helfen, was vor allem beim Bearbeiten der Hausaufgaben sinnvoll ist.
Nur selten werden W-Fragen gestellt, und immer werden sie durch eine zusätzliche Aufgabenstellung ergänzt. Die Aufgaben folgen meist additiv aufeinander, nur selten finden sich Komplexe aus zwei bis drei Fragen. Von den Schüler/innen bewerteten zwei Drittel die Aufgaben als gut lösbar.
Insgesamt sind die Aufgaben verständlich formuliert und der Altersstufe angemessen. Eine größere Anzahl von Aufgabenkomplexen wäre an mancher Stelle wünschenswert, jedoch stellt dies kein immenses Problem dar.

Fachdidaktische Positionen und Fragestellungen
„Geschichte und Geschehen“ gibt durch die Unterteilung der jeweiligen Themen in Methodenseiten, Seiten mit Verfassertexten, Quellen und Aufgaben, Seiten mit der Überschrift „Geschichte erinnert und gedeutet“ sowie Seiten zum Selbsttest verschiedenen Unterrichtskonzepten einen Platz.
Insbesondere auf den angesprochenen Methodenseiten jedes Kapitels finden sich schülerorientierte Abschnitte (zum Beispiel „Spurensuche im eigenen Ort“), solche, die den Schüler/innen ein Problembewusstsein vermitteln sollen (z.B: S. 28 Nr.5) und weitere zur handlungsorientierten Projektarbeit, die das soziale Lernen in Gruppen als positiven Nebeneffekt mit sich bringen.
Eher selten wird versucht, der Multiperspektivität, die ein Geschichtsbuch berücksichtigen sollte, gerecht zu werden, und selten wird der Blick nach Europa gewendet und auf außereuropäische Kulturen geschaut, was zum einen an der Altersstufe der Schüler/innen und zum anderen an der Themenwahl liegen dürfte.
Wert wird besonders darauf gelegt, den Schüler/innen die Geschichtlichkeit ihrer eigenen Existenz bewusst zu machen und ihnen das notwendige, auch kritische Geschichtsbewusstsein zu vermitteln. So zeigt sich „Geschichte und Geschehen“ trotz der genannten Mängel als geeignetes Schulbuch, das dem Bildungsauftrag des Faches Geschichte gerecht werden kann.

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