Zurück zur Übersicht

Wirtschaft, Oberstufe, Gymnasium

Wirtschaft. Märkte, Akteure und Institutionen

Wirtschaft. Märkte, Akteure und Institutionen
Herausgegeben von Bauer, Max et al.
Erschienen Bamberg: C. C. Buchner, 2012
Seitenanzahl 455
ISBN 978-3-7661-8851-9
Geeignet für Baden-Württemberg, Schleswig-Holstein, Sachsen-Anhalt, Saarland, Rheinland-Pfalz, Niedersachsen, Hessen, Hamburg, Bremen, Brandenburg, Berlin, Thüringen
Rezensiert von Blöcher, Andreas (Lehrer), 21. December 2013

Rezension von Blöcher, Andreas (Lehrer)


Einleitung
Das Buch beabsichtigt, wichtige Lehrplanthemen mit verstärkter Kompetenzorientierung zu verknüpfen. Hilfreich für Lehrer und Schüler ist dabei, Anmerkungen zur Benutzung der Lehr- und Arbeitsbücher zu machen. Diese sind in übersichtlicher Form formuliert.

Aufbau
Eine allgemeine Orientierung gelingt größtenteils, vor allem durch eine meist durchdachte Strukturierung, die guten Schaubilder, Tabellen, Fotos und die zahlreichen Texte, die gemessen an den Strukturmerkmalen gut ausgewählt wurden. Der Druck ist von sehr guter Qualität. Das Layout überzeugt durch die übersichtliche Zuordnung von Texten und Bildern. Das Konzept des Buches wird in den Anmerkungen vorgestellt. Hilfreich sind auch die Randbemerkungen, die einerseits eine Vertiefung ermöglichen und andererseits die Texte zusammenfassen.

Inhalt und Gliederung der Kapitel
Anmerkungen zu den einzelnen Kapiteln: Die folgenden Ziffern entsprechen der Zahlenstruktur aufgrund des Inhaltsverzeichnisses.

1. Einführung in die Ökonomie: Das gesamte Kapitel ist sehr theoretisch aufgebaut und könnte die Schüler zu Beginn des Unterrichts überfordern oder demotivieren: z. B. Verhaltenstheorie (M 7), Opportunitätskosten, Kosten-Nutzen-Analyse. Der Kostenbegriff ist den Schülern nicht ohne weiteres bekannt. In M4 „Was wir uns leisten können?“ (S. 12) ist die Einkommensfrage außer Betracht gestellt. Wenn man mit dem Schüler als Verbraucher begonnen hätte, so wie es der Lehrplan in Baden-Württemberg vorsieht, hätte man die Schüler stärker in Realität abgeholt.
Die Knappheit als Kernprinzip des Wirtschaftens darzustellen, ist längst von der Wirklichkeit überholt. Jede Marketingkonzeption geht vom einem Käufermarkt aus. In einer Wirtschaftskrise gibt es reichlich Überkapazitäten – siehe Spanien und Griechenland.
Lobenswert ist die kritische Distanz zum Homo Oeconomicus in Kapitel 1.3.

2. Der Marktmechanismus und seine Grenzen: Der Nachfrageteil 2.1.1/2. ist sehr gut gelungen und überzeugt durch eine gute Verknüpfung von Text und Darstellung in Kurven. Zusätzlich hätte man allerdings noch die Nachfrageelastizität in fünf Formen in Kurven darstellen können. Dieses Thema hat für die Anbieter entscheidende Bedeutung.
Auch der Angebotsteil überzeugt. Dass Grenzkosten die Angebotsmenge bestimmen, ist argumentativ nicht sehr überzeugend, wenn die Bemerkung erfolgt (siehe M 10 S. 34), dass Arbeitskräfte sich gegenseitig behindern. Unsere Produktion ist heutzutage so rationalisiert, dass dieses Phänomen nicht mehr vorkommt. Gültigkeit hat dieses Argument, wenn man betriebswirtschaftlich die Kommunikationssysteme in Großbetrieben analysiert, wenn diese sich gegenseitig behindern.
Das Kapitel 2.3 Einkommensentstehung und -verteilung kommt zu spät, wenn man bedenkt, dass Einkommen Voraussetzung für Nachfrage ist.

3. Die Welt der Unternehmen: Dieses Kapital ist ausschließlich betriebswirtschaftlich gestaltet. Die Unterkapitel sind übersichtlich und verständlich aufgebaut.
Die volkswirtschaftliche Seite bezüglich der volkswirtschaftlichen Produktionsfaktoren und der Produktionssektoren kommt gar nicht vor. Die Sektoren wären ein guter Anknüpfungspunkt zu Kapitel 10.1 Strukturwandel. Die Behandlung der Produktionsfaktoren hätten einen Beitrag zur Knappheit der Ressourcen und zu ökologischen Folgen der übermäßigen Nutzung dieser Ressourcen sein können.

4. Die Mitarbeiter im Unternehmen: Die Gestaltung der Arbeitsbeziehungen sind ausschließlich arbeitsrechtlich orientiert. In dieser Betrachtungsweise haben sie unmittelbar mit Wirtschaft nichts zu tun, es sei denn, es werden die betriebswirtschaftlichen Kosten der Mitbestimmung und die dadurch bedingte Arbeitszufriedenheit angesprochen, was teils im Rahmen des Standortvorteils thematisiert wird.
Es hätte sich gut gemacht, wenn nach 4.1 (Die Arbeitswelt im Wandel) das Kapitel 10.1 (Strukturwandel: Wohin entwickelt sich Wirtschaft und Arbeitswelt?) angekoppelt worden wäre.

5. Wirtschaftsordnungen: Das Kapitel ist zu umfangreich, gemessen an momentanen ordnungspolitischen Diskussionen. Das Kapitel 5.1 (Wie reagieren die Menschen auf Anreize?) ist zu akademisch, zu theoretisch.
Die Monopolisierung der sozialen Marktwirtschaft zuzuordnen ist sachlich falsch, weil dies eine Schwäche der freien Marktwirtschaft ist. Deshalb hätten die Quellen M6-8 in Kapitel 5.2.2 (Die freie Marktwirtschaft: Stärken und Schwächen) gehört. Dasselbe gilt für Kapitel 5.2.4 (Die Marktwirtschaft – frei oder gelenkt?).
Die Quelle M 14 (siehe S. 240) suggeriert, dass die Beiträge der Unternehmen von knapp 40% auf jetzt 32% gefallen sind. Als Beitrag sind die Abgaben im Rahmen der Sozialversicherung definiert. Wo wird thematisiert, dass sich die solidarische Finanzierung immer stärker zuungunsten der Versicherten verlagert hat? (Siehe Gesetzliche Krankenversicherung 7,3% Arbeitgeberanteil, 8,2 % Arbeitnehmeranteil)
Um die Entwicklung der Sozialleistungen differenziert zu beurteilen, hätte man ein Schaubild benötigt, das zeigt, wie sich die Anteile für Alter, Krankheit etc. entwickelt haben.

6. Den Wirtschaftskreislauf der Konjunktur zuzuordnen, ist verwegen, weil sich daraus keinerlei konjunkturelle Prozesse ableiten lassen. Den Wirtschaftskreislauf hätte ich nach den Kapiteln Nachfrager, Anbieter und Unternehmen eingeordnet. Der Punkt 6.3.2 (Das Bruttoinlandsprodukt) wäre besser beim Ziel 6.1.3 (Stetiges und angemessenes Wirtschaftswachstum) aufgehoben. Wie sollen die Schüler Wachstum beurteilen, wenn sie das BIP nicht kennen?

7./8./9. Wirtschaftspolitische Grundkonzeptionen/ Finanzpolitik/ die Geld- und Währungspolitik in der EU: Die Kapitel sind gut gelungen. Durch Quellen und Tabellen werden die Schüler an die Thematik gut herangeführt. Im Rahmen von 9.1.5 (Welche geldpolitische Strategie verfolgt die EZB?) hätte problematisiert werden können, warum die EZB alles zuteilt, mit der Folge, dass die umlaufende Geldmenge sich enorm vergrößert hat. Dies ist auch an der Bilanzsummenentwicklung der EZB abzulesen.

11. Internationale Beziehungen: Vielleicht wäre ist für die Schüler leichter, die Globalisierung und ihre Folgen für Gewinner und Verlierer zu beurteilen, wenn zunächst „Deutschland im globalen Wettbewerb“ vorangestellt wäre. Dabei hätte man nochmals einen Bezug zur deutschen Leistungsbilanz und zur Wechselkurssituation in Europa herstellen müssen. Die Kapitel 11.5 (Freier Welthandel oder Rückkehr des Protektionismus?) und 11.4. (Finanzkrisen) sollten Positionen tauschen, weil die Frage des Freihandels auch die Frage von Gewinnern und Verlierern beinhaltet.
Sehr lobenswert ist, dass der Autor das Kapitel 11.4 (Finanzkrisen) überhaupt aufgreift. Es gibt kaum Bücher, die dies thematisieren. Allerdings ist das Thema sehr schwer aufzubereiten, wenn man bedenkt, dass etliche Experten unterschiedliche Ursachen beschreiben und nur selten verständliche, für Schüler nachvollziehbare Lösungen formulieren. Gerade dieses Kapitel stellt auch das Versagen der volkswirtschaftlichen Theorie dar, weil sie keine Lösungsangebote theoretisch fundiert formuliert. Nur wenige haben die Krise vorhergesehen. Selbst fünf Jahre danach fällt eine Einordnung in die volkswirtschaftliche Theorie schwer. Ein Lösungsansatz könnte sein, dass Finanzregulierungen nötig sind, aber etliche Akteure der Finanzwelt daran kein Interesse haben.

Fazit
Das Buch hat etliche lobenswerte Ansätze. Bisweilen fehlt aber die kritische Distanz zu bestimmten Theorien, die teilweise von der Wirklichkeit längst überholt sind. Die Quellen, Tabellen und Schaubilder sind überwiegend gut ausgewählt, manche Quellen aber für die Schüler zu theoretisch bzw. anspruchsvoll. Gelungen ist auch, Methodenkompetenz zu vermitteln. Methodische Vielfalt ist jedoch bei der schriftlichen Abiturprüfung nur eingeschränkt überprüfbar.