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Geschichte, 5./6. Schuljahr, 7./8. Schuljahr, 9./10. Schuljahr, Gymnasium

Zeit für Geschichte 7

Zeit für Geschichte 7
Herausgegeben von Eckhardt, Hans-Wilhelm
Erschienen Braunschweig: Schroedel, 2009
Seitenanzahl 192
ISBN 978-3-507-36562-9
Geeignet für Niedersachsen
Rezensiert von Bergemann, Kirsten (Studentin), 7. Dezember 2011
Projekt Leibniz Universität Hannover, Sommersemester 2011

Rezension von Bergemann, Kirsten (Studentin)


Erste Orientierung
Das in dieser Rezension behandelte Lehrwerk trägt den Namen „Zeit für Geschichte“ und soll eben diese für die Jahrgangsstufe 7 (Gymnasien, Niedersachsen) schaffen. Passend zum Titel ist über die Verlagswebsite ein ‚Stoffverteiler’ für das Buch einsehbar, welcher den Buchinhalt, an das Kerncurriculum 2008 angepasst, auf die Zeit in den Schulstunden verteilt. Des Weiteren ist neben dem Schülerband ein Lehrerband mit weiteren Materialien erhältlich. Das Layout des Buches ist ansprechend gestaltet und von guter Druckqualität. Der Einband erscheint ausreichend stabil und belastbar. Bilder und Karten sind in der Menge tendenziell eher zu viel als zu wenig, jedoch in guter Qualität und Größe vorhanden. Der Aufbau der jeweiligen Seiten erscheint auf den ersten Blick sinnvoll und gut strukturiert.

Aufbau des Schulbuches
Das Buch ist auf 192 Seiten in insgesamt sieben Themenkapitel unterteilt. Hinzu kommen eine Einführung „Zur Arbeit mit diesem Buch“ und ein Anhang. Die einzelnen Themenkapitel unterscheiden sich je nach einzuplanendem Stundenaufwand auch in ihrem Seitenumfang. Jedes der Kapitel beginnt mit einer reichlich bebilderten Auftaktdoppelseite, die dann von einem Einstieg, welcher wiederum auf einer Doppelseite aufgebaut ist, gefolgt wird. Dieser Einstieg besteht aus einer ausgewogenen Mischung von Bildern, Texten und manchmal Karten, welche mit Hilfe von jeweils 2-3 Aufgaben den Einstieg in das Thema erleichtern sollen.
Die Kapitel sind des Weiteren in mehrere Unterkapitel gegliedert. Diese erstrecken sich zumeist über 1-2 Doppelseiten. In der jeweils ersten Hälfte eines Unterkapitels wird mit Hilfe von Autorentexten in die Themen eingeführt und in der zweiten Hälfte mit Hilfe von Quellen oder Materialen weiter vertieft. In der zweiten Hälfte finden sich auch die zum Unterkapitel passenden Aufgaben.
Weiterhin finden sich in einigen Kapiteln die Doppelseiten Schauplatz oder Werkstatt. In ersterem werden Schauplätze der Geschichte vorgestellt, an denen sich noch heute Überreste der damaligen Ereignisse finden lassen. In der Rubrik Werkstatt werden besondere Arbeitstechniken vorgestellt, Kompetenzen eingeübt und zu eigenen Projekten angeregt. Jedes Kapitel schließt mit einer Kompakt-Seite ab, auf welcher ein Autorentext das zuvor behandelte Thema zusammenfasst. Zusätzlich ist dort eine Zeitleiste zu finden und vereinzelt eine abschließende Aufgabe zum bearbeiteten Kapitel.

Didaktische Ansätze
Das vorliegende Lehrwerk richtet sich in seiner Ansprache direkt an die Schülerinnen und Schüler. Diese werden explizit in einem einleitenden Text zu Beginn des Buches Zur Arbeit mit diesem Buch angeleitet. Die Autoren stellen dar, was mit Hilfe dieses Buches gelernt werden kann, eher jedoch wie sich Schülerinnen und Schüler anhand der im Buch mitgegebenen Hilfestellungen ein Bild über die Geschichte machen können. Es werden die Funktionen der Auftakt-Seiten (die bildreichen Doppelseiten am Anfang eines jeden Kapitels) und die der Einstiegs-Seiten erläutert.
Des Weiteren wird darauf eingegangen, dass es sich bei den Texten, die dem Material- und Quellenteil in den Themenkapiteln voran gehen um Verfassertexte handelt, welche Informationen geben und Zusammenhänge aufzeigen sollen. Dieser Teil wird streng von dem so genannten Materialienteil abgetrennt und in Textquellen (mit Q gekennzeichnet) und Texte von Historikern (mit M gekennzeichnet) unterteilt.
Weiterhin wird aufgezeigt, mit welchen weiteren Materialien die Schülerinnen und Schüler arbeiten werden (z.B. Abbildungen, Karten, Schaubilder) und wo sie Hilfen für die Bearbeitung finden können. Abkürzungen in den Aufgabenkästen werden dargestellt und auf Kästen mit Arbeitstechniken zur Bearbeitung dieser Aufgaben hingewiesen. Bevor den Schülerinnen und Schülern viel Spaß bei der Arbeit mit diesem Buch gewünscht wird, werden die Funktionen und mögliche Herangehensweisen an die Werkstatt-, Schauplatz und Kompakt-Seiten erläutert und der Inhalt des Anhangs vorgestellt.

Autorentext
Die Autorentexte sind im Allgemeinen, was die Wortwahl und Satzkonstruktionen betrifft, dem Alter der Schülerinnen und Schüler angepasst und verständlich. Sie motivieren zum Teil durch Rückfragen an die Schülerinnen und Schüler, die so schon beim Lesen der Texte zum Nachdenken angeregt werden.
Es wird im Textverlauf durch einen Pfeil darauf hingewiesen, wenn ein Wort im Anhang näher erläutert wird. Dabei handelt es sich dann nicht nur um auf den ersten Blick erkennbare Fachwörter, sondern auch um solche, die erst bei weiterem Nachdenken einer genaueren Definition bedürfen.
Die Verfasser der Texte verzichten auf direkte Werturteile und lassen nur hin und wieder eine dezente Wertung einfließen, z.B. über die Lebensumstände im Mittelalter. Dabei muss jedoch beachtet werden, dass gerade der Gebrauch von lebendigen Beschreibungen einen Text für Schülerinnen und Schüler erst interessant macht und die Wertungen nicht gravierend sind. Allerdings wird nicht offensichtlich, dass es sich dabei um die jeweilige Meinung des Autors handelt.
In den Autorentexten wird, wenn angebracht, auch versucht, verschiedene Sichtweisen eines Ereignisses zu beleuchten. Dies geschieht oft durch eine relativierende Wortwahl.

Quellen und Materialien
Die Quellen und Materialien sind durch die üblichen Q und M Markierungen gekennzeichnet und werden schon im Einleitungstext eindeutig differenziert. Bei den Quellen handelt es sich demnach um Textquellen und bei den Materialien um von Historikern verfasste Texte. Abbildungen, Schaubilder usw. werden, wenn sie in Aufgaben bearbeitet werden sollen, auch als solche bezeichnet. Dadurch bleibt der anfangs formulierte Quellen- und Materialien-Begriff eindeutig und nachvollziehbar.
In den Autorentexten wird sehr selten direkt auf die Quellen und Materialien eingegangen. Eine Verbindung der beiden findet meist erst in den Aufgabenstellungen statt.
Schaubilder, Karten, Diagramme usw. liegen in ausreichender Form vor, wobei ihre Anzahl im Gegensatz zu anderen Schulbücher, glücklicherweise, beschränkter und durchdachter wirkt. Leider ist dies bei der beinahe ausufernden Verwendung von Bildquellen nicht gelungen, jedoch kann dem Buch dadurch ein gewisser Reiz für Schülerinnen und Schüler zugesprochen werden, da es „immer was zu gucken“ zum jeweiligen Thema gibt. Die Bildlegenden geben die wichtigsten Hintergrundinformationen wieder. 
Die Auswahl der schriftlichen Quellen ist oftmals ein wenig karg, zu manchen Themen werden nur ein bis zwei Quellen angeboten und oftmals keine Materialien. Dieser Umstand lässt die behandelten Themen ein wenig einseitig erscheinen, was sich wahrscheinlich durch das eine oder andere Bild weniger und dafür einen oder zwei Texte mehr hätte ausgleichen lassen können. Die Auswahl und Länge der Texte an sich sind jedoch angemessen.

Methodenkonzept und neue Medien

Methoden werden im Verlauf der Kapitel  gezielt in Arbeitstechnik-Kästen eingeführt. Diese Kästen sind schon im Inhaltsverzeichnis explizit ausgewiesen und können so auch auf Quellen und Materialien außerhalb desjenigen Kapitels angewendet werden, in welchem sie eingeführt werden. Das Repertoire ist für ein Buch für die 7. Klasse vollkommen ausreichend und bietet dennoch eine relativ große Vielfalt. Es werden Methoden zum kritischen Umgang mit Text- und Bildquellen erläutert, aber auch Methoden für bessere Gruppen- oder Projektarbeit vorgestellt.
Weiterhin kann auf ein fünfseitiges Lexikon, ein kurzes Autorenverzeichnis und vor allem auch ein eigenes Methodenglossar zurückgegriffen werden. In letzterem sind alle im Verlauf des Buches erwähnten Methoden noch einmal kompakt zusammengetragen und erläutert. Die Einbindung weiterer Medien, wie z.B. des Internets oder DVDs wurde auf eine der Werkstatt-Seiten beschränkt. In einem sinnvollen Zusammenhang dazu steht die Arbeitstechnik: Projektarbeit. Wünschenswert wäre eine Einheit zum Umgang mit diesen Medien gewesen.

Aufgabenstellungen
Die Aufgabenstellungen der einzelnen Kapitel sind klar verständlich und präzise formuliert. Es wird genau formuliert, was die Schülerinnen und Schüler zu tun haben. Dabei gibt es nicht nur Aufgaben, die ein Erläutern oder Beschreiben fordern, sondern auch welche, bei denen die Schülerinnen und Schüler in Partnerarbeit aktiv werden können, auf ihre eigene Lebenswelt Bezug nehmen sollen oder die Rolle einer historischen Figur einnehmen. Weiterhin wird versucht, möglichst alle Anforderungsbereiche zu berücksichtigen, wobei Aufgaben der Bereiche I und II am häufigsten vorkommen.
Die Aufgaben bauen selten aufeinander auf, stehen jedoch durch die eng gefassten Themenkomplexe in einem engen Zusammenhang. Auch wird in den Aufgaben direkt auf die Quellen, Materialien oder Verfassertexte hingewiesen, mit denen diese zu bearbeiten sind.
Wenn eine Frage zu komplex für die eigenständige Bearbeitung ist, wird eine direkte Anleitung zum selbstständigen Arbeiten gegeben. An diesen Stellen werden die Arbeitsschritte innerhalb einer Aufgabe geteilt, so dass sie nacheinander bearbeitet werden können.

Fachdidaktische Aspekte
Wie schon erwähnt, werden in diesem Lehrwerk die Schülerinnen und Schüler direkt angesprochen und zudem auch noch auf eine motivierende, persönliche Art. Es wird versucht, möglichst oft ihre Lebenswelten einzubinden und auch die Art der Aufgabenstellungen derart zu variieren, dass bei der Aufgabenbearbeitung Kontakt zu den Mitschülerinnen und Mitschülern gesucht werden muss. In den Kapiteln, in denen nur ein oder zwei Quellentexte zur Bearbeitung stehen, kommt leider das Prinzip der Multiperspektivität zu kurz, wird jedoch in denjenigen Kapiteln berücksichtigt, in welchen eine größere Quellenvielfalt herrscht. Jedoch wird auch in den Kapiteln mit wenigen Quellen versucht, durch die Verfassertexte eine gewisse Multiperspektivität einzubringen, indem darauf hingewiesen wird, dass es Gruppen gab, welche einen gewissen Umstand möglicherweise anders sahen. Auch die Bildquellen spiegeln in den meisten Kapiteln das Prinzip der Multiperspektivität wieder.
Es wird, wie schon erwähnt, leider nur in einem Teil auf den Einsatz von Medien eingegangen und auch sonst kommt die Einbindung der außerschulischen Geschichtskultur, bis auf vereinzelte Ausnahmen, zu kurz. Allerdings bieten die Schauplatz-Seiten eine Anregung, um Geschichte auch außerhalb des Klassenzimmers erleben zu können.
Das Lehrwerk vermittelt im Grunde eine eurozentrische Sicht der Geschichte. Dies ist bei Themen über das Leben im Mittelalter noch verständlich, jedoch hätte, wenn z.B. die Eroberung des Aztekenreiches betrachtet wird, eine andere Perspektive mit eingebracht werden können.
Ein Pluspunkt ist, dass im Verlauf des Buches immer wieder dazu angeregt wird, auf verschiedenste Weisen an Probleme, die durch die Aufgabenstellungen in das Blickfeld rücken, heran zu treten. Auch die bereits vorgestellten Arbeitstechniken sprechen Kompetenzen an, welche auch außerhalb des Geschichtsunterrichts ihre Berechtigung finden und eingeübt werden sollten. Sehr oft werden die Schülerinnen und Schüler zum eigenständigen Arbeiten, sei es nun in Gruppen, zu zweit oder alleine, angeregt.

Fachwissenschaftliche Aspekte
Das Hauptaugenmerk des Lehrwerkes liegt eindeutig auf der Alltags-, Kultur-, und Gesellschaftsgeschichte. Dies sind die Felder der Geschichtswissenschaft, die hauptsächlich eine Bearbeitung der im Kerncurriculum vorgeschriebenen Bereiche ermöglichen. Jedoch wird in geringerem Umfang auch auf andere Bereiche wie z.B. Wirtschaftsgeschichte eingegangen.
Eine direkte Vermittlung von Geschichte als Prozess findet nicht aktiv statt, zum Beispiel durch konkrete Rückbezüge zu vorherigen Kapiteln, sondern eher eingebettet in den Aufbau des Buches. Aufgabe der Lehrkraft müsste es sein, dies den Schülerinnen und Schüler zu vermitteln. Dies sollte mit Hilfe des Buches allerdings kein Problem darstellen.

Fazit
Das Medium Schulbuch kann nicht alle didaktischen Aufgaben einer Lehrkraft übernehmen, sondern soll den Lernprozess begleiten. Es soll den Schülerinnen und Schülern (und  Lehrkräften) eine Hilfe sein, Themen altersgerecht und korrekt zu vermitteln. Diese Aufgaben erfüllt das hier vorgestellte Lehrwerk, mit minimalen Abstrichen, sehr gut. Es wird direkt auf die Schülerinnen und Schüler eingegangen, das Konzept ist ansprechend und bietet viele Hilfestellungen. In der Gesamtsicht ist „Zeit für Geschichte“ ein empfehlenswertes Buch für den Geschichtsunterricht an Gymnasien, Klasse 7.