Zurück zur Übersicht

Geschichte, 7./8. Schuljahr, Gymnasium

Forum Geschichte Bd. 2

Forum Geschichte Bd. 2
Herausgegeben von Hofmeier, Franz, Hans-Otto Regenhardt und Kai Buschmann
Erschienen Berlin: Cornelsen, 2005
Seitenanzahl 280
ISBN 978-3-464-64432-4
Geeignet für Bayern
Rezensiert von Dörfler, Corinna und Fabienne Freundorfer (Studierende), 28. Februar 2012
Projekt Universität Regensburg, Wintersemester 2011/12

Rezension von Dörfler, Corinna und Fabienne Freundorfer (Studierende)


1. Einleitung
„Das neuartige Konzept von ‚Forum Geschichte - Gymnasium Bayern Sekundarstufe I‘ setzt die Besonderheiten des Lehrplans schülergerecht in übersichtlichem Layout um, etwa mit (jahrgangsstufenbezogenen) exemplarischen Vertiefungen und mit Grundwissen.“ (Vgl. www.cornelsen.de/lehrkraefte/reihe/r-4251/ra-4364/konzept [aufgerufen am 22.2.11].
Damit wirbt der Cornelsen-Verlag für sein neues Lehrwerk der 7. Jahrgangsstufe im G8. Es ist zu prüfen, ob das Lehrwerk neben der Lehrplanangemessenheit auch ein „neuartiges Konzept“ vorlegen kann.

Layout und Gestaltung
Auf dem Buchcover befindet sich ein Bildauszug mittelalterlichen Stadttreibens. Zu sehen sind Menschen in langen Gewändern, Marktstände, Viehtreiber, Handwerker, etc. Obwohl die Farben eher dunkel gehalten sind und wie durch eine Linse nur ein Bildausschnitt hervorgehoben wird, bewirkt die Darstellung Assoziationen zum Mittelalter – dem ersten einleitenden Themenkomplex. Bei Schülerinnen und Schülern wird es wohl Motivation und Interesse hervorrufen, da es bei genauerem Betrachten vieles zu entdecken gibt. Die Qualität und Größe des Drucks sind hervorragend, was die Bildarbeit erleichtert und ergiebig macht. Eine Besonderheit an diesem Lehrwerk sind die farbig gestalteten Auftakt- und Schlussseiten. Sobald man das Buch aufschlägt, stößt man auf eine Übersicht, welche die wichtigsten Ereignisse des Zeitraums chronologisch darstellt und nach Ländern ordnet. Auf der hinteren Innenseite dagegen gibt es eine nach Herrscherhäusern geordnete Auflistung der mittelalterlichen Könige und Kaiser mit Lebens- und Regierungszeit.

Aufbau des Schulbuchs
Beim Kapitelaufbau des Buches lässt sich eine deutliche Anlehnung an den bayerischen Lehrplan feststellen. Ab dem dritten Kapitel entspricht die Kapitelüberschrift der im Lehrplan. Beispielsweise Kapitel 5 „Die Zeit des Absolutismus“ stimmt mit der Themeneinheit „G 7.4 Die Zeit des Absolutismus“ im Lehrplan überein (vgl. www.isb-gym8-lehrplan.de/contentserv/3.1.neu/g8.de/index.php, aufgerufen am 22.2.11). Das Inhaltsverzeichnis weist keine unterteilende Nummerierung innerhalb der Kapitel auf. Die einzelnen Unterkapitel werden durch fettgedruckte Teilüberschriften gegliedert. Insgesamt sind die fünf Kapitel variabel aufgebaut und enthalten unterschiedlich viele Methodenbausteine oder auch vereinzelt Besonderheiten wie „Werkstatt“ oder „Blickpunkt“. Den Kapiteln ist gemein, dass sie durch eine Zusammenfassung abgeschlossen werden. Vertiefungsmöglichkeiten, die im Lehrplan vorgegeben sind, werden durch ein rotes Kreuz neben der jeweiligen Teilüberschrift gekennzeichnet. Das Inhaltsverzeichnis wirkt etwas unübersichtlich aufgrund der fehlenden Nummerierung, des ungewöhnlichen zweispaltigen Aufbaus und der eingeschobenen Bilder. Das Buch wird nach dem Inhaltsverzeichnis durch ein Vorwort zur Handhabung und eine inhaltliche Einführung zum Thema „Mittelalter“ eingeleitet. Jedes Kapitel wird durch eine blau hervorgehobene Auftaktdoppelseite eröffnet, auf der Bildquelle(n), ein kurzer Informationstext mit Leitfragen zum Kapitel und Arbeitsaufgaben zu finden sind.
Es folgen die Unterkapitel, die Verfassertext und mehrere Materialien beinhalten. Hierbei überwiegt der Anteil an Materialien, während die Darstellungstexte offenbar bewusst kurz gehalten sind. In manchen Einheiten sind spezielle Methodenseiten eingeschoben, die die Förderung von fachspezifischen Kompetenzen initiieren sollen. Im Anhang gibt es Möglichkeiten der nach Kapiteln gegliederten Wissensüberprüfung und ein Lexikon mit Erklärungen zu historischen Begriffen und Ereignissen. Zum Abschluss präsentiert das Lehrwerk eine Methodenübersicht und das Grundwissen der ersten beiden Bände.
 
Didaktische Ansätze
Bei der Einführung in die Handhabung des Buches werden die Schülerinnen und Schüler direkt angesprochen und zum selbstständigen Umgang mit dem Buch angeleitet, wodurch der Schülerbezug hergestellt ist. Insgesamt stellt das Buch vielfältige Arbeitsaufgaben bereit, die Schülerinnen und Schüler nicht nur kognitiv, sondern auch affektiv zu fördern. Vor allem das Kapitel „Werkstatt“ ermöglicht eine aktive Beteiligung der Schülerinnen und Schüler, unter anderem durch Rollenspiele. Somit ist ein handlungsorientierter Unterricht mit diesem Lehrwerk durchführbar. Auch wird oft ein Gegenwartsbezug hergestellt, was die didaktische Reflektiertheit des Konzepts unterstreicht. So sind vor allem in den ersten Kapiteln Bezüge des Mittelalters „ins Heute“ herzustellen und gezielte Problemstellungen regen das Transferdenken zur Gegenwart an. Wenn auch in diesem Bereich einige Fragestellungen hätten ergänzt werden können, liefert das Schulbuch doch einen Ansatz, um mit Schülerinnen und Schülern in dieser problemorientierten Herangehensweise zu arbeiten.

Autorentext
Insgesamt sind die Autorentexte gut verständlich und leicht fassbar gestaltet. Die Sätze sind nicht allzu lang und abstrakte Begriffe, wie beispielsweise der auf den ersten Blick simpel erscheinende „Staat“, werden im Lexikon erläutert und im Verfassertext mit einem Stern gekennzeichnet. Die Wortwahl der Texte ist insgesamt dem Niveau der Jahrgangsstufe angemessen.
 
Quellen und Materialien
Bei der Betrachtung der Materialien fällt auf, dass es keine Unterscheidung zwischen eigentlichen Quellen und Materialien gibt. Die gelb hervorgehobenen und durchgehend mit „M“ gekennzeichneten Materialien sind mit dem Autorentext nicht direkt verknüpft, sie dienen aber zur Untermauerung der zu vermittelnden Inhalte. Zur Beantwortung der Arbeitsaufgaben zu den Materialien muss oft der Darstellungstext herangezogen werden. Insgesamt zeigt das Lehrwerk eine einigermaßen abwechslungsreiche Quellenauswahl. Neben historischen Karten oder Abbildungen von Denkmälern gibt es einige zeitgenössische Schriftquellen, insgesamt dominieren aber leider Auszüge aus fachwissenschaftlichen Darstellungen. Das ermöglicht den Schülerinnen und Schülern wenig Alteritätserfahrung und vermittelt kaum Authentizität. Die Materialien erfüllen nicht nur den Zweck den Verfassertext zu illustrieren, sondern fordern die Schülerinnen und Schüler auf, sich mit Fakten auseinanderzusetzen. Durch die Arbeitsaufträge, die oft die Verknüpfung von Quellen und Darstellungen beinhalten, wird von den Lernenden gefordert, mehrere Perspektiven und Dimensionen bei der Beurteilung zu beachten.

Methodenkompetenz und neue Medien
In den fünf Kapiteln werden insgesamt elf Methoden präsentiert. Das Repertoire reicht dabei von grundlegenden Fertigkeiten wie „Symbole deuten“ bis hin zu spezielleren wie „Denkmälern deuten“ oder „Texte aus einem Jugendbuch erarbeiten“. Die Methodenseiten sind gut strukturiert: Auf eine kurze Einführung zum Untersuchungsobjekt folgen detaillierte Arbeitsschritte, welche die Analysemethode genau erklären. Im Anschluss daran finden sich Arbeitsaufträge und ein anschaulich erklärtes Beispiel für das Vorgehen. Bemerkenswert ist, dass bereits in der 7. Klasse den Schülerinnen und Schülern ein kritischer Umgang mit Quellen und Medien vermittelt werden soll. Die Einführung in die jeweilige Methode greift Möglichkeiten und Grenzen der Analyse auf und mahnt zur objektiven Auswertung.
 
Aufgabenstellungen
Die Aufgabenstellungen sind mit sehr abwechslungsreichen Operatoren eingeleitet. Sie erstrecken sich von „Beschreibe“ bis hin zu „Entscheide“ und „Versetze dich in die Lage“. Durch die graduelle Steigerung fordern sie die Lernenden auf, sich eigene Urteile zu bilden und diese gegebenenfalls durch Argumente zu stützen. Die Schülerinnen und Schüler werden zum selbstständigen Arbeiten angeleitet und es wird von ihnen verlangt, sich aktiv in den Unterricht einzubringen, beispielsweise durch eine Präsentation oder ein Rollenspiel.

Fachdidaktische Aspekte
Das Schulbuch entspricht insgesamt gängigen fachdidaktischen Prinzipien. Es fördert die historische Wahrnehmung durch multiperspektivische Darstellungen, indem beispielsweise die Sichtweisen verschiedener Betroffener aufgezeigt werden, so zum Beispiel durch unterschiedliche Zeitzeugenberichte. Das Lehrwerk beinhaltet viele Aufgaben mit Gegenwartsbezug. Die Schülerinnen und Schüler sollen beispielsweise Hochzeitsbilder aus dem Mittelalter mit aktuellen Fotos vergleichen oder sich über die Arbeit auf einem Bauernhof informieren und Parallelen zum Mittelalter ziehen. Auch dem Prinzip der Handlungsorientierung wird Rechnung getragen, denn die Lernenden setzen sich mit Geschichte nicht nur rein kognitiv auseinander, sondern dürfen im Unterricht Rollenspiele oder Reden inszenieren. Zudem werden außerschulische Lernorte als Erkundungsorte vorgeschlagen, wenn Schülerinnen und Schüler etwa gruppenweise die umliegenden Dörfer nach verschiedenen Aspekten untersuchen. Auch die Kreativität wird in vielen Arbeitsaufträgen angeregt, da die Lerngruppe zu vorliegenden Darstellungen künstlerisch tätig sein soll. Insgesamt ist das Lehrwerk nationalgeschichtlich orientiert, es öffnet sich aber hin zur vergleichenden europäischen Perspektive, zum Beispiel wenn das politische Verhältnis zwischen Polen und Deutschland anhand geschichtlicher Fakten nachvollzogen werden soll.
 
Fachwissenschaftliche Aspekte
Das Werk enthält viele mehrdimensionale Aspekte. Es werden – gerade im Bereich Mittelalter – viele Bereiche damaliger Zeit berücksichtigt: Neben den politischen werden auch gesellschaftliche, wirtschaftliche, kulturelle Gesichtspunkte behandelt. In den Materialien werden der aktuelle Forschungsstand und fachwissenschaftliche Ergebnisse präsentiert. Insgesamt dominiert die chronologische Betrachtungsweise mit einzelnen Querschnitten, wohingegen langfristige Veränderungen als Prozess (z. B. durch historische Längsschnitte) weniger oder gar nicht berücksichtigt werden.

Fazit
Insgesamt sehen wir in „Forum Geschichte 2“ ein sehr gelungenes Lehrwerk. Layout und Aufbau sind ansprechend gestaltet und trotz einiger kleiner Mängel kann das Buch hier durch genaue Anleitung der Schülerinnen und Schüler, Abwechslung und Anschaulichkeit überzeugen. Bemerkenswert ist die enge Anlehnung und Übernahme des bayerischen Lehrplans in das Konzept des Buches. Des Weiteren bieten die verschiedenen didaktischen Ansätze der Lehrkraft durchaus Möglichkeiten, einen abwechslungsreichen und interessanten Unterricht zu gestalten. Allerdings wäre eine Erhöhung der Quellenzahl im Materialteil wünschenswert. Der absolute Höhepunkt im Lehrwerk sind die Methodenseiten. Sie vermitteln gezielt und altersgemäß neue Kompetenzen, die auch mit Hilfe des Buches gut eingeübt werden können. Im Ganzen entspricht das Werk weitgehend fachdidaktischen und fachwissenschaftlichen Ansprüchen, die Schülerinnen und Schüler in dieser Jahrgangsstufe noch nicht überfordern, sondern altersgerecht fördern.

 


Lizenz: CC BY-ND 4.0 Lizenz „Namensnennung – Keine Bearbeitungen 4.0 International“ (CC BY-ND 4.0)


Info Zitation Dörfler, Corinna und Fabienne Freundorfer. Rezension zu: Forum Geschichte Bd. 2 von Hofmeier, Franz, Hans-Otto Regenhardt und Kai Buschmann (Hg.). Berlin: Cornelsen 2005, ISBN 978-3-464-64432-4, Edumeres 2012, https://edu-reviews.edumeres.net/rezensionen/rezension/doerfler-corinna-und-fabienne-freundorfer/, zuletzt geprüft am 27.10.2021.