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Geschichte, 5./6. Schuljahr, 7./8. Schuljahr, 9./10. Schuljahr, Gymnasium

Horizonte 2

Horizonte 2
Herausgegeben von Buck, Thomas Martin und Ulrich Baumgärtner
Erschienen Braunschweig: Westermann, 2008
Seitenanzahl 271
ISBN 978-3-14-111087-6
Geeignet für Niedersachsen
Rezensiert von Eckert, Nora (Studentin), 29. Dezember 2011
Projekt Leibniz Universität Hannover, Sommersemester 2011

Rezension von Eckert, Nora (Studentin)


Einleitung
Im Jahr 2008 hat der Westermann Verlag die Reihe „Horizonte“, für die Sekundarstufe I im Fach Geschichte an Niedersächsischen Gymnasien, neu heraus gebracht.
Das hier rezensierte Buch ist der zweite Schülerband von insgesamt drei Bänden, die jeweils zwei Schuljahre umfassen, insgesamt also die 5. bis 10. Klasse abdecken.
„Horizonte“ ist nach Aussagen des Westermann Verlages genauestens auf das 2008 erschienene Niedersächsische Kerncurriculum abgestimmt und soll „den kritischen Umgang mit Geschichte fördern und Impulse für einen problemorientierten, multiperspektivischen und modernen Geschichtsunterricht“ (http://www.westermann.de/suche/reihenansicht.xtp?id=111086&allText=1) geben.
In dieser Rezension soll speziell das Kapitel „Absolutismus und Aufklärung“ näher untersucht werden. Es sollen aber auch das Gesamtkonzept, der formale Aufbau und die Struktur des Buches, die Materialien und Aufgaben sowie ganz besonders die fachdidaktischen Prinzipien betrachtet werden. Denn es sind in erster Linie die Schülerinnen und Schüler, denen ein neuer Stoff in der besten Art und Weise vermittelt werden soll.

Aufbau und Konzept
„Horizonte II“ ist für eine 7. und 8. Klasse am Gymnasium konzipiert.
Es umfasst den Zeitraum von den Anfängen des Mittelalters bis zur Industrialisierung im 19. Jahrhundert.
Jedes Kapitel beginnt mit einer ansprechend illustrierten Doppelseite, die einen sinnvollen Einstieg für den/die Schüler/in in das neue Thema bietet. Am oberen Rand jeder Seite des gesamten Buches befindet sich zudem ein Zeitstrahl, um dem Lernenden eine Orientierung in der jeweiligen zeitlichen Periode zu ermöglichen.
Am Ende jeden Kapitels gibt es wieder eine farblich hervorgehobene Doppelseite, auf der eine Zusammenfassung sowie eine erneute Auflistung aller wichtigen Begriffe und Daten angeboten werden.
Der reine Autorentext erstreckt sich jeweils nur über ca. zwei Drittel der Seite – auf dem übrig gebliebenen Rand ist Platz für Materialien, Anmerkungen, Begriffserklärungen und Bilder.
Dieser Platz wird größtenteils nicht voll ausgenutzt – dies hat einerseits den Vorteil einer besseren Übersichtlichkeit, so dass man nicht von einer Fülle an Materialien auf einer Doppelseite „erschlagen“ wird – andererseits wird somit aber auch sehr viel Platz im Buch überhaupt nicht genutzt und bleibt einfach frei.
Der Quellen-, Materialien- und Aufgabenteil, der sich an die Seiten mit Autorentext anschließt, füllt die Seiten besser aus, da hier nicht ein Drittel Rand an jeder Seite frei gelassen wird.
Eine Besonderheit des Buches sind die farblich hervorgehobenen Vertiefungsseiten. Hier wird ein spezielles Thema noch einmal gesondert erklärt, wie z.B. „Medizin im 19. Jahrhundert“ im Rahmen des Kapitels „Industrialisierung und Soziale Frage“.
Da man im Rahmen eines Schulbuches den Stoff oft sehr komprimieren muss, bieten diese Seiten für die Schülerinnen und Schüler eine Möglichkeit, zumindest zu bestimmten Themen einen vertieften Einblick zu erhalten.
Als sehr hilfreich stellen sich auch die blau hervorgehobenen, sich über das gesamte Buch verteilenden Methoden-Doppelseiten dar. Hier erfahren die Lernenden z.B. etwas über den richtigen Umgang mit einem Schulbuchtext oder mit Statistiken und Diagrammen. Damit werden wichtige Arbeitstechniken eingeführt, die für die Anforderungen in der Oberstufe von großer Bedeutung sein werden.
Gut gelungen ist auch die zusammenfassende Doppelseite am Ende jeden Kapitels, auf der neben einem resümierenden Text wichtige Daten aufgeführt werden. Seit längerer Zeit wird in der Geschichtsdidaktik zwar das stupide Auswendiglernen von Daten nahezu komplett umgangen, jedoch sind einige entscheidende Daten unumgänglich, um den Schülerinnen und Schülern zumindest eine grobe Orientierung in der jeweiligen Zeit zu geben – vor allem weil sehr große Zeiträume in diesem Geschichtsbuch thematisiert werden.

Didaktisches Konzept
Mit das wichtigste an einem Schulbuch ist die fachdidaktische Aufbereitung, denn hier entscheidet sich, ob das Buch den Schülerinnen und Schülern hinsichtlich seiner Autorentexte und Aufgabenstellungen gerecht wird.
Die Autorentexte des Buches sind klar und deutlich und in einer der Altersstufe angemessenen Sprache verfasst. Fachausdrücke werden verständlich erklärt („Der Begriff Absolutismus leitet sich von der Formel „Rex legibus absolutus“ ab. Sie bedeutet, dass der Monarch von den menschlichen Gesetzen (leges) „losgelöst“ und nur an göttliche Rechte gebunden ist.“ S. 124). An einigen Stellen wird problematisiert, was sehr wichtig ist, um die Schülerinnen und Schüler für einen kritischen Umgang mit Geschichte und ihrer Rekonstruktion durch die Wissenschaft zu sensibilisieren („Betrachtet man jedoch die starken Widerstände in Teilen des Adels und des Bügertums, dann muss der Ausdruck „absolutistischer Staat“ mit Vorsicht benutzt werden.“ S. 124).
In den Aufgabenstellungen wird mit den gängigen Operatoren wie beschreibe, erläutere und vergleiche gearbeitet. Die Anforderungsbereiche I und II werden damit gut abgedeckt – ein paar mehr Aufgabenstellungen aus dem Anforderungsbereich III, wie persönliche Stellungnahmen, wären wünschenswert, natürlich nur an einigen, für die 7./8. Klasse angemessenen, Stellen.
Die Aufgaben sind verständlich formuliert – an einigen Stellen wird ein Gegenwartsbezug gefordert („Überlege, welche Folgen das Fehlen von Spinnmaschinen auf unser Leben heute hätte.“ S. 225).
Lediglich einige wenige Aufgaben sind etwas zu schwierig formuliert („Fasse die wesentlichen Aussagen der Quellen thesenartig zusammen.“ S. 86). Der Begriff „thesenartig“ könnte eine/n Siebtklässler/in vielleicht überfordern.
Viele Aufgaben gehen auch über das Material im Schulbuch hinaus und beziehen das Internet mit ein („Informiere dich, seit wann der 14. Juli 1789 Nationalfeitertag ist und ob es noch Spuren der Bastille im heutigen Paris gibt.“ S. 157).
Alles in allem bilden die Aufgaben eine gute Grundlage – sowohl für die Schülerinnen und Schüler als auch für die Lehrkraft – auf die man den Unterricht aufbauen kann.

Fachwissenschaftliche Aufbereitung
Eine der schwierigsten Aufgaben bei der Erstellung eines Schulbuches ist wohl die „Vereinfachung“ von Fachwissen auf ein für die Schülerinnen und Schüler verständliches Niveau und die Darstellung auf eine sehr komprimierte Weise auf wenigen Seiten.
Dennoch ist die fachliche Korrektheit unabdingbar. Daneben muss ein Schulbuch immer auf dem fachwissenschaftlich aktuellen Stand sein.
Die meisten Materialien wie Bilder, Karten und Quellen in „Horizonte II“, sind zeitgenössisch. An einigen Stellen werden aber auch aktuelle Veröffentlichungen von Historikern unserer Zeit aufgegriffen wie z.B. ein Auszug aus „Kleine Geschichte des Kolonialismus“ von Wolfgang Reinhard aus dem Jahr 1996. (S. 95). Die Verwendung von aktuellen Forschungsergebnissen fördert die Multiperspektivität und ist notwendig, um den Schülerinnen und Schülern zumindest einen kleinen Einblick in aktuelle Forschungsstände zu geben.
Obwohl sich das Thema „Absolutismus“ lediglich auf drei Schulbuchseiten erstreckt, sind doch alle für das Verständnis wichtigen Aspekte, wie Ludwig XIV., Merkantillismus, Versailles, die Hugenotten und sogar die Kriege Ludwigs XIV., vorhanden. Natürlich ist das Fachwissen auf drei Seiten sehr stark komprimiert und gibt eher einen groben Überblick. Durch die anschließenden Quellen (schriftliche und bildliche) kann der Horizont der Schülerinnen und Schüler jedoch noch etwas erweitert werden.

Zusammenfassung
Ein gutes Schulbuch zu erstellen ist wahrlich keine leichte Aufgabe: Die Anforderungen sind groß, die Vielfalt an Kritikern ebenfalls: Da sind auf der einen Seite die Lehrkräfte, die eine Hilfe für ihren Unterricht erwarten und auf der anderen Seite die Schülerinnen und Schüler, denen man eine angemessene, fachlich einwandfreie und nicht zuletzt auch „unterhaltsame“ Lerngrundlage bereiten möchte.
Zusammenfassend kann man sagen, dass das hier untersuchte Schulbuch „Horizonte II“ allen Kriterien, die man für ein gutes Schulbuch aufstellen kann, gerecht wird.
Aufbau und Konzept sind sehr durchdacht und strukturiert. Es gibt eine Fülle von gut ausgewählten, ansprechenden Bildern, Karten und Tabellen, die die Autorentexte ergänzen.
Zudem gibt es neben einer großen Anzahl zeitgenössischer Quellen auch Texte von Historikern unserer Zeit.
Die Autorentexte sind manchmal etwas stark komprimiert, enthalten aber alle wichtigen Informationen und sind fachlich korrekt. Die Aufgabenstellungen sind – bis auf wenige Ausnahmen – vielfältig und hilfreich für Lehrer und Schülerinnen und Schüler.
Vor allem durch seine Multiperspektivität, fachliche Korrektheit und seinen strukturierten Aufbau erfüllt „Horizonte II“ die wichtigsten Kriterien für ein gutes Schulbuch und wird sowohl Lehrern als auch Lernenden eine Hilfe sein.