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Sozialkunde / Politik, Oberstufe, Gymnasium, Gesamtschule

Buchners Kompendium Politik – neue Ausgabe

Buchners Kompendium Politik – neue Ausgabe
Herausgegeben von Bauer, Max et al.
Erschienen Bamberg: C. C. Buchner, 2013
Seitenanzahl 544
ISBN 978-3-661-72000-5
Geeignet für Berlin, Schleswig-Holstein, Sachsen-Anhalt, Saarland, Niedersachsen, Hamburg, Bremen, Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Thüringen
Rezensiert von Hartung, Tim (Wissenschaftler), 6. Dezember 2013

Rezension von Hartung, Tim (Wissenschaftler)


Einleitung
„Buchners Kompendium Politik“ ist ein Unterrichtswerk, das das gesamte abiturrelevante Themenspektrum enthält. Es soll Lehrer/innen als Leitmedium für die Unterrichtsgestaltung dienen und auch von den Lernenden selbstständig nutzbar sein. Dem Buch liegt eine CD-ROM mit ergänzenden Materialien bei. So soll eine multimediale Gestaltung des Politikunterrichts gewährleistet werden. Das Lehrwerk soll weiterhin auch als Arbeitsbuch und als Nachschlagewerk nutzbar sein.

Gestaltung
Bei der bildlichen Darstellung der Themen setzt Buchners Kompendium auf sachliche Schlichtheit. Die Autoren- und Quellentexte werden durch Diagramme und Modelle ergänzt. Fotos werden sehr sparsam eingesetzt. Sie spielen in größerer Anzahl nur auf den Kapiteleinführungsseiten eine Rolle, werden hier aber sehr sinnvoll und pointiert eingesetzt und sind passend und selbsterklärend ausgewählt. Die Titelseite enthält Bilder mit künstlerischen Auseinandersetzungen zu den Themen des Bandes. Diese Bilder sind alle im gleichen Stil gehalten und finden sich in den Kapiteln am Seitenrand als verbindendes Element wieder. Die Inhaltsseiten enthalten im Schnitt zu mehr als drei Vierteln Text und nur wenige Abbildungen, bei denen es sich in fast ausschließlich um Grafiken und Tabellen handelt. Insgesamt erscheint die Darstellung sehr nüchtern und sachlich und damit für die Oberstufe durchaus angemessen.

Aufbau
Das Lehrwerk besteht aus sechs Kapiteln. Die ersten drei Kapitel befassen sich mit eher theoretischen Einführungen zu den Themenfeldern Gesellschaft, Wirtschaftspolitik und politische Theorie. Die anderen drei Kapitel widmen sich den Ebenen der Politikgestaltung Deutschland, Europäische Union und Internationale Politik. Die Kapitel umfassen mehrere Unterkapitel, die wiederum in Abschnitte gegliedert sind. Jedes Unterkapitel beginnt mit einer Einleitungsdoppelseite mit Bildern, Einstiegsfragen und Informationen über die im Kapitel vermittelten Kompetenzen.
Die einzelnen Abschnitte beginnen mit Leitfragen. Leider enthält keine der drei Ebenen Zusammenfassungen, die Unterkapitel und Abschnitte und Unterkapitel hören einfach auf und das nächste beginnt.
Insgesamt sind die Metainformationen sehr sparsam. Nach einer sehr kurzen Einleitungsseite beginnt bereits das erste Kapitel. Auch innerhalb der Kapitel wird der Leser wenig an die Hand genommen. Die Anfangs aufgeworfenen Leitfragen werden nicht beantwortet oder wieder aufgegriffen. Auch auf übergeordneten Ebenen wird keine Gliederung des (Unter-)Kapitels in Form von Themenbäumen oder Einleitungstexten vorgenommen.
Die Abschnitte als informationstragende Einheit sind nach gleichbleibendem Muster aufgebaut. Auf einen Autorentext, der zum Teil mit Grafiken und Bildern ergänzt wird, folgen ein bis drei Quellentexte. Im Anschluss an die Quellentexte werden Fragen gestellt, deren Bearbeitung sich immer auf die Texte im Buch oder auf der CD-ROM bezieht. Zum Teil folgen bereits auf den Autorentext erste Aufgaben.

Materialien
An einigen Stellen im Buch wird die textbasierte Arbeit durch Methodenseiten aufgelockert. Hier werden wissenschaftliche Methoden der Politikwissenschaft oder der Sozialforschung geschult.. Die Seiten sind sehr ausführlich und gestaltet und ermöglichen den Oberstufenschülern eine Annäherung an universitäres Arbeiten. Leider werden den Schülern die Funktionen und die Zielsetzungen der Methodenseiten nicht erläutert, so dass sie nur schwer in den Kontext der Kapitel eingeordnet werden können. Insgesamt sind die Methoden abwechslungsreich gewählt. Es gibt unter anderem ein Planspiel und ein Ultimatumspiel. Insgesamt könnte man das Element der Methodenseiten noch stärker betonen und häufiger einsetzen.
Weitere Materialien befinden sich auf der beiliegenden CD-ROM. Auf ihr befinden sich weitere Quellentexte, auf die an einigen Stellen auch in den Aufgaben im Lehrbuch verwiesen wird. Zum Teil schließen sich auch auf der CD-ROM Aufgabenstellungen an die Texte an. Das Potenzial eines digitalen Mediums wird allerdings nicht in vollem Umfang ausgeschöpft. Es sind keine Video- oder Audiodaten enthalten. Daher handelt es sich eher um ein „Begleitheft“ im Pdf-Format.

Texte
Dieser und der nächste Abschnitt „Aufgabenstellungen“ wird exemplarisch anhand des Kapitels 2.7 „Ökonomie und Ökologie“ diskutiert.
Der erste Text des Kapitels befasst sich mit dem Verhältnis von Ökonomie und Umwelt. Das Thema wird mit Bezug zum „Club of Rome“ und den „Grenzen des Wachstums“ eingeführt. Im Verlauf des Autorentexts finden sich eine Abbildung zu globalen Trends des Ressourcenverbrauchs, ein Infokasten mit Kurzinfos zum „Club of Rome“ sowie eine recht komplizierte Grafik zu Durchflussmengen von Brennstoffen und Ressourcen im globalen Ökosystem und dem wirtschaftlichen Teilsystem. Letztere ist einem Nachfolgebericht der Verfasser des ersten Berichtes des „Club of Rome“ von 1992 entnommen, wird aber im Fließtext nicht erläutert oder in den Kontext gesetzt. Außerdem ist die Grafik die Grundlage für die erste Aufgabe des Unterkapitels.
Im Anschluss an den Autorentext folgen die Quellentexte. Der erste der beiden Materialtexte ist direkt dem Bericht „Grenzen des Wachstums“ von 1972 entnommen. Der zweite ist ein Zeitungsartikel von 2012, der sich mit einer Nachfolgestudie des „Club of Rome“ von 2012 beschäftigt. Er schließt mit dem Satz „Ein anderer [Ratschlag]: Konzentrieren sie sich darauf, Ihr Wohlbefinden zu steigern, nicht ihr Einkommen“. Da sich das folgende Kapitel mit dem Thema „Kritik am wirtschaftlichen Wachstum als Wohlstandsindikator“ beschäftigt, handelt es sich um eine sehr gelungene Überleitung.
Die Texte der verschiedenen Unterunterkapitel stehen insgesamt in einem sehr engen thematischen Zusammenhang zueinander und bilden ein schlüssiges Ganzes. Einzig der Teil 7.7 „Konzepte und Aufgaben der Umweltpolitik“ verlässt die wirtschaftliche Betrachtungsweise zugunsten eines politikwissenschaftlichen Vorgehens. Allerdings ist auch hier der Übergang vom letzten Materialtext  („Die Internalisierung externer Effekte“) des vorherigen Unterunterkapitels wieder sehr schlüssig.
Der letzte Teil des Unterkapitels befasst sich mit der Energiewende in Deutschland und greift damit ein sehr aktuelles Thema auf. Positiv ist, dass im Autorentext und dem ersten Quellentext mehrere Positionen Berücksichtigung finden. Problematisch könnte hier der letzte Materialtext M2 sein (S. 249f.). Hier bekommt Siemens-Chef Peter Löscher in einem Zeit-Online-Artikel die Gelegenheit, Siemens als großen Gewinner der Energiewende darzustellen. Da der Text ein wenig den Charakter einer Werbeanzeige trägt, ist er für den Politikunterricht eher ungeeignet.
Insgesamt diskutiert das Unterkapitel relevante Themen anhand aktueller und fachwissenschaftlich korrekter Inhalte. Die Autorentexte sind kurz und pointiert gehalten und Erläutern wichtige Begriffe und Konzepte in zusätzlichen Kästen. Die Auswahl der Materialien hätte etwas abwechslungsreicher (nicht nur Zeitungsartikel) erfolgen können.

Aufgabenstellungen
Die Aufgaben verwenden alle geeignete und vielfältige Operatoren. Es werden alle drei Anforderungsbereiche angesprochen. Indem zum Beispiel eine Überprüfung von Nachhaltigkeitsstrategien anhand den SchülerInnen bekannter Projekte gefordert wird, findet auch ein Transfer in die Lebenswelt statt (S. 225). Außerdem müssen zum Lösen einiger Aufgaben auch Quellen benutzt werden, die eigenständig recherchiert werden sollen (S. 216; 219). Leider kommt es kaum zum Einsatz verschiedener Sozialformen. Außerhalb der Methodenseiten sind alle Aufgaben in Einzelarbeit zu lösen. Ein ärgerliches Detail ist, dass die Operatorenliste am Ende des Buches (S. 543) nicht alle der in den Aufgabenstellungen verwendeten Operatoren enthält.

Didaktisches Konzept
Hauptanliegen des Buches ist es „das gesamte abiturrelevante Politikwissen“ (S. 3) in einem Band zu vermitteln. Damit wird versucht auf die Anforderungen des G8 einzugehen und den SchülerInnen eine komprimierte Abiturvorbereitung zu ermöglichen. Die Autorentexte sollen in erster Linie Fachwissen vermitteln. Der zweite mit Quellentexten gestaltete Teil der Unterunterkapitel dient dann der Vermittlung von „fachspezifischen Analyse-, Handlungs- und Urteilskompetenzen“ (ebd.). Weiterhin soll das Buch auch als Leitmedium für Lehrpersonen und als Nachschlagewerk für Lernende dienen.
Die Nutzung als Leitmedium für die Unterrichtsgestaltung ist durchaus vorstellbar. Im November 2013 sind die behandelten Themen sehr aktuell und decken auch wichtige politische Debatten der Jetztzeit ab. Dass ein Buch aktuellen Entwicklungen immer ein wenig hinterherhinkt, ist leider nicht zu verhindern und zum Teil auch bereits in Buchners Kompendium der Fall (zum Beispiel auf Seite 213 beim Thema Enquetekommission „Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität“). Daher wird eine Lehrkraft im Fach Politik sich wohl nie völlig auf ein Schulbuch verlassen können, sondern immer aktuellere Quellen einbeziehen müssen. Ansonsten bietet das Lehrwerk die Möglichkeit den Unterricht so aktuell wie möglich und mit Einsatz der Methodenseiten auch abwechslungsreich zu gestalten. Leider sind nur acht dieser Seiten vorhanden, was für einen aktivierenden Unterricht eventuell zu wenig für die beiden Oberstufenjahre ist. Der Einsatz verschiedener Sozialformen muss noch von der Lehrkraft ausgebaut werden, da die Aufgaben im Buch ausschließlich Einzelarbeit fordern.
Am Ende des Buches stehen lediglich ein Sachregister und eine unvollständige Operatorenliste. Ein Glossar fehlt, was dem in der Einleitung formulierten Anspruch als Nachschlagewerk nutzbar zu sein, zuwiderläuft. Somit ist die eigenständige Abiturvorbereitung durch die Schüler leider ein wenig erschwert, auch wenn das Buch durch seine Vollständigkeit und die sachliche, komprimierte Darstellung prinzipiell gut dazu geeignet zu sein scheint.

Fazit
Buchners Kompendium Politik ist insgesamt ein sehr sachliches, stark komprimiertes Lehrwerk. Oberster Vorsatz ist es eine zielgerichtete Abiturvorbereitung unter den Bedingungen von G8 zu ermöglichen. Diesem Anspruch wird das Buch prinzipiell gerecht, auch wenn eine Einführung in das Vorgehen zur Benutzung des Buches und ein Glossar die Arbeit für die Abiturient/innen ohne viel Aufwand für die Autoren sehr erleichtern würde.
Auch die Funktion als Leitmedium ist generell realisierbar. Allerdings sollte sich die Lehrkraft zugunsten der Methodenvielfalt nicht ausschließlich auf die Aufgabenstellungen des Buches verlassen. Insgesamt ist das Buch nicht sehr abwechslungsreich in der Wahl der Darstellungen und Methoden. Bei der Bewertung dieser Tatsache muss man sich fragen, ob eine aktivierende Gestaltung des Unterrichts unter Rücksichtnahme auf Schülerinteressen und Diskussionsbedarfen für eine rein effizienzorientierte, outputbezogene (Abitur) Darstellung geopfert werden sollte. Den Anspruch alle abiturrelevanten Themen zu beinhalten erfüllt das Buch ohne Zweifel.

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