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Geschichte, 7./8. Schuljahr, Realschule

Geschichte erleben 3

Geschichte erleben 3
Herausgegeben von Brückner, Dieter und Hannelore Lachner
Erschienen Bamberg: C. C. Buchner, 2002
Seitenanzahl 184
ISBN 978-3-7661-4623-6
Geeignet für Bayern
Rezensiert von Kruse, Claudia und Nina Schmoldt (Studierende), 1. Juni 2009
Reihe Geschichte erleben
Projekt Christian-Albrechts-Universität Kiel, Wintersemester 2008/09

Rezension von Kruse, Claudia und Nina Schmoldt (Studierende)


Einleitung
„Die Hofgesellschaft war wie vom Donner gerührt. Nie hätte man erwartet, das hören zu müssen. War das der König, wie man ihn seit Jahren kannte? War er nicht immer wie Wachs in den Händen seines Ersten Ministers, des Kardinals Mazarin, gewesen?“
Alle vier Kapitel des Lehrbuches werden durch so eine fiktive Erzählung, die die Schülerinnen und Schüler in die jeweilige Zeit entführen soll, auf einer Auftaktdoppelseite eröffnet. Der Titel des Lehrbuches „Geschichte Erleben“ verspricht also nicht zu wenig.

Auf rund 184 Seiten wird den Schülerinnen und Schülern für die 8. Klasse der Realschule der Zugang vom Absolutismus bis hin zur Revolution von 1848 ermöglicht. Der korrekte Lehrplanbezug ist dadurch gesichert, dass alle Themen, die nach dem Lehrplan des Landes Bayern unterrichtet werden sollen, aufgegriffen werden. „Geschichte erleben 3“ ist einer von insgesamt fünf Bänden, die die Schülerinnen und Schüler von der 5. Klasse bis zur 10. Klasse der Realschule begleiten können. Zu diesem und auch zu den anderen vier Bänden können auch Lehrerinnen- und Lehrermaterialien erworben werden, die uns bei dieser Rezension aber nicht vorlagen. Laut der Beschreibung des Verlages enthalten sie Tafelbilder und Arbeitsblätter mit Lösungen, die die neuen Ansprüche des Lehrplanes berücksichtigen. Ebenso sind Bildinformationen und –interpretationen zu den im Schulbuch gezeigten Werken und alle Antworten auf die im Lehrbuch gestellten Arbeitsaufträgen in diesen Materialien zu finden.
Schon der Einband verspricht den Schülerinnen und Schülern die technische Innovation der damaligen Zeit anhand einer Dampfmaschine näher zu bringen. So einfach der Einband somit gehalten wurde, verspricht er dennoch nicht zu wenig. Die Leserin/der Leser wird auch auf den nächsten Seiten nicht enttäuscht. Beim ersten Umblättern erkennt man auf den ersten Blick ein gut gestaltetes Layout mit einem ausgewogenen Anteil von Autorentext und Illustrationen. Auch die Qualität des Drucks und der Bilder überzeugt. Die Überschriften der Texte sind knapp aber präzise. Auf der sehr gut gelungenen „Methodenseite“, die sich direkt an den Einband anschließt, wird den Schülerinnen und Schülern, einfach und verständlich, genau erklärt, was sie bei den Aufgabenstellungen mit  Operatoren wie „erläutere“, „informiere“, „vergleiche“, „begründe“ zu tun haben. Die Arbeitsaufträge sowie der Umgang mit Textquellen, Karten, Kunstwerken und der Umgang mit Fachliteratur werden hier klar und deutlich erklärt. Auf dem hinteren Einband befindet sich noch eine Methodenseite, auf der der Umgang mit Diagrammen erklärt wird. Das Buch entspricht der letzten Rechtschreibreform von 2006.

Aufbau des Werkes
Ein Vorwort der Autorinnen und Autoren über die Ziele des Buches fehlt. Dennoch wird durch eine Ansprache versucht, den Schülerinnen und Schülern die Anwendung dieses Buches zu erklären und in Erinnerung zu rufen, was sie im vergangenen Jahr an Inhalten und Methodik gelernt haben sollten. Sofern die Schülerinnen und Schüler den Einleitungstext lesen, ist es ein guter Einstieg in den Geschichtsunterricht und in den Umgang mit dem Schulbuch im Geschichtsunterricht in Partner- oder Einzelarbeit.
Das Inhaltsverzeichnis ist sehr gut gegliedert und aufgebaut. Durch die Auftaktdoppelseite können die einzelnen Themengebiete klar voneinander unterschieden werden. Außer der Methodenseite gleich zu Anfang befinden sich im Buch selbst keine Erklärungen mehr, wie die Schülerinnen und Schüler mit den Aufgaben umgehen sollen. Am Ende jeden Kapitels findet sich eine Seite mit „Was ist wichtig“, auf der die Jahreszahlen und Begriffe des Kapitels nochmals erläutert werden, was den Schülerinnen und Schüler eine gute Hilfe bei der Wiederholung des Unterrichtsstoffes sein kann. Die Kapitel halten sich bezüglich Inhalten und Gewichtung an den Lehrplan: Im 1. Kapitel „Europa und frühneuzeitliche Staatenbildung“ wurden ca. 10 Stunden (37 Seiten) angesetzt, für das 2. Kapitel „Barock und Aufklärung prägen Europa“ ca. 11 Stunden (25 Seiten), für das 3. Kapitel „Grundlagen der Moderne“ ca. 16 Stunden (51 Seiten), für das 5. Kapitel „Widerstreit zwischen Restauration und Emanzipation“ ca. 7 Stunden (30 Seiten) und für das letzte Kapitel „Wiederholen – vertiefen - verknüpfen“ ca. 12 Stunden (9 Seiten). Im letzten Kapitel wird dazu angeregt, den „Barock“ im Heimatraum zu erkunden. Wir können also erkennen, dass die Autorinnen und Autoren versucht haben sich stark an die Themen und Inhalte, die im Lehrplan festgeschrieben sind, zu halten und deren Anforderung zu erfüllen.
Rund zehn Seiten am Ende des Buches befassen sich mit „wichtigen“ Begriffen, „wichtigen“ Personen, einem Stichwortregister, einem Namensregister, Lesetipps, Abkürzungen und einem Bildnachweis.
Die in jedem Kapitel vorgestellten Projekte bieten Themen, die die Schülerinnen und Schüler nicht ausschließlich in der Schule, sondern auch allein zu Hause erarbeiten können.

Autorentext und Bildmaterial
Die Autorinnen und Autoren schreiben altersangemessen und verständlich, schwierige Wörter oder Fachbegriffe sind häufig sofort unterhalb einer Quelle erläutert oder sind unter „Wichtige Begriffe“ am Ende des Lehrwerks kurz erklärt. Mit gelb markierten Begriffen verdeutlichen die Autorinnen und Autoren, dass dies Begriffe sind, die ihrer Meinung nach zu den Grundkenntnissen gehören. Dennoch gibt es auch Begriffe, die direkt im Anschluss an die Quelle oder den Autorentext erklärt werden, wahrscheinlich um den Lesefluss nicht zu stark zu unterbrechen. Leider sind die Textquellen nur sehr schwer von den Autorentexten zu unterscheiden. Sofern es sich aber um eine Quelle handelt, ist die Angabe der Literatur direkt darunter zu finden.
Die Autorinnen und Autoren halten sich mit Werturteilen zurück und geben den Schülerinnen und Schülern in einigen Kapiteln die Möglichkeit verschieden Standpunkte in der Geschichte kennen zu lernen und sich somit eine eigene Meinung zu bilden. So haben sie im dritten Kapitel „Grundlagen der Moderne“ bei dem Thema „Die Sansculotten treiben die Revolution voran“ auf Seite 106, die Meinung Robespierres über Freiheit in Frankreich dargestellt und gleich darunter die Meinung Johann Casper Lavaters über die Freiheit nach Robespierre.  Dies ist ein Beispiel für die Multiperspektivität des Lehrbuches.
Zunächst erscheint die Vielzahl der Bildquellen als eine Art Platzfüller. Bei näherer Betrachtung sind die Bildquellen aber in den zu bearbeitenden Fragestellungen wieder zu finden. Die Schülerinnen und Schüler sollen bei den Gemälden den Inhalt und die Aussageabsicht des Künstlers erarbeiten. Bei Bauwerken sollen die Schülerinnen und Schüler sich Fragen stellen wie z.B.: Wer ließ das Gebäude/Bauwerk errichten und wann? Wer bezahlte es? Aber auch: Welche Interessen verfolgte der Auftraggeber?
Auffallend ist dennoch die Anzahl an Gemälden im Buch. Unter jedem Gemälde sind Angaben zum Entstehungszeitraum, die Namen der Künstler, die Machart (Kupferstich, Aquarell, Ölgemälde etc.) sowie einige Erläuterungen zu finden. Fehlende Angaben über die Originalgröße der Malereien mindern ein wenig den Wert der Angaben unter den meisten Quellen. Aber auch Schaubilder, Karikaturen, amtliche Urkunden und Abbildungen wie z.B. von einem Mikroskop aus dem 17. Jahrhundert oder einer der ersten Dampfmaschinen auf den Seiten des Buches runden den Einsatz von Bildmaterial ab.

Neue Medien
Als neues Medium wird das Internet eingeführt. Auf der Seite „Internet für Einsteiger“ wird den Schülerinnen und Schülern erklärt, was das Internet ist und was sie damit anfangen können. Leider ist die Aktualität der Internettipps schwer einzuschätzen, oft finden Änderungen im Internet statt, so dass der User sich weder darauf verlassen kann, dass Internetseiten langfristig abrufbar sind, noch dass sie gepflegt und aktualisiert werden. In diesem Werk werden die Einstelldaten der Links nicht angegeben. Von den dreizehn der angegeben Internettipps führten fünf nicht zum Ziel und zwei konnten erst durch intensive Internetrecherche gefunden wurden. Bei der Bearbeitung der Rechtschreibung im Jahre 2006 hätten die Autorinnen und Autoren die Internetipps ebenfalls überarbeiten müssen. Ein kleiner Verweis auf die dauernden Veränderungen im  Internet oder das Einstelldatum auf der Seite „Internet für Einsteiger“ wäre bereits hilfreich. Der Versuch die neuen Medien zu integrieren wird zwar 2002 in der ersten Auflage positiv aufgefallen sein, jetzt ist es allerdings eher als negativ zu bewerten.

Aufgabenstellung
Die Aufgaben sind verständlich gestellt und bauen inhaltlich sinnvoll aufeinander auf. Auf der schon erwähnten „Methodenseite“ zum Anfang des Buches wird den Schülerinnen und Schülern erklärt, wie sie die verschiedenen Fragestellungen zu verstehen haben. Es lässt den Lehrerinnen und Lehrer allerdings wenig Spielraum im Unterrichtsgespräch.
Sehr positiv ist zu erwähnen, dass die Schülerinnen und Schüler in den Aufgaben häufig einen Gegenwartsbezug finden sollen und somit Geschichte auch in ihrer Welt erleben.

Fachwissenschaftliche und fachdidaktische Aktualität
Zur fachwissenschaftlichen Aktualität des Werker lässt sich sagen, dass häufig aktuelle Fragen der Geschichtsdidaktik behandelt wurden. So wurden vielfach Fragen gestellt, die die Schülerinnen und Schüler anregen einen multiperspektivischen oder kontroversen Bezug zur Geschichte zu finden (S.9, Aufg.3; S.17, Aufg.8; S.25, Aufg.2; S.28).
Die Gewichtung zwischen Politikgeschichte, Sozialgeschichte und Kulturgeschichte kann in den ersten beiden Kapiteln als ausgeglichen beschrieben werden. Allerdings sind die Schwerpunkte in den einzelnen Kapiteln sehr unterschiedlich. Im ersten Kapitel überwiegt klar der Anteil an Politikgeschichte, im zweiten der der Kultur- und Sozialgeschichte. Dies liegt aber nicht etwa an willkürlichen Entscheidungen der Autorinnen und Autoren, sondern hängt mit den Vorgaben des bayrischen Curriculums zusammen. Dies erkennt man auch deutlich an den vom Lehrplan vorgegebenen „wichtigen Begriffen“, die die Autorinnen und Autoren unter „Was War Wichtig“ wieder aufgegriffen haben. Im ersten Kapitel sind dies die Begriffe „Absolutismus, Bill of Rights, Dualismus, Föderalismus, Gottesgnadentum, Hegemonie, Hofzeremoniell, Merkantilismus, Parlamentarische Monarchie und Reichstag“, im zweiten Kapitel „Aufklärung, Barock, Gewaltenteilung, Verfassung und Volkssouveränität“.
Leider sieht dieses Curriculum den Umgang mit Umweltgeschichte nicht vor.
Ein weiteres Manko des Curriculums ist die Behandlung der Gendergeschichte. Anstatt zeitgeschichtlich in die einzelnen Kapitel des Buches eingeordnet, soll die Rolle der Frau  nach diesem Lehrplan erst im letzten Kapitel als „Thematischer Querschnitt“ behandelt werden.  Die Autorinnen und Autoren haben dies umgesetzt, indem auf gerade mal vier Seiten das Thema  „Die Rolle der Frau in der vorindustriellen Gesellschaft“ abgehandelt wird.

Fazit
Bei „Geschichte erleben 3“ handelt es sich um ein Schulgeschichtsbuch, das sich gut für den Geschichtsunterricht eignet. Durch die klare Struktur der einzelnen Kapitel und deren Unterkapitel, neben der Darbietung der Arbeitsmaterialien, den unterschiedlichen Fragestellungen sowie den angebotenen Projekten und Lesetipps erscheint das Buch sowohl für Schülerinnen und Schüler als auch für Lehrerinnen und Lehrer interessant. Die genannte Kritik der Internettipps und die Behandlung der Gendergeschichte sind eine Schwäche des Buches, aber durch eine Überarbeitung bei einer Neuauflage korrigierbar. Insgesamt ist das Lehrbuch sehr zu empfehlen und es ist schade, dass es aufgrund der regionalen Bezüge nur in Bayern zugelassen ist.


Lizenz: CC BY-ND 4.0 Lizenz „Namensnennung – Keine Bearbeitungen 4.0 International“ (CC BY-ND 4.0)


Info Zitation Kruse, Claudia und Nina Schmoldt. Rezension zu: Geschichte erleben 3 von Brückner, Dieter und Hannelore Lachner (Hg.). Bamberg: C. C. Buchner 2002, ISBN 978-3-7661-4623-6, Edumeres 2009, https://edu-reviews.edumeres.net/rezensionen/rezension/kruse-claudia-und-nina-schmoldt/, zuletzt geprüft am 27.10.2021.