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Geschichte, 9./10. Schuljahr, Gymnasium

Forum Geschichte kompakt 2.2

Forum Geschichte kompakt 2.2
Herausgegeben von Regenhardt, Hans-Otto
Erschienen Berlin: Cornelsen, 2008
Seitenanzahl 213
ISBN 978-3-06-063983-0
Geeignet für Nordrhein-Westfalen
Rezensiert von Morawietz, Sina (Studentin), 1. April 2010

Rezension von Morawietz, Sina (Studentin)


Konzept
Auf den Innenseiten des Buchdeckels befindet sich unter anderem eine aktuelle Weltkarte. Dem übersichtlich gegliederten Inhaltsverzeichnis, folgt ein in Briefform verfasster Text der Autoren an die SchülerInnen, der ihnen in kurzen Abschnitten anschaulich die Arbeitsweise mit dem Buch erklärt.

Das Buch ist unterteilt in vier große Kapitel, die wiederum in zwei bzw. vier Themenabschnitte gegliedert sind. Am Anfang jedes großen Kapitels befindet sich eine blau unterlegte Doppelseite, die Auftaktseite. Sie besteht größtenteils aus Bildern (etwa drei Viertel), einem kurzen Einführungstext, der das Hauptthema des Kapitels einleitet, sowie aus einigen Leitfragen, die die SchülerInnen durch das Thema begleiten sollen. Bereits hier werden sie aufgefordert die Bilder zu analysieren und ihre ersten Eindrücke zu beschreiben bzw. sich untereinander über schon vorhandenes Wissen zu diesem Thema auszutauschen. Irritierend für die SchülerInnen könnte dabei sein, dass der Autorentext hier gelegentlich zu weit vorgreift und versucht alle Ereignisse des großen Kapitels in einem sehr kurzen Überblick unterzubringen (S.28, 108). Ebenso problematisch sind die Bilddarstellungen, da die Zusammenhänge sich ohne Hintergrundkenntnisse teilweise nicht erschließen lassen (S. 28/29).

Die Themenabschnitte beginnen jeweils mit einer Orientierungsseite und enden mit einer Kompetenz-Check-Seite. Auf der ersteren erfahren die SchülerInnen, welches Wissen bzw. welche Fähigkeiten sie im Folgenden erwerben werden und wie sie diese anwenden können (zum Beispiel können sie am Ende des Themenabschnitts „Deutschland - geteilt und vereint“ die Ziele und Motive der Besatzungspolitik der Alliierten darstellen und bewerten, und den Umgang mit englischsprachigen Quellen erlernen). Weiterhin befindet sich auf der unteren Hälfte der Orientierungsseite immer eine Landkarte, die die themenrelevanten Abschnitte der Welt und ihre historisch-politischen Gegebenheiten aufzeigt.

Die Kompetenz-Check-Seite am Ende eines Themenabschnitts ermöglicht es den SchülerInnen das Erlernte zu überprüfen und anzuwenden, indem sie Begriffe erklären müssen, zu bestimmten geschichtlichen Ereignissen Stellung nehmen sollen oder eine weiterführende Recherche durchführen können, die ihnen die Möglichkeit bietet, nach einem vorgegebenen Leitfaden eine Präsentation auszuarbeiten. Am unteren Ende der Seite befindet sich immer eine Zeitleiste, die die wichtigsten Ereignisse des Themenabschnitts noch einmal darstellt. Leider gibt es keine Lösungsvorschläge am Ende des Buches, so dass die SchülerInnen ihre Ergebnisse nicht überprüfen können. Dies würde sich vor allem bei Interpretationsaufgaben am Bildmaterial anbieten (S. 105).

Die Themenseiten sind der Kern jedes Kapitels. Meist wird auf einer Doppelseite eine Themeneinheit zu einem wichtigen Problem aus der Geschichte behandelt. Der Autorentext am Anfang jeder Seite vermittelt eine erste Einführung in das Thema, sachlich und ohne Lernergebnisse vorwegzunehmen. Des Weiteren findet man größtenteils schriftliche Quellen, Bilder, Karten, Schaubilder oder Tabellen vor, die mit Hilfe von Arbeitsaufträgen bearbeitet und ausgewertet werden können. In blau umrandeten Kästen werden dazu wichtige Informationen über Personen, Ereignisse oder Begriffe gegeben, und gelegentlich werden auch Tipps für weiterführende Literatur (S.92, 101) oder Internetseiten zum Thema (S.19, 104) vorgestellt. Neben den durchnummerierten Arbeitsaufträgen gibt es auch Kästen, in denen Vorschläge für Gruppenarbeit (S. 50, 131) aufgelistet sind.

Die Textquellen sind für den Leser leicht zu erkennen, da sie hellblau unterlegt und mit einem sogenannten Materialpunkt versehen sind. Die Materialpunkte haben verschiedene Farben: Gelb steht für Quellen aus der Vergangenheit (Briefe von Zeitzeugen, Reden etc.), Rot für Stellungnahmen von Wissenschaftlern, Historikern und Journalisten und Blau für alle übrigen Materialien (meist Karikaturen, Fotos, Diagramme, Karten etc.).

Am Ende jedes großen Kapitels befindet sich der Überblick. Ein längerer Autorentext fasst alle wichtigen Stationen des Kapitels zusammen und ein Schaubild verdeutlicht die wichtigsten historischen Zusammenhänge.

 Im Anhang des Buches befinden sich ein Lexikon, das einige Begriffe der Themenseiten näher erklärt, sowie eine Methodenübersicht, die die Arbeitsschritte zusammenfasst, die die SchülerInnen im vorliegenden Band und in den früheren Bänden der Reihe Forum Geschichte kennen gelernt haben. Sie setzt die Kenntnis der vorherigen Bände allerdings nicht unbedingt voraus. Das Lexikon ist leider sehr knapp gehalten und manche Begriffe werden nicht hinreichend oder gar nicht geklärt, obwohl sie auf den Themenseiten vorkommen, wie z. B. der „Marshallplan“ oder der „Brüsseler Vertrag“.

 Ein wichtiger Abschnitt des Buches sind die Methoden- und Werkstattseiten, die man in allen Kapiteln findet. Die Methodenseiten sollen den SchülerInnen Hilfsmittel zur Hand geben, mit denen sie Schritt für Schritt Quellen untersuchen und auswerten können, um Erkenntnisse zu gewinnen und Urteile bilden zu können. Auf den Werkstattseiten hingegen kann das Erlernte direkt an verschiedenen Quellen erprobt werden. Dabei werden anhand von aufeinander aufbauenden Fragen Zusammenhänge hergestellt, die in Diskussionsrunden oder in Gruppenarbeit weiterführend bearbeitet werden sollen.

Danach folgt eine Seite mit Anregungen und sprachlichen Hilfen für die Beschreibung und Erörterung historischer Sachverhalte, z.B. Thesen erörtern oder einen Essay schreiben. Am Ende steht das alphabetische Register, das den SchülerInnen hilft Informationen über Personen, Ereignisse oder Begriffe im Buch schnell zu finden.

 

Quellenarbeit und Aufgabenstellung

Es fällt auf, dass das Quellenmaterial den größten Teil sowohl des Buches als auch der Themenabschnitte ausmacht. Die Illustrationen sind immer betitelt und mit Jahreszahlen versehen, werden jedoch  nur dort näher erklärt, wo es notwendig ist (z.B. bei Fotos). Dies lässt den SchülerInnen zwar Raum für eigene Ideen und Rückschlüsse, jedoch kommt es häufig vor, dass die Abbildungen keinen aufgabenbezogenen Zweck erfüllen, sondern lediglich eine Visualisierungsfunktion zu haben scheinen (S.65, 123, 127, 135)

Die Textquellen sind nicht zu lang, inhaltlich jedoch themenbezogen und verständlich. Sie sind aufeinander abgestimmt, so dass man gut vergleichen bzw. zwei konkurrierende Ansichten gegenüberstellen kann (S.49, 112, 117). Es fällt jedoch auf, dass einige Quellen die Erkenntnisse heutiger Politik- und Geschichtswissenschaftler wiedergeben, was es den SchülerInnen erschweren könnte eigene Theorien zu formulieren, da Ideen vorweggenommen werden. Weiterhin  beantworten diese Quellen zum Teil schon explizit die Fragen der Aufgabenstellung (S.112/113). Dies könnte zur Folge haben, dass die Informationen nicht selbständig erarbeitet werden, sondern der Text lediglich zusammengefasst wird.

Es ist bedauerlich, dass die fremdsprachigen Quellen etwas zu kurz kommen. Die Methodenseite bietet nur eine einzige englische Quelle zur Bearbeitung an. Es wäre gut gewesen wenigstens noch zu einem anderen Thema einen fremdsprachigen Text anzubieten.

Die SchülerInnen werden durch Arbeitsaufträge mit den üblichen Operatoren zur kritischen Quellenanalyse angeleitet (beschreibe, beurteile, stelle fest, diskutiere, etc.). Dabei bauen die Aufgabenstellungen zum Teil aufeinander auf und regen zur intensiven Auseinandersetzung mit den Materialien an (S.115, 137, 141). So sollen zum Thema Staatssicherheit im Kapitel „Deutschland-geteilt und vereint“ zuerst Ermittlungsmethoden der Stasi erarbeitet werden, dann vor diesem Hintergrund die möglichen Konsequenzen für das Zusammenleben der Menschen genannt werden und schließlich soll geprüft werden, ob und wie die Stasi als Mittel zum Machterhalt der Partei diente. Die Aufgaben sind so angelegt, dass die SchülerInnen von der Erschließung der Problematik bis hin zur kritischen Urteilsbildung Schritt für Schritt und nachvollziehbar angeleitet werden. Dabei stehen die Urteils- und Handlungskompetenz im Vordergrund, wie auch die Kompetenz-Check-Seiten zeigen (S.105, 161).

Die Methodenseiten sind elementares Werkzeug und für die weiterführende Erarbeitung der Themen unerlässlich. Diese erklären Schritt für Schritt, wie man z.B. im Internet oder in Archiven recherchiert, Interviews durchführt, Texte, Bilder, Kunstwerke und Karten untersucht, entschlüsselt und hinterfragt oder wie Informationen ausgewertet und präsentiert werden können. Bei der Analyse von Propagandamedien zum Beispiel soll zuerst der historische Kontext geklärt werden, dann muss die Art des Mediums und seine Funktion erschlossen werden (zum Beispiel Rundfunkansprache, Nachrichtenbeitrag, Dokumentarfilm), danach werden die sprachlichen bzw. bildlichen Mittel untersucht und anschließend die Folgen von Propaganda bewertet. Die SchülerInnen werden im Laufe der Themen- und Kompetenz-Check-Seiten immer wieder aufgefordert Methoden aus der Methodenübersicht anzuwenden.

 

Fachdidaktische und fachwissenschaftliche Aspekte

Das Quellenmaterial ist in das Konzept der Multiperspektivität eingepasst, zum Beispiel wird durch die Analyse von politischen Plakaten (S.32) und Propaganda-Medien (S.56) deutlich, wie verschiedene Kräfte auf das politische Geschehen und das Denken der Menschen eingewirkt haben, und dass dies oft durch Manipulation oder Verschleierung geschehen ist und immer noch geschieht. Es werden verschiedene Sichtweisen zu einem Thema präsentiert, zum Beispiel Aussagen und Briefe von Zeitzeugen (S.89, 144), Kommentare damaliger und heutiger Politiker und Journalisten (S.80, 95, 111,123), sowie Berichte von ‚Tätern und Opfern’ im Nationalsozialismus (S.83, 87, 90). So soll den SchülerInnen auch klar werden, dass Aussagen von Zeitzeugen zwar anschaulicher, jedoch höchst subjektiv und damit weniger allgemeingültig sind, dass Politiker oft Aussagen treffen, die ihre persönlichen politischen Überzeugungen widerspiegeln und dass ‚Täter’ sich gelegentlich als ‚Wohltäter’ erwiesen haben, die versuchten Leben zu retten. Durch diese Einsicht soll das Geschichtsbewusstsein geweckt werden und die Erkenntnis, dass Geschichte nur als Rekonstruktion erfahrbar ist, aber durch die Vielfalt an Quellen auch eine Vielfalt von Interpretationen möglich wird.

Es werden sowohl nationalgeschichtliche Sichtweisen vermittelt (Weimarer Republik, Nationalsozialismus, Teilung und Wiedervereinigung Deutschlands) als auch internationale (USA und die Sowjetunion, UNO und EU, Globalisierung). Bezüglich des Wahlthemas „Kalter Krieg“ werden auch die politischen Entwicklungen im ehemaligen Jugoslawien, in Indien und Afrika dargestellt. In diesem Zusammenhang werden Konflikte analysiert und deren Ursachen kritisch reflektiert. So wird z.B. analysiert, wie Feindbilder im Kalten Krieg entstanden sind (S. 116) und wie sich dies auf die heutige Zeit übertragen lässt. Hinzu kommt, dass sich aus den Themen häufig ein aktueller Bezug herleiten lässt (Rechtsextremismus, Entstehung von Vorurteilen etc. S.104).

Die SchülerInnen können darüber hinaus Fachkompetenzen erlangen, die ihre Problemlösungsfähigkeiten stärken, indem sie historische und aktuelle Sachverhalte und Meinungen kritisch einzuschätzen und zu beurteilen lernen (War der Kalte Krieg vermeidbar? War der Widerstand in der NS-Zeit umsonst? Welche Nachteile hat die Globalisierung? etc.).

Des Weiteren erlangen die SchülerInnen Kompetenzen in den Bereichen Recherchemöglichkeiten beziehungsweise Informationsbeschaffung und Auswertung sowie Medienkompetenz (S.56, 167). Diesbezüglich könnte man kritisieren, dass die Internetseiten oft vorgegeben werden und die eigene erweiterte Recherche unterbleiben könnte. Jedoch bemühen sich die AutorInnen des Buches möglichst viele Methoden und Kompetenzen abzudecken ohne das Ergebnis unübersichtlich werden zu lassen.

 

Fazit

Das Forum Geschichte kompakt 2 eignet sich dank der Kompetenz-Checks wunderbar zum selbständigen Arbeiten, wobei die fehlenden Lösungsvorschläge die Selbstständigkeit einschränken könnten. Es bietet trotz einiger Kritikpunkte abwechslungsreiches Quellenmaterial, das mit Hilfe der vorgestellten Untersuchungsmethoden gut bearbeitet werden kann. Das Buch entspricht den Vorgaben des Kerncurriculums und fördert die problemorientierte Urteils- und Handlungskompetenz der SchülerInnen. Weiterhin sind Vorschläge zur Vertiefung des Gelernten vorhanden sowie Vorschläge für Diskussionen und Gruppenarbeiten, was auch das teamorientierte Arbeiten ermöglicht und die sprachlichen Fähigkeiten stärkt.