Zurück zur Übersicht

Geschichte, 9./10. Schuljahr, Gymnasium

Mosaik A 5

Mosaik A 5
Herausgegeben von Cornelissen, Joachim et al.
Erschienen München: Oldenbourg, 2009
Seitenanzahl 160
ISBN 978-3-637-02140-2
Geeignet für Baden-Württemberg
Rezensiert von Vetter, Ulrich und Timo Bandhold (Studierende), 1. Juli 2010
Projekt Christian-Albretchts-Universität Kiel, Wintersemester 2009/10

Rezension von Vetter, Ulrich und Timo Bandhold (Studierende)


Einleitung
Das Schulbuch „Mosaik – Der Geschichte auf der Spur, A5“ vom Oldenbourg Verlag ist ein Lehrwerk von mutigen Autoren für mutige und selbstbewusste Lehrkräfte. Es sticht durch sein erfrischend abweichendes Konzept hervor, indem es die Zeitspanne von der Antike bis zur Neuzeit (8. Jh. v. Chr.: Gründung griechischer Kolonien bis 1784 Kant: Was ist Aufklärung?) ausschließlich in Querschnitten behandelt.
In der folgenden Rezension soll das Schulbuch auf seine Unterrichtstauglichkeit hin untersucht werden, wobei sowohl formale (z.B. Größe, Gewicht), fachdidaktische (wie z.B. Multiperspektivität, Kontroversität), fachwissenschaftliche (z.B. Forschungsstand, Kontroversen, Stimmigkeit der Fakten) als auch pädagogische Aspekte (Anschaulichkeit, angemessene Sprache etc.) in die Beurteilung einfließen.

Formalia
Dieser Band der Mosaik-Reihe richtet sich an die Klassenstufe 10 des Gymnasiums in Baden-Württemberg. Das Format des Buches ist schülerfreundlich: Ein Hardcover im Format 26,5 x 20 cm schützt die 160 Seiten. Lehrermaterialien gibt es über den Verlag als Loseblattsammlung.
Positiv zu bemerken ist, dass das Buch über ein sehr übersichtliches Inhaltsverzeichnis und einen Glossar verfügt. Eine Einleitung zu jedem der fünf Kapitel nimmt vorweg, worum es im entsprechenden Kapitel geht und fasst Grundsätzliches zusammen. Die Themen sind wie folgt gewählt: 1. Den Menschen beschreiben, die Welt ergründen (26 Seiten), 2. Herrschaft ausüben und teilen (28 Seiten), 3) An Gott glauben und Macht begründen (30 Seiten), 4) Länder erobern, Kulturen mischen (26 Seiten), 5) Anderen begegnen und sich selbst erkennen (20 Seiten).
Um diese Themen mit Inhalten zu füllen werden, wie es der Titel des Buches schon andeutet, ausgewählte Mosaiksteine der Geschichte beleuchtet. Da diese Struktur eine Besonderheit darstellt, wird sie hier etwas ausführlicher dargestellt, um ein möglichst deutliches Bild davon zu vermitteln, wie die Autoren sich der Geschichte genähert haben. Als Beispiel wird hierzu ein Auszug aus der inhaltlichen Gliederung des fünften Themas angeführt: Das Einleitungskapitel: Auf der Suche nach einer europäischen Identität. Die ersten Unterkapitel: 1. Was ist Europa? – Mythos und Geografie, 2. Griechen und Perser – der politisch-ideologische Europabegriff entsteht, 3. Bonifatius – ein Wegbegleiter des Christentums, […], 8. Die Türken und Europa, u.s.w. (jeweils eine Doppelseite). Sowohl die Längsschnitthemen als auch die jeweiligen Unterkapitel decken den Zeitraum von der Antike bis zur frühen Neuzeit chronologisch ab. Die Doppelseiten der Unterkapitel unterteilen sich wiederum in eine Seite Darstellungstext und eine Seite Quellenmaterial.

Inhaltliche und methodische Beurteilung
Die Autoren haben die oben beschriebene Struktur gewählt, um den multiperspektivischen Ansatz des Buches in den Vordergrund zu stellen, was sehr gut gelingt. Dabei mussten sie sich auf einem schmalen Grat bewegen, um die Schülerinnen und Schüler nicht durch die Themenvielfalt zu verwirren und trotzdem weitreichende Kenntnisse zu vermitteln. Die starre Struktur, die gute Übersicht des Inhaltsverzeichnisses und die Absicherung durch ein Glossar sind gut eingesetzte Mittel, um die Übersichtlichkeit zu wahren und sind deshalb auch zur Eigenarbeit der Schülerinnen und Schüler geeignet.
Die Aufteilung in Darstellungsteil und Quellenteil ist ganz der Multiperspektivität gewidmet. Während die Autorentexte in angemessener Sprache Hintergrundinformationen in sehr komprimierter Form anbieten, werden die Quellen dazu benutzt das Thema breit gefächert zu hinterfragen. Ein gutes Beispiel hierfür findet sich im Kapitel „Länder erobern, Kulturen mischen“. In diesem Kapitel zeigt sich positiv die Multiperspektivität der Quellen: Auf Seite 105 ist die Einnahme der Aztekenstadt Mexica durch Cortés in zwei verschiedenen Quellen aus europäischer und aus indianischer Sicht dargestellt. Dabei kommen zwei vollkommen konträre Sichtweisen zum Vorschein, die deutlich aufzeigen, dass eine geschichtliche Wertung keine unumstößliche statische Größe ist. Die Fragestellung zu den Quellen nimmt glücklicherweise die Multiperspektivität der Quellen auf und regt die Schülerinnen und Schüler an, sich selbst in ein differenziertes Geschichtsbild zu erarbeiten. So soll die indianische Frau von Cortés, Milanche, zwischen den beiden Extremen „Verräterin“ und „Mutter der mexikanischen Nation“ bewertet werden. Dies motiviert die Schülerinnen und Schüler einerseits sich kritisch mit dem Stoff auseinander zu setzen, verlangt andererseits von ihnen eine konkrete Position zu beziehen und zu vertreten. Eine weitere Aufgabe fordert die Schülerinnen und Schüler auf, die jeweiligen Akzente der beiden konträren Quellen auszuarbeiten. Zusätzlich ist noch ein fachwissenschaftlicher Text abgedruckt, welcher die Thematik aus Sicht eines Historikers möglichst objektiv zu beurteilen versucht. Die Schülerinnen und Schüler werden aufgefordert, diesen Fachtext mit den beiden stark durch ihre Sichtweise verzerrten Quellen in Bezug zu setzen. Hier hat der Schüler die Möglichkeit, ein eventuell vorhandenes gefestigtes Geschichtsbild infrage  zu stellen, was in Bezug auf Toleranz und soziale Kompetenz nur von Vorteil sein kann.
Eine Schwäche des Konzeptes ist jedoch die starke inhaltliche Verkürzung der einzelnen Themengebiete. Es liegt auf der Hand, dass auf einer Doppelseite ein Thema wie z. B. „Geld und Handel vernetzen Europa“ (S. 124) nicht erschöpfend behandelt werden kann. Das Buch weist hier fachlich große Lücken auf. Im Abschnitt zum Mittelalter wird die Hanse nur mit einem einzigen Satz erwähnt, nämlich dass sie durch die westwärts gerichtete Erschließung neuer Handelswege an wirtschaftlicher Bedeutung verlor. Nun mag man argumentieren, dass ein Buch, welches für Baden-Württemberg konzipiert wurde, den Fokus eher auf das Imperium der Fugger legt, und es genügt soweit auch durchaus dem Lehrplan des Landes, jedoch spielt die Hanse für die Wirtschaftsgeschichte des Mittelalters eine so umfassende Rolle, dass sie einfach nicht gänzlich außer Acht gelassen werden sollte. Auf weitere Beispiele wird hier verzichtet, weil diese Schwäche eine systematische ist und keine zufällige Erscheinung. Es wird hier der Lehrkraft überlassen, wenn sie auf eine größere Tiefe der Informationen Wert legt, die Themen mit weiteren Informationen aufzustocken.
Unter fachdidaktischen Gesichtspunkten fällt besonders positiv auf, dass in drei der fünf Themen auch jeweils eine Methode des historischen Arbeitens eingefügt wird. Sie geben Einblick in typische Arbeitsgebiete eines Historikers, die auch für die Schülerinnen und Schüler großen Nutzen bringen. Die vorgestellten Methoden sind: 1. Eine Statue interpretieren, 2. Analyse fachwissenschaftlicher Texte, 3. Umgang mit Perspektivität in Textquellen. Beim Umgang mit Perspektivität in Textquellen wird Textkritik nähergebracht, indem darauf aufmerksam gemacht wird, dass man sich sowohl mit dem Verfasser als auch mit den Adressaten und der Funktion des Textes vertraut machen, bzw. diese kritisch analysieren muss. Auch hier wird das erworbene Wissen durch die Bearbeitung von drei Aufgaben gesichert und gefestigt.

Fazit
Das Buch verfolgt mit seinem Konzept der Mosaiksteine, also der Beleuchtung einzelner „Hot-Spots“ der Geschichte unter fünf verschiedenen Blickwinkeln einen interessanten Ansatz für einen kontroversen und vielschichtigen Geschichtsunterricht. Der mehrfache Perspektivenwechsel macht dieses Buch zu einer lohnenden Investition. Aufgrund der Lückenhaftigkeit des Inhalts sollte es aber nur als zusätzliches Geschichtsbuch Verwendung im Unterricht finden. Es stellt eine gute Ergänzung zu einem klassischen Geschichtsbuch dar, kann dieses aber unserer Meinung nach nicht ersetzen.


Lizenz: CC BY-ND 4.0 Lizenz „Namensnennung – Keine Bearbeitungen 4.0 International“ (CC BY-ND 4.0)


Info Zitation Vetter, Ulrich und Timo Bandhold. Rezension zu: Mosaik A 5 von Cornelissen, Joachim et al. (Hg.). München: Oldenbourg 2009, ISBN 978-3-637-02140-2, Edumeres 2010, https://edu-reviews.edumeres.net/rezensionen/rezension/vetter-ulrich-und-timo-bandhold/, zuletzt geprüft am 27.10.2021.

Weitere Rezensionen zu dieser Publikation